• vom 13.04.2018, 17:08 Uhr

Mensch


Freiheit der Forschung

Daten, der Schlüssel zu Wissen




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Von Eva Stanzl

  • Die Regierung will persönliche Daten für die Forschung öffnen - Freigabe von Elga-Gesundheitsdaten noch fraglich.

- © fotolia/sdecoret

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Wien. Das Bedürfnis, persönliche Informationen zu schützen, existiert nicht erst, seit Cambridge Analytica in großem Stil Daten von Facebook-Nutzern sammelt und analysiert, um auf deren Grundlage durch gezielte Botschaften das Wählerverhalten zu beeinflussen. "Der Bedarf nach Datenschutz ist allzu verständlich und vermutlich ist diese Affäre nur die Spitze des Eisbergs. Andererseits benötigt die Forschung ihre Freiheit und ohne Daten-Austausch ist diese Freiheit eine leere Formulierung", betonte Hannes Androsch, Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung, am Freitag bei einer Pressekonferenz des Wissenschaftsministeriums.

Ab 25. Mai gelten die Neuerungen im österreichischen Datenschutzgesetz. Um personenbezogener Daten besser zu schützen, schreibt die Novelle strenge Auflagen für ihre Nutzung fest. Damit aber nicht im gleichen Zug wissenschaftlicher Arbeit der Riegel vorgeschoben wird, wollen die Regierungsparteien am Montag im Forschungsausschuss des Parlaments ein Datenschutz-Anpassungsgesetz beschließen, das das neue Forschungsorganisationsgesetz (FOG) beinhaltet.


Geschützte Freiheit
Konkret führt der Gesetzesentwurf an, unter welchen Bedingungen die wissenschaftliche Forschung auf persönliche Informationen zugreifen darf. Das Ziel ist laut Androsch "die Schaffung einer ausgewogenen Balance zwischen bestmöglichem Schutz personenbezogener Daten und klaren Rahmenbedingungen für den Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsstandort Österreich."

Was steht auf dem Spiel? Heute gibt es kein neues Medikament ohne biomedizinische Forschung, die anhand einer Vielzahl von Blut-, Speichel- oder Gewebeproben testet, welches Mittel gegen bestimmte Erkrankungen mit den wenigsten Nebenwirkungen am besten wirkt. In der Onkologie könnten keine personalisierten Medikamente entwickelt werden, wenn die Wirkstoffe nicht an großen Patientengruppen getestet und sowohl die Grundlagen, als auch der Entwicklungsprozess und die Ergebnisse an Labors weltweit vermittelt würden, damit andere Forschungsgruppen darauf aufbauen können. Nur so können ähnliche Patientengruppen in aller Welt gleichermaßen von neuen medizinischen Erkenntnissen profitieren. "Ohne Zugang zu großen Datenbanken wüssten wir auch nicht, wie sich Schwangerschaftsereignisse auf Babys auswirken oder ob Diabetes-Medikamente unter bestimmten Umständen Krebs verursachen können", sagte Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung der Meduni Wien.

Auch Soziologen, Wirtschafts- und Politikforscher hätten ohne die Lockerung ihre Not. Ohne Freigabe von Daten der Österreicherinnen und Österreicher für die Forschung könnten der Arbeitsmarkt nicht analysiert, Lohngefälle nicht verglichen, politische Maßnahmen nicht evaluiert und Fördersysteme nicht auf Effizienz geprüft werden, betonte die anwesenden Experten. Vor allem Registerdaten stehen im Fokus der Diskussion. "Der Deutsche Bundestag etwa gibt seine Registerdaten proaktiv an die Forschung weiter. Wenn wir das nicht auch tun, haben europaweite Studien weniger Daten aus Österreich", warnte Martin Kocher vom Institut für Höhere Studien. Müsste jede Gruppe ihre eigenen Daten einheben, wären die Ergebnisse weniger präzise und die Forschung Sisyphos-Arbeit, meinte er.

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Dokument erstellt am 2018-04-13 17:15:12


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