• vom 03.07.2018, 16:26 Uhr

Mensch


Gesundheit

Genuss versus Sucht




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Von Alexandra Grass

  • Das Medicinicum Lech rückt eine Schlüsselfrage für die persönliche Lebensqualität in den Vordergrund: die Ernährung.

Fett, Salz und Süßes sind Gefahrenquellen für die Gesundheit. - © AdobeStock/lassedesignen

Fett, Salz und Süßes sind Gefahrenquellen für die Gesundheit. © AdobeStock/lassedesignen

Richtig zu genießen, ist eine Kunst, die in den unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Regionen jeweils eigene Ausprägungen erfahren hat. Das beginnt bei der Ernährungs- und Weinkultur und erstreckt sich bis zu Askese und Hochgenuss. Im Gegensatz dazu steht die Sucht. Ins Maßlose und Zwanghafte führend, ist sie eine Erkrankung, die häufig das Leben beeinträchtigt und auch verkürzt. Zucker, Salz und Fette spielen dabei eine wesentliche Rolle. Im Übermaß führen sie nicht nur zur Sucht, sondern schädigen auf Dauer den menschlichen Organismus.

Während es in den industrialisierten Ländern diesbezüglich mittlerweile zu einem Überdenken der Situation kommt, verlagert sich das Problem immer häufiger auch in Dritte-Welt-Länder, warnt Markus Metka, wissenschaftlicher Leiter des Medicinicum Lech, das von 5. bis 8. Juli stattfindet, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Genuss - Sucht - Gesundheit" lautet das Motto der diesjährigen Zusammenkunft.


Suchtpotenzial wie Kokain
Der Anblick eines fettigen Krapfens, salziger Chips oder einer Tafel Schokolade lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch hat Zucker zum Beispiel ein ähnliches Suchtpotenzial wie Kokain, erklärt der Mediziner. In der Kombination mit Salz und Fett kommt es zu einer stärkeren Insulinausschüttung und gleichzeitig zur Freisetzung von Glückshormonen. Denn wer Fett, Salz oder Zucker zu sich nimmt, stimuliert das körpereigene Belohnungssystem. Bei kalorienreicher Nahrung steigt der Dopaminspiegel viel stärker als bei kalorienarmen Lebensmitteln.

Das ist im Grunde ein natürlicher Vorgang, denn schon zu Urzeiten benötigte der Mensch vor allem hochkalorische Nahrung, um zu überleben. Zudem lernten unsere frühen Vorfahren, dass süße Lebensmittel nicht giftig waren. Unsere Vorlieben sind daher, einfach gesagt, genetisch bedingt. Alkohol, Nikotin oder Heroin wirken auf denselben Mechanismus im Gehirn und erzeugen ebenso positive Gefühle. Der Mensch will solche Emotionen immer wieder erleben und greift deshalb immer häufiger und in immer größerer Menge zu den schnell glücklich machenden Stoffen.

Eine Kombination der drei Stoffe - wie es zum Beispiel bei einem allseits besonders beliebten schokoladigen Brotaufstrich der Fall ist - führt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes zum Super-GAU. Sicher, die Dosis macht das Gift. Dennoch dürfte die Gefahr der Abhängigkeit von diesen Nahrungsmitteln nicht zu unterschätzen sein. Die Industrie hat das erkannt und bringt gezielt Produkte mit Suchtpotenzial auf den Markt. Das reicht von der Fertigpizza bis hin zum Schokoriegel.

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Dokument erstellt am 2018-07-03 16:31:46


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