• vom 18.06.2018, 16:46 Uhr

Mensch


Erziehung

Totale Überwachung




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Von Alexandra Grass

  • Studie: Helikopter-Eltern behindern den Nachwuchs in seiner emotionalen Entwicklung.

Mutter und Vater wollen für ihr Kind nur das Beste.

Mutter und Vater wollen für ihr Kind nur das Beste.© Fotolia/pololia Mutter und Vater wollen für ihr Kind nur das Beste.© Fotolia/pololia

Washington/Wien. Sie werden Helikopter-Eltern genannt, denn sie halten sich ständig in der Nähe ihrer Kinder auf, um diese zu überwachen und zu behüten. Zwar liegt es in der Natur der Sache, dass Mutter und Vater das Beste für ihr Kind wollen - für seine Sicherheit und seine Gesundheit sorgen. Doch immer häufiger äußert sich dieses Tun als Über-Fürsorglichkeit.

Kinder benötigen ihren eigenen Raum, um lernen und heranwachsen zu können - ohne dass ständig die Eltern über ihnen schweben, heißt es in einer Publikation der American Psychological Association. Dieses Tun kann sich negativ auf den Nachwuchs auswirken - seine Fähigkeit, Emotionen und Verhalten zu steuern, beeinträchtigen, so ein Team der University of Minnesota.


"Unsere Arbeit zeigt, dass Kinder mit Helikopter-Eltern weniger gut in der Lage sind, mit den Herausforderungen des Heranwachsens zurechtzukommen. Speziell im Bereich der Schule", erklärt Studienautorin Nicole B. Perry. Kinder, die ihre Gefühle und ihr Benehmen nicht kontrollieren können, sind in der Klasse auffälliger, haben Schwierigkeiten, Freunde zu finden, und tun sich in der Schule schwerer.

Vertrauen auf Bezugspersonen
Kinder vertrauen auf Bezugspersonen, die ihnen Halt geben und Verständnis entgegenbringen. Sie brauchen Eltern, die ihre Bedürfnisse spüren, erkennen, wenn sie nicht fähig sind, eine Situation zu meistern, und sie durch emotional herausfordernde Zeiten führen, heißt es. Das helfe ihnen dabei, die entsprechenden Fähigkeiten zu entwickeln, selbst zurechtzukommen. Das Ergebnis sind bessere Freundschaften, schulischer Erfolg und Gesundheit. Helikopter-Eltern können die Chancen dafür aber reduzieren, so Perry.

Die Wissenschafter beobachteten 422 Kinder über insgesamt acht Jahre hinweg und zeichneten im Alter von zwei, fünf und zehn Jahren ihre soziale und emotionale Entwicklung auf. Die Daten stammen aus diesen Beobachtungen von Eltern-Kind-Interaktionen, aus Gesprächen mit Lehrern und Selbstbeurteilungen der Zehnjährigen.

"Wir haben gesehen, dass Helikopter-Eltern ihren Kindern permanent sagen, was und womit sie spielen sollen und wie sie das Spielzeug wegzuräumen haben. In ihren Anweisungen sind sie außerdem sehr streng", skizziert die Entwicklungspsychologin. Die Kinder reagierten auf unterschiedliche Art und Weise. Manche von ihnen wurden trotzig, andere apathisch und einige zeigten sich frustriert.

Als gutes Beispiel voran
Die Forscher beobachteten, dass Kinder, die sich in stressigen Situationen selbst beruhigen und sich benehmen konnten, in der vorpubertären schulischen Umgebung viel besser zurechtkamen. Perry empfiehlt daher den Eltern, ihre Kinder dabei zu unterstützen, ihre Emotionen und ihr Verhalten kontrollieren zu lernen. Zudem sei es angebracht, Kindern aufzuzeigen, welche Verhaltensweisen welche Gefühle hervorrufen und welche Konsequenzen das haben kann. Zudem könnten Kinder positive Bewältigungsstrategien erlernen. Atemtraining, Musik, Malen oder das Zurückziehen in einen ruhigen Raum werden als Beispiele genannt.

"Eltern können auch als gutes Beispiel vorangehen, indem sie selbst solche Bewältigungsstrategien anwenden, um im Falle von Verärgerung ihre eigenen Emotionen und Verhaltensweisen unter Kontrolle zu bringen", erklärt die Forscherin.




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Dokument erstellt am 2018-06-18 16:52:28


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