• vom 11.05.2018, 18:11 Uhr

Mensch

Update: 12.05.2018, 15:42 Uhr

Dialogic-Diskussion

"Europa braucht einen Kulturminister"




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Von Eva Stanzl

  • Europa erfand die Digitalisierung und ist jetzt nur noch Konsument: Diskussion zur Rolle der Logik in der digitalen Welt.

Moderator Hämmerle im Gespräch mit Mathematiker Sigmund, Philosophin Mras und Künstler Weibel (v.l.). - © Simon Rainsborough

Moderator Hämmerle im Gespräch mit Mathematiker Sigmund, Philosophin Mras und Künstler Weibel (v.l.). © Simon Rainsborough


© Rainsborough © Rainsborough

Wien. "Wie konnte es nur passieren, dass wir Modelle in die Welt exportiert haben, von der Demokratie bis zur Technologie, die die ganze Welt nachahmt, und heute den digitalen Entwicklungen hinterherrennen?", fragte der weltberühmte Künstler, Mediendenker und Naturwissenschafter Peter Weibel in der ersten Diskussion der Reihe "Dialogic" der "Wiener Zeitung" und der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft diese Woche in der Wienbibliothek im Rathaus zum Thema "Die Rolle der Logik in unserer digitalen Welt".

"Das ist doch logisch!", heißt es im Alltag, wenn etwas vernünftig, wahr und plausibel ist. "Damit ist ein Merkmal des menschlichen Denkens angesprochen: Korrektes Schlussfolgern, dessen Gültigkeit in der Beziehung von Prämisse und Konklusion liegt: Wenn A, dann B", leitet der Wiener Philosoph Friedrich Stadler die Runde ein. "Vor etwa 100 Jahren wurde die Mathematik logisiert und die Logik mathematisiert. Mehrere Zweige der Logik entwickelten sich", erläutert Karl Sigmund, Professor für Mathematik an der Universität Wien. In der Folge schuf der britische Mathematiker Alan Turing (1912-1954) einen großen Teil der theoretischen Grundlagen für die Informations- und Computertechnologie, die zunächst zu auch zu Kriegsanwendungen führten. Die Philosophie brachte dann auch die Idee eines auf Maschinen ausgelagerten Denkens hervor. "Heute ist die Digitalisierung ungeheuer anwendungsorientiert und hat unser ganzes Leben und unsere Sicht auf die Welt geändert", sagte Sigmund.


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"Die heutigen Parallelwelten sind gekennzeichnet durch ein Nebeneinander von Logik, Informatik und Mathematik", ergänzt Stadler. Heute geht es um Mechanisierung, Automatisierung und Anwendungsgebiete für künstliche Intelligenz - wir sprechen von Informationstechnologien und der Zukunft der Arbeit als zweites maschinelles Zeitalter. "Die binäre Logik hat zu Umbrüchen geführt, die sich in der Arbeitswelt, der Robotik, künstlichen Intelligenz, Wissenschaft und Medizin spiegelt." Mobiltelefone, Verkehr, Satelliten, Internet und Social Media seien Merkmale der Wissensgesellschaft, "die in ihrer Dynamik und Dichte als zweite Revolution bezeichnet werden kann. Die digitale Revolution ist irreversibel", sagt der Präsident der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft.


Ist diese digitale Revolution aber nun eine Enttäuschung oder nur eine unerwartete Wendung im Revolutionsgedanken? Immerhin gibt sie dem Einzelnen ja nicht nur mehr Freiheit, sondern sie unterwirft ihn auch zunehmender Kontrolle. Für Peter Weibel, der 1968 an der legendären Aktion "Kunst und Revolution" an der Wiener Haupt Universität teilgenommen hat, überwiegen die Vorteile: "Die Digitalisierung erweitert den Wahrnehmungshorizont, die Wahlfreiheit und damit die Freiheit", meint er. Das Potenzial einer Gesellschaft liege auch in der mathematischen Logik. Nur wenn wir neue Theorien haben, können wir auch neue Anwendungen erfinden. "Allerdings müssen Sie dann anders vorgehen als ich", witzelt er: "1974 habe ich ein Buch geschrieben über die Theorie abstrakter Automaten. Das war ein Fehler. Ich dachte, Probleme rein nur auf dem Papier lösen zu können, während Steve Jobs einfach in seiner Garage wirkliche Computer baute."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-11 18:15:49
Letzte Änderung am 2018-05-12 15:42:32


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