• vom 13.07.2018, 12:39 Uhr

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Update: 13.07.2018, 12:41 Uhr

THC

Wirkung von Medizinalhanf vielfach nicht ausreichend belegt




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Von WZ Online, APA

  • "Wunder sind von Cannabis in den verschiedenen Indikationen offensichtlich nicht zu erwarten."

"Keine Wirksamkeit für Cannabis liegt bei den Indikationen Depressionen,Psychosen, Demenz, Glaukom und Darmerkrankungen vor", schrieben die Experten. - © APAweb, AFP

"Keine Wirksamkeit für Cannabis liegt bei den Indikationen Depressionen,Psychosen, Demenz, Glaukom und Darmerkrankungen vor", schrieben die Experten. © APAweb, AFP

Wien. Laut den Verfassern des "Cannabis-Reports" mit Unterstützung der deutschen Techniker Krankenkasse "gilt die medizinische Anwendung von pflanzlichen, synthetischen und teilsynthetischen Cannabinoiden bei Übelkeit und Erbrechen, bzw. Appetitstimulation bei Krebspatienten nach Chemo und Menschen mit Humanen Immundefizienz-Virus (HIV/Aids) als wirksam". Darauf basierte die erste Zulassung in den USA.

Allerdings ist die Situation schon in der Schmerzmedizin gemäß der Meinung der Experten eine andere: "Bei chronischen Schmerzen konnte zwar ein Nutzen gefunden werden, er bezieht sich jedoch überwiegend auf eine leichte Schmerzreduktion. Ebenfalls nicht ausreichend objektivierbare Belege finden sich im Bereich Spastizität (...): Die Studienlage zu medizinischem Cannabis bei Darmerkrankungen sowie neurologischen und psychologischen Erkrankungen ist bisher insgesamt unzureichend." Hervorgehoben wird aber, dass die Nebenwirkungen von Cannabis in der medizinischen Anwendung in den meisten Fällen "nicht schwerwiegend und vorübergehend" seien.

Moderate Wirksamkeit

In der Schmerzmedizin und bei Lähmungen sei die Qualität wissenschaftlicher Hinweise auf eine Wirksamkeit "allenfalls moderat". Weiters wären die üblichen Kriterien der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) für die Zulassung von Medikamenten zur Anwendung von Cannabinoiden bei chronischen Schmerzen nicht erfüllt: das wäre das Vorliegen von mindestens zwei Placebo-kontrollierten ausreichend großen wissenschaftlichen Studien über mindestens zwölf Wochen hinweg.

"Keine Wirksamkeit für Cannabis liegt bei den Indikationen Depressionen, Psychosen, Demenz, Glaukom und Darmerkrankungen vor", schrieben die Experten. Eine erst vor kurzem erschienene Übersichtsarbeit samt Meta-Analyse "zu Cannabinoiden in der Palliativmedizin konnte bei Krebspatienten mit den Symptomen Übelkeit und Erbrechen keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zu Placebo feststellen", heißt es in dem "Cannabis-Report".

Das "Fazit" der deutschen Fachleute: "Wunder sind von Cannabis in den verschiedenen Indikationen offensichtlich nicht zu erwarten." Am häufigsten verschrieben wurde Cannabis in Deutschland im ersten Jahr der Geltung des neuen Gesetzes in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und im Saarland. Bundesweit waren es 123 Verordnungen pro 100.000 Versicherte der Techniker Krankenkasse. Rund 60 Prozent der Verordnungen wurden auch genehmigt. Die Kosten waren im Vergleich zu vielen herkömmlichen Arzneimitteln hoch. "Auf Kostenseite sprechen wir über Nettoausgaben von etwa 2,3 Millionen Euro für die Therapie im Jahr 2017", stellte die deutsche Krankenversicherung fest. Bei rund 2.900 Anträgen waren das durchschnittlich fast 800 Euro pro Antrag.





Schlagwörter

THC, Medizinalhanf

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Dokument erstellt am 2018-07-13 12:40:52
Letzte Änderung am 2018-07-13 12:41:49


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