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Update: 03.08.2018, 18:18 Uhr

Philosophie

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Von Eva Stanzl

  • Philosophie, die stets aktuell ist: Mit Ludwig Wittgenstein befasst sich ein Symposium in Kirchberg am Wechsel.



Wittgenstein

© Arturo Espinosa / Eugenio Hansen - CC 4.0 Wittgenstein© Arturo Espinosa / Eugenio Hansen - CC 4.0

Wien/Kirchberg. Viele Unstimmigkeiten entstehen, wenn wir nicht wissen, wie wir klar sagen können, was wir meinen. Ludwig Wittgenstein könnte helfen. Der 1889 in Wien geborene Philosoph war Experte dafür, wie leicht beim Philosophieren etwas schiefgehen. In seinem ersten Hauptwerk, "Logisch-philosophische Abhandlung" (Tractatus logico-philosophicus, 1921) ging er der Frage nach, wovon sinnvoll die Rede sein kann. Die damals revolutionäre Antwort: Worte ermöglichen es, uns Bilder von Fakten zu machen. Der Satz "Die Palme steht am Strand" evoziert das Bild einer Palme am Strand, dem etwas in der Wirklichkeit entsprechen oder nicht entsprechen kann. Ein Satz, dem kein Bild einer möglichen Wirklichkeit entspricht, ist sinnlos.

Später erkannte Wittgenstein Sprache auch als Werkzeug. Wenn ein Vater sein verängstigtes Kind mit den Worten "alles wird gut" beruhigt, macht er keine Vorhersage auf der Basis verfügbarer Fakten, sondern will mit Worten Trost und Sicherheit vermitteln. Philosophische Probleme entstehen, wenn wir die Funktionsweise unserer Sprache missverstehen oder auf einige wenige reduzieren wollen.

Wittgenstein, einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, wollte hilfreich sein: Philosophie, sagte er, zeigt der Fliege den Weg aus dem Fliegenglas. Welche Wege würde er heute zeigen in unserer vielseitigen jedoch widersprüchlichen Welt? Welche Rolle spielt die Logik darin, die Welt richtig zu ordnen? Fragen wie diesen gehen hochkarätige Experten beim 41. Internationalen Wittgenstein Symposium der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft nach. Die Tagung in Kooperation mit der "Wiener Zeitung" findet von 5. bis 11. August im niederösterreichischen Kirchberg am Wechsel statt. Koorganisator Bernhard Ritter führt kurz in Wittgensteins Denken ein.

"Wiener Zeitung": Eine 25-jährige Frau ist auf sozialen Medien aktiv, betreibt einen Blog und finanziert sich das Studium mit Gelegenheitsjobs. Was hätte sie davon, Ludwig Wittgenstein zu lesen?

Information

Bernhard Ritter geboren 1973 in Luzern, ist Studienprogrammleiter und Universitätsassistent am Institut für Philosophie der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt und Koorganisator des Symposiums. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Sprachphilosophie von Ludwig Wittgenstein und die Philosophie von Immanuel Kant.

Bernhard Ritter: Wittgenstein muss man nicht interessant machen. Seine Philosophie ist zwar komplex, aber er formuliert prägnant. Seine Sätze sind gut zitierbar und ziehen an. Wir leben in einer Zeit, in der es immer mehr Expertenwissen gibt. Man gewinnt leicht den Eindruck, dass man zu wenig weiß. Wittgenstein hat eine Philosophie konzipiert, deren Merkmal es ist, dass man eigentlich alles bereits weiß, um die Probleme, um die es geht, lösen zu können. Man muss insbesondere keine empirische Untersuchung anstellen, um zu einer Lösung zu kommen.




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Dokument erstellt am 2018-08-03 17:35:26
Letzte Änderung am 2018-08-03 18:18:23


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