• vom 14.06.2018, 20:00 Uhr

Mensch


Biologie

Flucht vor dem Menschen




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Viele Tiere stellen ihren Lebensrhythmus um und werden nachtaktiv.

Berkeley/Wien. (gral) Weltweit stellen immer mehr Tiere ihren bisherigen Lebensrhythmus um und Verlegen ihre Aktivitäten in die Dämmerungs- und Nachtstunden. Grund dafür ist die Flucht vor dem Menschen, der nach und nach die Lebensräume der Tiere für sich einnimmt. 75 Prozent der Erdoberfläche sind mittlerweile von menschlichen Aktivitäten beeinflusst. Wildtiere ändern daher ihre Gewohnheiten, um den Kontakt mit den Zweibeinern zu vermeiden, berichtet ein Forscherteam um Kaitlyn Gaynor von der University of California in Berkeley im Fachblatt "Science".

Ihre Daten sammelten die Wissenschafter aus 76 Studien, die das Verhalten von 62 Säugetierarten in Europa, Afrika, Asien, Australien, Nord- und Südamerika in Augenschein genommen hatten. Entweder waren die Tiere mit GPS-Sendern bestückt worden oder Kameras zeichneten ihre Bewegungen auf. Die Forscher verglichen daraufhin die nächtliche Aktivität der Tiere - vom Elefanten bis zur Beutelratte - zu verschiedenen Jahreszeiten in von Menschen unterschiedlich beeinflussten Gebieten. In Regionen, wo etwa Jäger, Wanderer oder Bauern besonders aktiv sind, registrierten die Forscher 20 Prozent mehr nächtliche Aktivität als in ruhiger Natur.


Jäger-Beute-Schema
Dieser Wandel im Verhalten der Tiere trägt zwar dazu bei, dass Menschen und Wildtiere besser nebeneinander existieren können, hat allerdings starken Einfluss auf die Fitness, den Fortbestand, die Kommunikation und die evolutionäre Entwicklung der Tiere, so die Forscher. Durch Menschen verursachte Störungen führen wiederum zu einer früheren Sterblichkeit sowie geringeren Fortpflanzung.

Weichen etwa ursprünglich tagaktive Räuber in die Nacht aus, könnte der Beuteerfolg ausbleiben, da sie weniger gut an die Dunkelheit angepasst sind. Andererseits könnten sich nächtliche Futterjäger verstärkt bedroht fühlen und in Folge am Tag aktiver werden. Das dreht nicht nur eine Reihe an Verhaltensweisen um, sondern hat eben auch negative Folgewirkungen auf das Jäger-Beute-Schema. Langfristig gesehen könnten solche Veränderungen so manche Art in Schwierigkeiten bringen, was eine Veränderung des gesamten Ökosystems zur Folge hat.

Um diese Verschiebungen verringern zu können, schlagen die Forscher für bestimmte Gebiete tägliche Zeitbeschränkungen vor. Dies würde menschliche Aktivitäten zu jenen Zeiten einschränken, in denen die Tiere vorwiegend aktiv sind. Ähnliche Strategien existieren bereits, wenn Schutzgebiete etwa während der Brutzeit von Vögeln vom Menschen nicht betreten werden dürfen. Solche Maßnahmen könnten zum Erhalt der Tiere in einer zunehmend dichter besiedelten Welt beitragen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 16:34:21


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Künstliche Intelligenz, ein komisches Ding"
  2. Herpes-Viren als Auslöser für Alzheimer
  3. Superschnelles Zurückfedern
  4. Exotische Schnecken erstmals in Europa nachgewiesen
  5. Pflanzen-Fiebermessen aus dem All
Meistkommentiert
  1. "Künstliche Intelligenz, ein komisches Ding"
  2. Ein Wuff auf den Hypo!
  3. Herpes-Viren als Auslöser für Alzheimer
  4. Austro-Nobelpreise für Pionierleistungen
  5. Traditionelles Gezwitscher


Werbung