• vom 10.09.2018, 16:50 Uhr

Mensch

Update: 11.09.2018, 14:14 Uhr

Wissenschaftsvermittlung

Mit den Waffen der Neugier




  • Artikel
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Eva Stanzl

  • Ranga Yogeshwar, einer der bekanntesten Vermittler von Wissenschaft, über den Wert von Fakten in Zeiten der Fake News.

Er kämpft mit allen Mitteln für die Aufklärung: Um das "Gesundheitsrisiko Aluminium" zu illustrieren, hüllte sich "Quarks"-Moderator Yogeshwar in Alufolie. - © WDR/Klaus Görgen

Er kämpft mit allen Mitteln für die Aufklärung: Um das "Gesundheitsrisiko Aluminium" zu illustrieren, hüllte sich "Quarks"-Moderator Yogeshwar in Alufolie. © WDR/Klaus Görgen



Ranga Yogeshwar

Ranga Yogeshwar© wiki commons Ranga Yogeshwar© wiki commons

Ranga Yogeshwar ist einer der bekanntesten Vermittler von Wissenschaft im deutschsprachigen Raum. Was den Physiker und Moderator auszeichnet, ist, dass er tatsächlich Wissen schafft. Das verdankt er der eigenen Neugier sowie seiner Fähigkeit, einem interessierten, aber nicht vorgebildeten Publikum komplexeste Inhalte verständlich darzulegen. Seit 25 Jahren präsentiert Ranga Yogeshwar das Wissenschaftsmagazin "Quarks" des deutschen Fernsehsenders WDR. Zum Festival "Be Open" zum 50-jährigen Jubiläum des Wissenschaftsfonds besuchte er am Montag Wien. Die "Wiener Zeitung" sprach mit ihm bei einem Treffen des Klubs der Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen am Rande des Festivals.

"Wiener Zeitung": Ob durch Worte, Experimente oder körperlichen Einsatz: Sie bringen Wissenschaft ins Fernsehen und damit in die Wohnzimmer. Sind Ihre Neugier und Ihr Einsatz das Geheimnis, wie man mit wissenschaftlichen Inhalten ein breites Publikum erreicht?

Information

Ranga Yogeshwar, geboren 1959 in Luxemburg, ist Wissenschaftsjournalist, Physiker und Moderator. Er studierte Experimentalphysik an der Technischen Hochschule in Aachen. Seit 1983 arbeitet er bei Hörfunk und Fernsehen. Für das Erste Deutsche Fernsehen kreierte Yogeshwar die Sendung "Wissen vor acht", in der er ein Thema innerhalb von 145 Sekunden erklärt. Seit 25 Jahren moderiert er im Westdeutschen Rundfunk die Sendung "Quarks".
Der Sachbuch-Autor erhielt den Deutschen Fernsehpreis 2011 in der Kategorie Beste Information als Experte in der Fukushima-Berichterstattung.

Ranga Yogeshwar: Aus meiner Perspektive geht es nicht nur um das Fernsehen, denn die Medienlandschaft ist heute viel breiter aufgestellt als Funk, Fernsehen und Print. Weltweit sehen klassische Medien einen dramatischen Schwund wegen eines Mangels an probaten Business-Modellen, mit denen sie ihre Zukunft bestreiten können. Wenn wir außerdem von Wissenschaft im Fernsehen reden, dann reden wir vornehmlich von Wissenschaft im öffentlich-rechlichten Fernsehen. Bei den sogenannten Wissenssendungen in Privatsendern handelt es sich eher um Unterhaltungsformate mit diffuser Profilierung: Man fragt sich, wofür sie stehen. Parallel dazu werden die sozialen Netzwerke immer virulenter - aber auch diese haben keine adäquaten Business-Modelle für Journalisten, die ihnen ermöglichen, dort breit tätig zu sein. Auf YouTube oder Facebook gibt es daher entweder die Idealisten - von ihnen zum Glück einige - oder Stiftungen, die Wissenschaft breiter unterstützen, jedoch auch eigene Interessen verfolgen. Wir stehen daher vor der tieferen Frage, welche Funktion wir als Wissenschaftsjournalisten haben. In welchen Medien sind wir aktiv und sollten wir aktiver werden? Auf welches echte Anliegen müssen wir heute stärker denn je fokussieren?

Welche Aufgabe hat Ihrer Meinung nach die Vermittlung von Wissen?

Das Publikum ist heute völlig anders als vor 20 Jahren. Es geht nicht mehr um Informationsbeschaffung, sondern viel stärker um Orientierungshilfen. In einer doch sehr diffusen Gemengelage von Informationen, von denen manche wahrhaftig und andere fake sind, wollen immer mehr Menschen wissen, was relevant und glaubwürdig ist, und die Dinge in einem größeren Zusammenhang dargelegt bekommen. Wir leben in einer Welt des Wandels. Umso wichtiger ist es, den Menschen elementare Aspekte zu erklären. Mir fällt auf, dass wir uns umgeben mit Dingen, von denen wir eigentlich keine Ahnung haben. Wir hören, dass das Klimaabkommen ratifiziert wird, wissen aber nicht, dass diese Vereinbarung somit in nationale Gesetze fließt. Wir wissen nicht, was die Europäische Zentralbank genau tut, und nicht, welche Kompetenzen die EU-Kommission hat - obwohl wir täglich mit diesen Begriffen konfrontiert sind. Da braucht es in meiner demokratischen Haltung Erklärung, damit die Mündigkeit des Bürgers klar gegeben ist.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-10 17:00:08
Letzte Änderung am 2018-09-11 14:14:57


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Cholesterin lüftet Geheimnis
  2. Ötzi hatte hochentwickelte Krankenfürsorge
  3. Ende der Fruchtbarkeit
  4. Tauende Böden
  5. Kein Königreich für die Biologie
Meistkommentiert
  1. Tauende Böden
  2. Tragödie am Genfersee
  3. Waldhüter und Korallengärtner
  4. Cholesterin lüftet Geheimnis
  5. Wie wir zwischen Sprachen wechseln

Werbung




Werbung