• vom 01.06.2018, 16:09 Uhr

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Influenza ist unberechenbar




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  • Experte: Die Viren kommen und verschwinden - und niemand weiß, warum.

Grado/Wien. Die Influenza bleibt unberechenbar. Neue Influenza-Viren oder Varianten kommen, verschwinden oder bleiben - und niemand weiß den Grund dafür. Die Medienberichterstattung sei teilweise falsch fokussiert, betonte Reinhard Würzner von der Abteilung für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Meduni Innsbruck bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado im Rahmen eines Vortrags.

Am katastrophalsten war demnach die Spanische Grippe am Ende des Ersten Weltkrieges mit gut 30 Millionen Todesopfern. Die A(H1N1)-Viren zirkulierten weltweit bis 1957. Mit der Asiatischen Grippe A(H2N2) verschwand die Spanische Grippe vom Erdball. Warum dies passierte, ist unbekannt. 1968 tauchte die Hongkong Grippe A(H3N2) auf. Die nachfolgende Russische Grippe verdrängte den Hongkong-Erreger nicht. Dieser zirkuliere bis heute. Jede Influenza-Vakzine enthält auch Antigene dieses Virustyps.


Mit der Schweinegrippe tauchte der Erreger A(H1N1) 2009/2010 allerdings wieder auf. Laut Würzner war es weltweit zu 500.000 Todesfällen gekommen. In der Öffentlichkeit war diese Grippe hingegen immer als "halb so wild" beschrieben worden. Vor allem jüngere Menschen waren davon stärker betroffen. Da der H1N1-Stamm im Jahr 1957 noch zirkulierte, hatten die Geburtsjahrgänge davor offenbar zumindest eine teilweise Immunität erworben, weil sie wahrscheinlich irgendwann in ihrem Leben mit dem Virus in Kontakt gekommen waren. Das war bei den Jüngeren nicht der Fall.

Gefährliche Vogelgrippe
Oft wurde in den letzten 14 Jahren die A(H5N1)-Vogelgrippe zu einer großen Gefahr hochstilisiert. Das sei nicht der Fall. In dieser Zeit waren 450 Todesopfer zu beklagen. Die seit fünf Jahren bekannte H7N9-Grippe wiederum habe schon rund 600 Todesfälle verursacht. Beide Viren stammen aus der Vogelwelt und können bei engem Kontakt mit Geflügel auf den Menschen übertragen werden. Offenbar führe eine von Spezies zu Spezies verschiedene Ausformung der Zell-Rezeptoren, an denen die Influenzaviren in den Atemwegen andocken, zu deren unterschiedlicher Fähigkeit, Mensch oder Tier schädigen zu können.

Von Mensch zu Mensch leicht übertragbare Erreger docken am leichtesten in den oberen Atemwegen an und können wieder abgehustet werden. Die aus der Vogelwelt stammenden Erreger infizieren jedoch die unteren Teile der Lunge, die Viruslast wird nicht durch Abhusten verringert. Die Viren rufen aber schwerste Lungenentzündungen hervor. Die Mortalität liegt bei um die 50 Prozent.

Antivirale Arzneien hätten bei sofortiger Einnahme einen positiven Effekt. Impfen sei teilweise ein Schutz, "aber besser als keiner", so Würzner. Die saisonale Influenza fordert in Österreich jedes Jahr rund 2000 Menschenleben.




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Dokument erstellt am 2018-06-01 16:16:07


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