• vom 16.04.2018, 11:58 Uhr

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Update: 16.04.2018, 13:32 Uhr

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AIDS und HIV - Antworten auf die häufigsten Fragen




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Von WZ Online, APA, AFP, Reuters, grex

  • Was bedeutet es HIV-positiv zu sein, welche Herausforderungen stellen sich im Privaten, wie auch im Arbeitsleben.

Das Team der Aids Hilfe Wien und Life Ball-Organisator Gery Keszler bei der PK im Le Meridien. Beim Life Ball 2017 wurde unter dem Motto "Know your Status" das Angebot zum Selbsttest sehr gut angenommen. - © Foto: Life Ball, Maximilian Räder &Sergiu Andras, www.onyx-group.at

Das Team der Aids Hilfe Wien und Life Ball-Organisator Gery Keszler bei der PK im Le Meridien. Beim Life Ball 2017 wurde unter dem Motto "Know your Status" das Angebot zum Selbsttest sehr gut angenommen. © Foto: Life Ball, Maximilian Räder &Sergiu Andras, www.onyx-group.at



3D-Darstellung des HI-Virus mit Schnitt der einzelnen Schichten und die schematische Darstellung des Vermehrungszyklus. 

3D-Darstellung des HI-Virus mit Schnitt der einzelnen Schichten und die schematische Darstellung des Vermehrungszyklus. © Grafik: APA 3D-Darstellung des HI-Virus mit Schnitt der einzelnen Schichten und die schematische Darstellung des Vermehrungszyklus. © Grafik: APA

Wien. Die gesellschaftliche Entstigmatisierung von HIV schreitet nicht so rasch voran wie die medizinischen Erfolge bei der Behandlung der Infektion. Die Aids Hilfen Österreichs haben von 2013 bis 2017 insgesamt 182 Meldungen HIV-bezogener Fälle von Diskriminierung dokumentiert. Anlässlich des Zero Discrimination Day am 1. März fordern sie, ungerechtfertigter Ungleichbehandlung ein Ende zu setzen.

"Diskriminierung von HIV-positiven Menschen findet jeden Tag statt. Unwissenheit, irreale Ängste und Schuldzuweisungen führen dazu, dass HIV-positive Menschen in der Arbeitswelt, im medizinischen System, aber auch im privaten Umfeld, in der Familie und im Freundeskreis benachteiligt und ausgeschlossen werden", erläuterte Wolfgang Wilhelm, Obmann der Aids Hilfe Wien.

Irrationale Ängste und moralische Urteile

95 der in den fünf Jahren gemeldeten 182 Diskriminierungsfälle betrafen das Gesundheitswesen, wie aus dem Anti-Diskriminierungsreport 2017 hervorgeht. Dieser Umstand verdeutlichte, dass bei Bekanntwerden eines positiven Status nach wie vor irrationale Ängste und moralische Urteile eine Rolle spielen.

Die regionalen Aids Hilfen bieten Betroffenen psychosoziale Unterstützung, rechtliche Beratung oder Vermittlung. Ein niederschwelliger und vertraulicher Zugang solle es Menschen mit HIV leichter machen, über erfahrene Abwertung, Ungleichbehandlung und Diskriminierung zu sprechen, hieß es in der Aussendung. Seit heuer werden Meldungen auch online unter www.aids.at entgegengenommen.

Angst vor Stigmatisierung

In Österreich leben 8.000 bis 9.000 Menschen mit HIV, berichtete die Aids Hilfe Wien unter Berufung auf Zahlen des Gesundheitsministeriums. Ein großer Teil der Betroffenen verschweige die Infektion - sowohl beruflich als auch privat - aufgrund der Angst vor Stigmatisierung, Diskriminierung und deren Folgen. Menschen mit HIV haben bei einer entsprechenden Therapie eine annähernd durchschnittliche Lebenserwartung mit zumeist guter Lebensqualität.

Der 1. März wurde von UNAIDS, einem Programm der UNO, als Zero Discrimination Day ausgerufen und 2014 erstmals begangen. An diesem Tag soll weltweit darauf aufmerksam gemacht werden, dass alle Menschen ein Recht auf ein Leben in Würde und frei von Stigmatisierung und Diskriminierung haben.

Rund 30.000 HIV-Neuinfektionen in Europa

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Immunschwächevirus in den 31 Staaten der EU und des europäischen Wirtschaftsraumes ist im Vorjahr auf einem ähnlichen Level geblieben wie in den Jahren davor. In den Staaten wurden insgesamt 29.747 Neuinfektionen an das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) und die WHO gemeldet. Das waren rund 3.000 Fälle weniger als 2014.

Für Österreich meldete die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 264 Neuinfektionen an das ECDC. Allerdings beruhen diese Daten auf einer österreichischen HIV-Kohorte, bei der die in ausgewählten Behandlungszentren gesammelten Daten hochgerechnet werden. Das Gesundheitsministerium weist demgegenüber 428 Neuinfektionen im vergangenen Jahr aus, 25 mehr als 2014.

Unwissenheit als größtes Problem

Ein Hauptproblem in Europa ist für das ECDC noch immer, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie den HI-Virus in sich tragen. Dabei wäre eine rechtzeitige Diagnose immens wichtig: Wer zeitgerecht Bescheid weiß und entsprechend behandelt wird, kann sehr lange problemfrei leben. Im EU/EWR-Raum weiß demnach aber einer von sieben HIV-positiven Patienten nicht, dass er den Virus hat. Nach Schätzungen des ECDC gibt es in den 31 Staaten etwa 122.000 Infizierte, die nichts davon ahnen.

Dass jemand den HI-Virus in sich trägt, wird in den 31 Staaten des EU/EWR-Gebiets durchschnittlich erst vier Jahre nach der Infektion diagnostiziert. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr rund sechs neu Infizierte auf 100.000 Einwohner (genau: 6,3). Laut ECDC war dies ein leichter, aber statistisch nicht signifikanter Rückgang gegenüber 2014 (Rate 6,6).

Sexuelle Übertragung

Die häufigste Übertragungsart ist nach wie vor Sex zwischen Männern. 42 Prozent der Infektionen beruhen demnach auf homosexuellen Kontakten unter Männern. An zweiter Stelle folgt weiterhin die Übertragung über heterosexuelle Kontakte mit 32 Prozent. Vier Prozent der Infektionen entstanden durch die Nutzung gebrauchter Spritzen. Weniger als ein Prozent der Übertragungen erfolgt von der Mutter auf ihr Neugeborenes. Bei den restlichen Betroffenen bleibt der Ansteckungsweg im Dunkeln.

Das ECDC machte auch darauf aufmerksam, dass nahezu jeder zweite HIV-positive Patient erst in einem sehr späten Stadium von seiner Infektion erfährt. Das ECDC betonte, dass es offenbar weiterhin Probleme mit dem Zugang zu HIV-Tests gebe. Beziehungsweise werden diesbezügliche Angebote offenbar noch immer nicht in ausreichendem Maße angenommen.

Männer mit HIV-Infektion sterben eher als Frauen

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Schlagwörter

Wissen, AIDS, HIV, UNAIDS

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-16 12:03:15
Letzte Änderung am 2018-04-16 13:32:55


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