• vom 06.06.2018, 01:01 Uhr

Mensch


Gesundheit

Ach, du dickes Ei!




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  • Übergewichtige Hunde verhalten sich wie übergewichtige Menschen.



Budapest. Übergewichtige Hunde dürften ein ähnliches Verhalten an den Tag legen wie so manch übergewichtiger Mensch. Wie ungarische Wissenschafter berichten, bevorzugen die Tiere ebenso wie ihr menschliches Pendant energiereiche Nahrung und versuchen, ihre Nahrungsaufnahme zu maximieren. Die Forscher der Eötvös-Lorand-Universität in Budapest beobachteten das Verhalten unabhängig von der Hunderasse, wie sie im Fachblatt "Royal Society Open Science" berichten.

Schätzungen zufolge sind rund 40 Prozent der Haustiere in den Industrieländern Mitteleuropas zu dick. In den USA sind der "Gesellschaft zur Vermeidung von Fettleibigkeit bei Tieren" zufolge gar 60 Prozent der Katzen und 56 Prozent der Hunde zu schwer. Mit fatalen Folgen: Denn um bis zu zwei Jahre können überflüssige Kilos die Lebenserwartung von Haustieren reduzieren. Diabetes, Arthritis und Herzerkrankungen sind oft Begleiterscheinungen.


Ein Team um den Verhaltensforscher Akos Pogany untersuchte nun, welche Eigenschaften übergewichtige Hunde kennzeichnen. Die Zoologen führten zwei Tests mit 91 Hunden verschiedener Rassen durch und fanden heraus, dass sich normal- und übergewichtige unterschiedlich verhalten. In der ersten Versuchsreihe konnten sich die Hunde zwischen zwei Futterschalen entscheiden: Die eine enthielt Futter schlechterer Qualität und wurde von dem Versuchsleiter per Fingerzeig angezeigt. Die andere enthielt eine bessere Qualität oder gar nichts. Übergewichtige Tiere bevorzugten nun meist das gute Futter und ignorierten auch die Geste des Versuchsleiters, wenn die nicht angezeigte Schüssel das gute Futter enthielt.

Auf den ersten Blick wirkt das überraschend, da zu erwarten wäre, dass sich übergewichtige Hunde eher für den Napf entscheiden, der auf jeden Fall Futter enthält. Die Wissenschafter verweisen allerdings auf mehrere Studien mit Menschen, die belegten, dass übergewichtige oder fettleibige Menschen energiereiche Nahrung bevorzugen, also solche, die reich an Fett und Zucker ist. In ihrem Experiment war dies die Schüssel mit dem Futter besserer Qualität.

Im zweiten Experiment wurden den Hunden zunächst zwei Futternäpfe an gegenüberliegenden Seiten eines Raumes gezeigt: Der Napf auf der einen Seite enthielt immer Futter, der auf der anderen nicht. Nachdem die Hunde dies gelernt hatten, wurde eine Schüssel in der Mitte des Zimmers platziert, und zwar so, dass der Vierbeiner nicht sehen konnte, ob sie einen Leckerbissen enthielt oder nicht. Übergewichtige Hunde zeigten sich hier zögerlicher als normalgewichtige Hunde und brauchten länger, um den ungewissen Futternapf zu inspizieren - ein Verhalten, das die Forscher als "negative kognitive Verzerrung" bezeichnen. Mit anderen Worten: Bei unsicherer Belohnung zögerten die Hunde, sich auf den Weg zu machen.

Modell für Adipositasforschung
Insgesamt, so die Studienautoren, würden zu dicke Hunde versuchen, die Nahrungsaufnahme energiereichen Futters zu maximieren, aber zögern, wenn die Futterbelohnung unsicher ist - und das so gut wie unabhängig von der jeweiligen Rasse. Möglicherweise könnten Hunde demzufolge künftig als Modell für die Adipositas-Forschung eingesetzt werden. Sie lebten in enger Gemeinschaft mit dem Menschen und seien entsprechend denselben Umweltfaktoren ausgesetzt, heißt es in der Studie. Bisher werden Ursachen und Folgen von Fettleibigkeit vor allem mit Nagetieren wie Ratten erforscht.




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Dokument erstellt am 2018-06-05 16:43:13


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