• vom 13.04.2018, 16:26 Uhr

Mensch

Update: 13.04.2018, 16:42 Uhr

Biologie

Im Rausch der Hormone




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Von Alexandra Grass

  • Die Frühlingsgefühle sind allerorts spürbar und sorgen für Hochstimmung in vielen Bereichen des Lebens.



Der Frühling zeigt sich dieser Tage von seiner wohl schönsten Seite. Die jungen, saftig grünen Triebspitzen der Bäume brechen immer weiter auf und so manch Gewächs präsentiert seine erste füllige, herrlich duftende Blütenpracht. Doch nicht nur Mutter Natur erfährt zu dieser für Erneuerung und Aufbruch stehenden Jahreszeit einen regelrechten Energieschub. Auch der Mensch blüht auf. Ein frühlingsfrischer Hauch liegt in der Luft und die Sonnenstrahlen erwärmen sowohl Körper als auch Seele - die ideale Kombination also, um den Hormonhaushalt des Menschen so richtig in Fahrt kommen zu lassen. Das hat massive Auswirkungen auf unseren Gefühlszustand. So sind es doch gerade die Sexualhormone, die jetzt Hochkonjunktur haben. Das bringt vermehrt Leben in zwischenmenschliche Beziehungen. Der Rausch der Hormone zeigt seine Wirkung.

Doch woher kommen sie, diese Frühlingsgefühle, und was machen sie mit uns Menschen? Als Auslöser haben die Wissenschafter das Schlafhormon Melatonin erkannt. Es steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers und wird, wenn die Tage länger werden, in seiner Produktion ausgebremst. Im Frühling muss es nämlich Gesetz der Natur den besonders triebigen Sexualhormonen Testosteron, beim Mann, und Östradiol, bei der Frau, weichen, erklärt der Endokrinologe Johannes Huber im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon und macht aus kleinen Buben echte Kerle. Sein weibliches Pendant Östradiol hebt Lust und Laune.


Bei den Frühlingsgefühlen dürfte es sich um ein Überbleibsel des geschlechtlichen Jahreszyklus handeln, wie er bei vielen Tierarten zu finden ist. Vögel scheinen dabei eine besonders hohe Sensibilität zu besitzen. Sie merken gar schon im Jänner, dass die Tage wieder länger werden, und bereiten sich auf die fruchtbarste Zeit des Jahres vor, schildert der Hormonexperte. Denn sobald der Frost vorbei ist und es länger hell ist, herrschen optimale Bedingungen für die Fortpflanzung sowie die darauffolgende Geburt und Aufzucht der Jungen. "Bei uns Menschen kommt jetzt auch noch der Wärmeeffekt hinzu", so Huber. Letzten Endes dienen Sexualität, Zuneigung und Blickkontakt der Erhaltung der Art - eigentlich ziemlich unromantisch.

Intensivere Wahrnehmung
Der Mensch weiß hingegen wesentlich mehr damit anzufangen. Dies zeigt sich nicht nur am lebhaften Treiben in den Straßen. "Man hat mehr Freude und Lust, fühlt sich lebendiger und ist unternehmungslustiger", schildert die Wiener Psychologin Caroline Erb vom Online-Partnerportal Parship.at. "Man hat das Gefühl, dass man in dieser Zeit Farben, Gerüche und vieles mehr wesentlich intensiver wahrnimmt und einen größeren Tatendrang verspürt." Das hat auch zwischenmenschlich Auswirkungen. Der Frühling scheint die optimale Zeit zu sein, auf Partnersuche zu gehen. Mitunter sogar innerhalb der eigenen Beziehung. Paare, denen mit den Jahren der Alltag über den Kopf gewachsen ist, könnten den Schritt hinaus wagen - "hinaus aus dem Grauen, Redundanten, sich Wiederholenden", bringt es Erb auf den Punkt.

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Dokument erstellt am 2018-04-13 16:30:12
Letzte ─nderung am 2018-04-13 16:42:11



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