• vom 29.06.2018, 19:01 Uhr

Mensch


Gesundheit

Retter der Wöchnerinnen




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  • Vor 200 Jahren wurde der Gynäkologe Ignaz Philipp Semmelweis geboren. Er revolutionierte die medizinische Hygiene.

Gesundes Baby, gesunde Mutter: Semmelweis legte den Grundstein dafür.

Gesundes Baby, gesunde Mutter: Semmelweis legte den Grundstein dafür.© StockAdobe/famveldman Gesundes Baby, gesunde Mutter: Semmelweis legte den Grundstein dafür.© StockAdobe/famveldman

Wien. (gral) Die Frage der Hygienemaßnahmen in medizinischen Einrichtungen ist und bleibt auch 200 Jahre nach der Geburt von Ignaz Philipp Semmelweis relevant wie eh und je. So kommt es in Europa immerhin pro Jahr zu rund 3,2 Millionen Krankenhausinfektionen. 37.000 Menschen in der EU sterben direkt an diesen sogenannten nosokomialen Infektionen. Die ausreichende wie ständige Anwendung bloßer Händehygiene bei Ärzten und Pflegepersonal muss dennoch ständig propagiert und überwacht werden.

Dabei hatte Semmelweis die Grundlagen ganz klar skizziert und seine propagierten Maßnahmen hatten zu einer drastischen Senkung der Infektions-, Erkrankungs- und Sterberaten geführt. Er hatte im März 1847 in Wien Wundinfektionen als Ursache für das Kindbettfieber erkannt, dem in dieser Zeit immer mehr Wöchnerinnen in den Tagen nach der Entbindung erlagen.


Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse nahmen ihren Ausgang in dem im Jahr 1784 von Kaiser Joseph II. auf dem Areal des Allgemeinen Krankenhauses errichteten "Gebärhaus". Dort wurden zu Semmelweis’ Zeiten Medizinstudenten ausgebildet. Eine zweite Geburtsklinik, die im Jahr 1834 ebenso auf dem Gelände eingerichtet worden war, diente hingegen der Ausbildung der Hebammen.

Übertragung von infektiösem Material als Ursache
Die Zahl der Fälle von Kindbettfieber waren in den beiden Anstalten jedoch unterschiedlich hoch. Bei den Hebammen starben "lediglich" drei Prozent der Wöchnerinnen. Dort, wo die Mediziner ausgebildet wurden, die auch Leichensektionen durchführten, waren es zehn bis gar 31 Prozent. "Alles war unerklärt, alles zwar zweifelhaft, nur die große Anzahl der Toten war unzweifelhafte Wirklichkeit", schrieb Ignaz Philipp Semmelweis damals.

Er fand heraus, dass die Übertragung von infektiösem Material die Ursache der Infektionen und der damit verbundenen Sterblichkeit war. Er veranlasste daher die Mediziner und Studierenden dazu, sich vor einer Entbindung beziehungsweise Untersuchung von schwangeren Frauen die Hände gründlich mit einer Chlorlösung und später mit Chlorkalk zu desinfizieren. Die einfache Hygiene-Maßnahme erwies sich als höchst wirkungsvoll. Die Sterblichkeit sank auf 1,3 Prozent. Später verschärfte Semmelweis seine Vorschriften dahingehend, dass die Hände vor jeder Untersuchung zu desinfizieren seien, wodurch er in manchen Monaten keinen einzigen Todesfall mehr hatte.

Heute weiß man: Eine optimale Händehygiene senkt die Infektionsrate um bis zu 30 Prozent - und das mit einer einfachen und kurzen Tätigkeit. "Händehygiene ist simpel, effektiv und dauert weniger als 30 Sekunden, kann aber viele Leben retten", betonte Elisabeth Presterl, Leiterin der Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle der Medizin-Universität Wien anlässlich einer Jubiläumsfeier.

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Dokument erstellt am 2018-06-29 16:28:47


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