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Mensch

Update: 05.09.2018, 20:32 Uhr

Archälologie

Alles Käse




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  • Schon vor mehr als 7000 Jahren wurden im Mittelmeerraum Milchprodukte erzeugt.

- © contrastwerkstatt - stock.adobe.

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Allentown/Wien. Im Mittelmeerraum dürften Menschen schon vor mehr als 7000 Jahren Käse hergestellt haben - und damit um 2000 Jahre früher, als bisher nachgewiesen werden konnte. Ein Forscherteam um Sarah McClure von der Pennsylvania State University fand entsprechende Rückstände auf Tonscherben, die aus zwei Ortschaften an der dalmatinischen Küste Kroatiens stammen. Möglicherweise habe die Verfügbarkeit von Milchprodukten zudem schon in dieser Zeit zu einem Rückgang der Säuglingssterblichkeit geführt, vermuten die Wissenschafter im Fachblatt "Plos one".

Die Tonscherben, die die Forscher analysierten, stammten aus unterschiedlichen Zeiten, was unter anderem auch an unterschiedlichen Formen, Modellen, Verzierungstechniken und technischen Verfahren zu erkennen sei. Gefunden wurden sie in dem Ort Potkrovnik, der laut Radiokarbondatierungen zwischen etwa 6000 und 5000 Jahren vor Christus durchgängig besiedelt war, und in Danilo Bitinj, wo von etwa 5300 bis 4800 vor Christus Menschen lebten. Die Käseherstellung dürften sie beherrscht haben.


Fettsäurereste auf Tonscherben
Bereits an 7700 Jahre alten Scherben konnten Milchreste in Form von Fettsäureresten analysiert werden. Spuren von Käse fanden sie schließlich an 7200 Jahre alten Gefäßen. Der Wandel der Technologie lasse gemeinsam mit den Ergebnissen der Fettsäure-Analyse darauf schließen, dass Milch ab einem gewissen Zeitraum zu Käse weiterverarbeitet wurde.

Das Wissenschafterteam vermutet auch, dass die damaligen Bewohner des untersuchten Gebietes für die Verarbeitung und Herstellung unterschiedlicher Speisen verschiedene Keramikgefäße verwendet haben, wobei die Überreste von Käse meist auf sogenannten Rhyta, einhenkeligen Gefäßen, und siebähnlichen Keramiken nachgewiesen werden konnten.

Wie sie in ihrer Publikation formulieren, nehmen die Forscher auch an, dass die Nutzung von Milch und Milchprodukten zu einem Rückgang der Säuglingssterblichkeit geführt hat. Die frühen Bauern seien genetischen Untersuchungen zufolge vermutlich laktoseintolerant gewesen, hätten also Milch nicht gut vertragen. Säuglinge haben dieses Problem hingegen nicht - Milch sei für sie eine stabile, kalorien- und nährstoffreiche Nahrungsquelle gewesen. Die Verarbeitung von Milch zu Joghurt und Käse reduziere den Laktosegehalt in den Lebensmitteln. Damit habe auch ein größerer Anteil der Bevölkerung von den Vorteilen des Nahrungsmittels profitieren können, schreiben die Forscher.

Die Verfügbarkeit von tierischer Milch habe es den zudem Frauen auch ermöglicht, früher abzustillen und schneller erneut schwanger zu werden. Die höhere Überlebensrate der Kleinkinder gemeinsam mit der steigenden Geburtenrate könnte auch den demografischen Wandel begünstigt haben. Zudem breiteten sich die Menschen immer mehr ins kühlere Nord- und Zentraleuropa aus. Als Schlüsselfaktoren nennen die Forscher in der Publikation sowohl die Käseproduktion als auch die Weiterentwicklung von Keramiken.

Ältester Käse aus Ägypten
Erst jüngst war in Ägypten einer der ältesten Käse der Welt gefunden worden. Forscher haben eine feste, weißliche Substanz in einem antiken Gefäß ausgegraben. Vermutlich handelt es sich dabei um "den ältesten archäologischen festen Rückstand an Käse, der jemals gefunden wurde", erklärten die Forscher im Fachblatt "Analytical Chemistry". Die Substanz soll ungefähr 3200 Jahre alt sein. Der Käse sei aus einem Gemisch aus Kuhmilch und der Milch eines Schafes oder eine Ziege produziert worden. Entdeckt wurde er im Grab von Ptahmes, einem einst hochrangigen Beamten in Sakkara am westlichen Nilufer.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-05 16:29:58
Letzte Änderung am 2018-09-05 20:32:15


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