• vom 16.07.2018, 16:39 Uhr

Mensch

Update: 17.07.2018, 08:51 Uhr

Medizin

Der Mensch als Maß




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Von Alexandra Grass

  • Die Humanbasierte Medizin setzt in der Diagnostik und Therapie bei den gesunden Anteilen eines Patienten an.


© Wikipedia/ Luc Viatour © Wikipedia/ Luc Viatour

"Die Medizin hat Schubladen für Krankheiten. Werden ausreichend Symptome beobachtet, öffnet sich die passende Schublade. Darin findet sich ein Kärtchen mit der Behandlungsanleitung. Leider weiß die Natur nichts von unseren Kategorien. Diese Kategorien sind Kunstprodukte des Menschen." - Damit verdeutlicht Michael Musalek, Psychiater und ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts das Vorgehen in der herkömmlichen Indikationsmedizin. Fokussiert wird dabei auf die Krankheit selbst, allerdings nicht auf den kranken Menschen, erklärt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Doch der kranke Mensch ist nicht nur krank - er hat auch gesunde Anteile. Eine sinnvolle Diagnostik müsse daher auch immer die Ressourcen des Einzelnen einbeziehen, um Therapiemaßnahmen darauf abstimmen zu können. In der sogenannten Humanbasierten Medizin wird dies berücksichtigt. Für die Praxis bedeutet das, "dass wir in der Therapie nicht nur auf die Defizite fokussieren und schauen, dass diese minimiert oder sogar zum Verschwinden gebracht werden, sondern es gilt, die Stärken, die Ressourcen, das Kapital des Menschen soweit zu fördern, dass Selbstheilungskräfte wirksam werden können", skizziert der Experte. Das gelte ganz besonders für chronische Erkrankungen. Das Umdenken führe zu einem völligen Paradigmenwechsel sowohl in der Diagnostik als auch in der Behandlung.


Denken in Kategorien
Derzeit werde in der vielfach gepriesenen evidenzbasierten Medizin nur das behandelt, was nachweisbar und belegbar ist. Doch statistische Werte seien nicht immer die letztgültige Wahrheit. "Es ist evident, dass jemand, der aus einem Flugzeug mit einem Fallschirm abspringt, bessere Überlebenschancen hat als jemand, der ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springt. Es gibt dazu aber keine Studie", bringt es Musalek auf den Punkt. Selbstverständlich fuße auch die Humanbasierte Medizin, wie sie sich derzeit international immer weiter entwickelt, grundsätzlich auf dem Boden von wissenschaftlich abgesicherter Evidenz, bezieht aber immer den ganzen Menschen mit ein und lässt mitunter auch andere Wahrheiten gelten.

Die Medizin dürfe nicht nur in Krankheitskategorien denken, wie es bei der klassischen Medizin der Fall ist. Zwar gebe es die dort beschriebenen Leidensformen, die Einzelphänomene, die von Natur aus gegeben sind. "Aber die Krankheit selbst ist etwas, das wir zusammenfassen." Als Beispiel führt Musalek die Kategorie Suchtkrankheit an. Der Kontrollverlust, das Auftreten von Entzugserscheinungen und das unstillbare Verlangen (Graving) seien ganz natürliche Phänomene. Der Sammelbegriff Suchtkrankheit sei hingegen von Menschenhand geschaffen.

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Dokument erstellt am 2018-07-16 16:47:00
Letzte Änderung am 2018-07-17 08:51:23


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