• vom 21.06.2018, 07:30 Uhr

Mensch


Diabetes mellitus Typ 1

Ein Wuff auf den Hypo!




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Von Verena Franke

  • Unterzuckerungen bei Diabetes mellitus stellen eine enorme Gefahr dar. Assistenzhunde helfen, diese zu vermeiden.

Im Einsatz: Tiefenentspannte Assistenzhunde mit ihren Kenndecken des Messerli-Instituts. - © Vetmeduni

Im Einsatz: Tiefenentspannte Assistenzhunde mit ihren Kenndecken des Messerli-Instituts. © Vetmeduni

Mia, eine Stafford-Terrier-Hündin, kratzt am Bein, um eine Unterzuckerung ihrer Besitzerin anzuzeigen.

Mia, eine Stafford-Terrier-Hündin, kratzt am Bein, um eine Unterzuckerung ihrer Besitzerin anzuzeigen.© Isabelle Grubert Photography Mia, eine Stafford-Terrier-Hündin, kratzt am Bein, um eine Unterzuckerung ihrer Besitzerin anzuzeigen.© Isabelle Grubert Photography

Carlo K. kann seine Gedanken nicht mehr fokussieren. Er hört und sieht alles wie in einem dicken Wattekokon. Konkrete Wörter fallen ihm nicht mehr ein. Unpassende purzeln aus seinem Mund. Er beginnt zu zittern. Er schwitzt heftig. Suki hätte ihn längst gewarnt. Wer Suki ist? - Einen Moment Geduld.

Zuerst einmal zu Carlo: Er ist Typ-1-Diabetiker. In diesem Moment erlebt er eine Unterzuckerung, eine Hypoglykämie, kurz
Hypo genannt. Diese ist die am häufigsten auftretende akute Komplikation bei Diabetes mellitus und stellt eine gesundheitliche Gefahr dar: In Folge einer Unterzuckerung können Demenz, Schlaganfall, Blutdruckkrisen, Herzrhythmusstörungen oder sogar plötzlicher Herzstillstand auftreten. Zu wenig Nahrung, Alkohol, Hormonschwankungen oder falsch eingeschätzte körperliche Aktivität können solch einen akuten Blutzuckermangel auslösen.


Mehr als 600.000 Menschen in Österreich sind von Diabetes mellitus betroffen. Der kleinere Teil - etwa 30.000 Menschen - ist mit Typ 1 dieser Krankheit konfrontiert, der auf jeden Fall mit künstlichem Insulin behandelt werden muss. Bei guter Einstellung gelingt es oft, diesen Unterzuckerungen mit den entsprechenden Messgeräten entgegenzuwirken. Aber nicht immer.

Selbst- und Fremdausbildung
Am Messen kommt man nicht vorbei: mehrmals tagsüber sowieso und in der Nacht ebenfalls. "Da sitzen weinende Eltern bei mir, die das ständige Blutzuckermessen Tag und Nacht enorm belastet. Sie stehen mehr als sechsmal auf, um zu kontrollieren, ein Elternteil schläft immer beim Kind. Das ist kein normales Familien-, geschweige denn Eheleben mehr", sagt Karl Weissenbacher vom Messerli Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehung der Vet-Med Wien. Hier kann ein Diabetikerwarnhund helfen. "Es geht bei den Assistenzhunden vor allem um das Gefühl der Sicherheit", so Weissenbacher. Das Familienleben kann sich weitestgehend normalisieren: "Er liegt im Zimmer beim Kind und holt Hilfe, nur wenn es notwendig ist. Die Eltern lassen dann eher los, denn der Hund riecht die Unterzuckerung, bevor es Messgeräte anzeigen."

Der 17-jährige Carlo ist seit Jänner 2015 Typ-1-Diabetiker und seine sechseinhalb Jahre alte Flatdoodle-Hündin Suki bildete er gemeinsam mit seiner Mutter Susanne K. zum Signalhund aus. Suki hätte sich von alleine angeboten. "Wir haben uns keinen Kopf gemacht, weshalb Carlo Gewicht abnahm, er war damals sehr viel unterwegs", erzählt Susanne K. Als er aber tief geschlafen hatte und die Hündin ihn immer wieder aufweckte, "wurde uns bewusst, dass da irgendetwas nicht stimmte". In der Folge wurde bei Carlo Diabetes diagnostiziert. "Nachdem er aus dem Krankenhaus kam, lag Suki vermehrt bei ihm, als ob sie ihn beschützen wolle", erzählt die Mutter. Die Ausbildung zum Signalhund initiierte Suki sozusagen selbst. Ein Jahr später erschnüffelt sie Hypos und zeigt sie an. "Wenn eine Unterzuckerung kommen wird, dann ist sie bei mir, lässt sich aber nicht streicheln und schaut mich auch so komisch an. Reagiere ich nicht, beginnt sie zu kratzen. Spätestens da realisiere ich es, denn das würde sie ohne Grund nie tun", beschreibt Carlo Sukis Verhalten.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-20 16:07:33
Letzte Änderung am 2018-06-20 16:13:33


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