• vom 10.08.2018, 17:58 Uhr

Mensch

Update: 10.08.2018, 19:26 Uhr

Klimawandel

"2100 könnte es um vier Grad wärmer sein"




  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (19)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Eva Stanzl

  • Ab 2050 wird es jedes zweite Jahr so heiß wie heuer.

- © APA/Sebastian Kahnert

© APA/Sebastian Kahnert

Wien. Alarmstufe Rot während der extremen Hitzewelle: In den letzten zwei Wochen verging kaum ein Tag ohne neue Meldung zu den bedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels. Eine "Heißzeit" stünde bevor, in der die Zahl der Hitzetoten sich verdoppeln könne und die Landwirtschaft extreme Einbußen hinnehmen müsse, hieß es. Herrscht Panik? Oder ist es noch schlimmer, als die negativsten Szenarien befürchten lassen? Wenn wir so weitermachen wie derzeit, müssen wir große Sorge haben, warnt Klimaforscher Pavel Kabat, derzeit Generaldirektor des Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) und ab 1. September Chefwissenschafter der Weltwetterorganisation (WMO) der UNO. Bei den Politischen Gesprächen des Forum Alpbach leitet Kabat zwischen 28. und 28. August ein Treffen der Alpbach Laxenburg Group. Der Thinktank vereint Politik und Wirtschaft mit dem Ziel, nachhaltige Strategien für den Klimaschutz zu entwickeln, die die Wirtschaft weiterbringen.

"Wiener Zeitung": Die Hitzewelle brachte laut Zentralmeteorologischer Anstalt 14 Tropennächte in Serie allein in Wien. Ist das normal?

Pavel Kabat: Extreme Wetterereignisse zählen zu den Auswirkungen des Klimawandels. Schon vor 15 Jahren wussten Wissenschafter, dass die Sommer heißer würden und mit mehr Stürmen und Überflutungen zu rechnen sei. Die Temperaturrekorde im Sommer 2003, die höher waren als heuer, gaben Anlass dafür, mit statistischer und stochastischer Mathematik die Häufigkeit solcher Sommer zu berechnen. Es zeigte sich, dass solche Ereignisse 2050 die Durchschnittssommer sein werden. Das heißt, dass wir das im Durchschnitt alle zwei Jahre erleben werden. Allerdings können wir den Sommer 2018 nicht einzig und allein auf den Klimawandel zurückführen. Wir können nicht eindeutig nachweisen, dass die Abgas-Konzentrationen in der Atmosphäre der Hauptgrund für die Hitzewelle waren. Auch natürliche Klimaschwankungen könnten beteiligt sein.

Schmelzende Gletscher legten Überreste von Eichen aus dem zweiten Jahrhundert frei. Damals trug der Mensch nicht zur Erhöhung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre bei. Dennoch war es in den Alpen warm genug für Eichen. Wie exakt lässt sich der menschliche Einfluss am Klimawandel quantifizieren?

Wenn Sie mir diese Frage vor zehn Jahren gestellt hätten, hätte ich eventuell gewisse Zweifel gelten lassen, dass der Mensch eine große Rolle spielt, da wir seine Auswirkungen noch nicht exakt quantifizieren konnten. Heute sind wir sicher, dass die zusätzliche Erwärmung seit den 1980er Jahren auf das Konto des Menschen geht, der durch seine Aktivität CO2 und andere Gase in die Atmosphäre abgibt. Seit 1900 sammeln wir Messungen der Lufttemperatur, wo wir eine durchschnittliche Erwärmung von einem Grad über die letzten 100 Jahre sehen, zusammen mit der CO2-Konzentration in der Luft. Wir legen alle Modelle zusammen, schauen uns den Trend an und rechnen zurück, wie sie sich ohne CO2 verhalten würden. So kommen wir zum menschengemachten Einfluss: Ohne von uns erzeugtem CO2 wäre es um ein Grad kühler. Darüber gibt es keine Spekulation.




weiterlesen auf Seite 2 von 3




5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-10 18:08:34
Letzte Änderung am 2018-08-10 19:26:20


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Unterwegs von der Erde zur Sonne
  2. "Ihre Trauerreise ist nun vorbei"
  3. "Wien hat Glück, so lange es Westwind gibt"
  4. Wiener Forscher bauen Plazenta nach
  5. Neuer Satellit soll Wettervorhersage verbessern
Meistkommentiert
  1. Planeten, auf denen Leben entstehen könnte
  2. "Mikroben müssen beschäftigt werden"
  3. Europäisches Forum Alpbach widmet sich "Diversität und Resilienz"
  4. "2100 könnte es um vier Grad wärmer sein"
  5. "Wien hat Glück, so lange es Westwind gibt"

Werbung




Werbung