• vom 03.09.2018, 21:00 Uhr

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Gesundheit/Medizin/Luftverschmutzung/Studie/Feinstaub

Feinstaub ist tödlicher als gedacht




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  • Forscher warnen: Ein Drittel mehr Todesfälle zu erwarten als bisher angenommen.

Wien/Bregenz. Feinstaub verursacht weltweit um knapp ein Drittel mehr Todesfälle, als bisherige Schätzungen vermuten ließen, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachblatt "Pnas". Es ermittelte anhand von 41 Kohortenstudien das Sterberisiko durch besonders kleine Partikel. Aufgrund der Ergebnisse halten es die Wissenschafter für wichtig, die Feinstaubkonzentration in der Luft zu senken.

Die Forscher um Mieczyslaw Szyszkowicz von der kanadischen Gesundheitsbehörde haben die Feinstaubwerte aus Messungen in 16 Weltregionen mit den dortigen Sterberaten durch nicht übertragbare Krankheiten und Erkrankungen der unteren Atemwege (Luftröhre und Lunge) in Verbindung gebracht. Für 41 "Kohorten", eine davon aus Vorarlberg, ermittelten sie somit das Mortalitätsrisiko durch Feinstaub. Bei Kohortenstudien wird durch Beobachtung verschiedener Gruppen ein Zusammenhang zwischen Exposition zum Beispiel mit einem Schadstoff und dem Auftreten einer Krankheit untersucht.


Untersucht wurde der Einfluss von sogenanntem PM2,5-Feinstaub. Dieser besteht zur Hälfte aus Teilchen mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern, der Rest setzt sich aus einem höheren Anteil kleinerer Teilchen und einem niedrigeren Anteil größerer Teilchen zusammen. Diese Partikel sind mit freiem Auge nicht sichtbar und dringen besonders tief in die Atemwege ein.

Handlungsbedarf
Weltweit hat den Berechnungen zufolge im Jahr 2015 die Belastung mit PM2,5-Feinstaub 8,9 Millionen Todesfälle verursacht. Das sind um 30 Prozent mehr als jene 6,9 Millionen, die herkömmliche Schätzungsmethoden kalkulierten. "Bisher hat man die Zahlen für die fünf größten Risikogruppen, nämlich Schlaganfall, COPD (Chronische, obstruktive Lungenerkrankung), Lungenkrebs, ischämische Herzerkrankungen und die unteren Atemwegsinfektionen, einfach addiert", erklärt Studien-Mitautor Hans Concin vom Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin in Bregenz. In der neuen Studie habe man die Gesamtsterblichkeit durch diese Belastung besser erfasst.

Offensichtlich wurden die Auswirkungen der Exposition mit Feinstaub dieser Größe bisher unterschätzt und es gibt, außer den gut bekannten, noch weitere gravierende Risikofaktoren. Die Forscher sehen Handlungsbedarf bei der Politik, die Feinstaub-Grenzwerte zu reduzieren. Dies hätte laut der neuen Studie noch positivere Auswirkungen als bisher angenommen. In einer früheren EU-weiten Studie habe man außerdem schon nachgewiesen, dass bereits PM2,5-Konzentrationen unterhalb der europäischen Grenzwerte das Sterberisiko erhöhen, so Concin. Die gute Nachricht sei, dass die Belastung zumindest in Europa in den vergangenen 20 Jahren schon deutlich zurückgegangen sei.




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Dokument erstellt am 2018-09-03 17:17:54


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