• vom 28.08.2018, 17:03 Uhr

Mensch


EFA18

Ein Tanz wie ein Beben




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief





Einleitend zum Plenum "Cyborgs - wenn Technologie unter die Haut geht" bei den Technologiegesprächen des Forum Alpbach fasste Manfred Tscheligi, Professor für Mensch-Computer-Interaktion der Uni Salzburg, den Begriff dann doch etwas enger: "Cyborg steht für cybernetic organism. Als kybernetischen Organismus versteht man Menschen, die durch künstlich-technologische Komponenten verbesserte Fähigkeiten gewinnen", sagte er.

In der Kulturgeschichte finden Mensch-Maschine-Wesen ein weites Spielfeld. Manche Cyborgs aus der Science Fiction etwa lehren uns das Fürchten. Sie wollen die Menschen zerstören und durch sich selbst ersetzen. "Ihre Botschaft ist, dass die Menschheit ein Ablaufdatum hat und die Maschinen die Weltherrschaft übernehmen", erläuterte Technologiephilosoph Mark Coeckelbergh von der Universität Wien.

Superhelden zwischen Mensch und Maschine
Science Fiction hat auch attraktive Cyborgs zu bieten. Ihre übermenschlichen Kräfte sind wie ihre Defizite und allzu menschlichen Schwächen das Ergebnis der Spannung, die die Mischung von Metall, Elektronik und Festplatte mit Gehirn, Fleisch und Blut ergibt. Attraktive Cyborgs sind mächtig und hilflos zugleich und "interessant aus der Perspektive der Sexualität, der menschlichen Beziehungen und der Gender Studies", räumte Coeckelbergh ein.

Der romantische Cyborg wiederum reagiert auf die nüchterne Konsequenz der Aufklärung mit rätselhaften Wundern. "Der Romantiker in uns findet das Leben zu langweilig. Mit Hilfe der Technik will er sich verändern und über sich hinauswachsen", sagt der Professor für Philosophie der Medien und Technologie.

Fast bodenständig nehmen sich im Vergleich dazu die Transhumanisten aus. Sie sehen ihre Wurzeln sehr wohl in der Aufklärung, es geht um die Verwirklichung neuer Möglichkeiten. Schwerpunkt der Bewegung ist die Anwendung künftiger Technologien aus den Bereichen Nano- und Biotechnologie, Gentechnik und regenerative Medizin. "Gehirn-Computer-Schnittstellen, das Hochladen des menschlichen Bewusstseins in digitale Speicher und die Entwicklung von Superintelligenz sollen es jedem Menschen ermöglichen, seine Lebensqualität nach Wunsch zu verbessern und seine Möglichkeiten selbst bestimmen zu können", heißt es im Online-Lexikon Wikipedia. Coecklebergh kommentiert: "Transhumanisten finden, dass der Mensch ein Upgrade benötigt und smarter und besser werden muss. Sie wollen die eigene Unvollkommenheit überwinden, den fehlerbehafteten Menschen verbessern und mit Eigenschaften von Superhelden ausstatten." Der wohl bekannteste Transhumanist mit heldenhaften Fähigkeiten zumindest im Sport ist Oscar Pistorius, "The fastest man on no legs". Durch eine Fehlbildung kam der südafrikanische Sprinter und spätere Mörder seiner Verlobten ohne Wadenbeine zur Welt. Mit Unterschenkelprothesen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff erzielte er Weltrekorde.

zurück zu Seite 1 weiterlesen auf Seite 3 von 4




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-28 17:12:04


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Weg zur Epidemie
  2. DNA-Strichcodes für jede Art
  3. Die ISS wird 20 Jahre alt
  4. Republik für ein paar Stunden
  5. Die Waffenkammer leert sich
Meistkommentiert
  1. Update für das Kilogramm
  2. Besser dicker, als Raucher
  3. Herzschwäche ein unterschätztes Leiden
  4. Die Waffenkammer leert sich
  5. Kooperation eine Frage der Stimmigkeit

Werbung




Werbung