• vom 14.09.2018, 16:30 Uhr

Mensch


Umwelt

Große Gefahr durch kleines Plastik




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Von Samuel Zettinig

  • Schädliches Mikroplastik gefährdet Tier, Mensch und Ökosystem. Projekte wie "Ocean-Cleanup" wollen gegensteuern.

Plastikteile landen in den Bäuchen der Fische.

Plastikteile landen in den Bäuchen der Fische.© StockAdobe/Richard Carey Plastikteile landen in den Bäuchen der Fische.© StockAdobe/Richard Carey

Wien. Plastik ist Fluch und Segen zugleich. Als robustes und vielseitiges Material ist es vom Kinderspielzeug bis zur Verpackung überall in Verwendung und kaum mehr aus dem Alltag wegzudenken. Gleichzeitig landet massenhaft Plastikmüll in der Natur, treibt in Flüssen und versinkt im Meer. Vergangene Woche ist das "Ocean-Cleanup"-Projekt gestartet, mit dem großflächig Plastik von der Meeresoberfläche entfernt werden soll. Damit können aber nur große Kunststoff-Objekte aus dem Wasser gefischt werden, bevor sie in viele kleine Teile zerfallen. Sogenanntes Mikroplastik ist dann außer der Reichweite von Putzaktionen wie "Ocean-Cleanup" oder sogar Kläranlagen. Das macht es fast unmöglich, die winzigen Kunststoffteilchen wieder aus der Umwelt zu entfernen.

Allgegenwärtiges Plastik
Und dort sind sie überall. "Über Flüsse gelangt Mikroplastik ins Meer, wo sich viel davon ablagert. Selbst in der Tiefsee im Marianengraben wurde es schon gefunden", erklärt Gerhard Herndl, der an der Universität Wien zu den kleinen Plastikpartikeln forscht, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Auch an Land konnten die Teilchen bereits in den Böden nachgewiesen werden und sogar in der Luft schwirren sie herum. "Sie landen durch das Abreiben von Autoreifen in der Luft. Der Großteil der Partikel entsteht aber durch das Zerfallen von großen Kunststoffstücken. Daneben finden wir viel Mikroplastik in Kosmetika oder Kleidung", so Herndl. In der Natur überdauern diese Partikel über hundert Jahre.


Grundsätzlich werden in der Wissenschaft alle Teilchen als Mikroplastik angesehen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Anders als große Plastikobjekte können sie daher von Lebewesen aufgenommen, gegessen und eingeatmet werden. Das birgt Gefahren sowohl für die Umwelt als auch den Menschen, die aber noch wenig bekannt und erforscht sind. Obwohl die Forschung noch am Anfang steht, legt die überschaubare Anzahl an Studien nahe, dass mit Mikroplastik als Umweltschadstoff nicht zu spaßen ist.

Gefahr für Wasser und Land
Besonders die Ökosysteme im Meer könnten laut Herndl bei hoher Kunststoffteilchen-Konzentration gefährdet sein: "Plankton im Wasser verwechselt Mikroplastik mit Nahrung und stirbt deswegen. Es bildet aber die Basis der Nahrungskette. Alle Organismen, die Plankton fressen, haben dann weniger Nahrung und leiden darunter. Das führt dazu, dass es von allen Lebewesen weniger gibt - auch von Fischen beispielsweise". Korallen oder Muscheln seien genauso akut gefährdet, denn sie filtrieren die Kunststoffpartikel direkt aus dem Wasser. Wegen zu viel Aufnahme von Mikroplastik wurden bei Meerestieren bereits Entzündungen dokumentiert.

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Dokument erstellt am 2018-09-14 16:39:11


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