• vom 26.10.2018, 16:20 Uhr

Mensch

Update: 29.10.2018, 11:03 Uhr

Schocktherapie

Vergessen mit Eiswasser




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Von Kerstin Viering

  • Stress kann Menschen helfen, die Furcht vor Spinnen oder großen Höhen loszuwerden.

Ein Sprung ins kalte Wasser könnte helfen, Ängste zu überwinden.

Ein Sprung ins kalte Wasser könnte helfen, Ängste zu überwinden.© adobestock/D. Mikhail Ein Sprung ins kalte Wasser könnte helfen, Ängste zu überwinden.© adobestock/D. Mikhail

Wien. Es geht um den Traumjob. Doch vom Auswahlgremium kein freundlicher Gruß, kein ermutigendes Lächeln. Die Atmosphäre ist distanziert, geradezu frostig. Und da soll man souverän über seine Stärken und Schwächen referieren? Das kann eigentlich nur schiefgehen. "Eine solche Situation ist für viele Menschen der pure Stress", sagt der Psychologe Oliver Wolf von der Ruhr-Universität Bochum. Genau das ist der Sinn der Sache. Denn die albtraumhafte Jury hat in Wirklichkeit gar keine Stellen zu vergeben. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Versuchsteilnehmer unter Druck zu setzen. So können Wolf und sein Team untersuchen, wie sich Stress bei den Probanden auf das Lernen und Vergessen auswirkt.

Den Zusammenhang erleben viele Menschen im Alltag: Der eine saß vielleicht in einer Prüfung und vergaß vor Aufregung den Stoff, den er sich am Tag zuvor noch rasch ins Hirn geprügelt hatte. Der anderen entfiel vor lauter Stress im Büro der eigene Hochzeitstag. Wie kommen solche Effekte zustande? Lassen sie sich womöglich beeinflussen? Genau solche Fragen wollen die Bochumer Psychologen beantworten. Ihre Arbeit könnte Menschen helfen, ihre Furcht vor Spinnen oder Höhen loszuwerden. Denn Entstehung und Behandlung solcher Ängste haben viel mit Lernen und Vergessen zu tun.


"Wenn eine Situation bedrohlich und emotional aufwühlend ist, merken wir uns ihre Details besonders gut", erklärt Wolf. Das hat sich im Laufe der Evolution als sinnvoll erwiesen. Wer einem gefährlichen Raubtier gegenüberstand, sollte sich merken, wie er ihm entkommen ist. Ein Zusammenspiel von Stresshormonen sorgt in solchen Fällen dafür, dass sich die Erinnerungen besonders gut verfestigen. Zuerst meldet das rasch ausgeschüttete Noradrenalin, dass die Situation furchteinflößend und somit wichtig ist. Das langsamer wirkende Cortisol sorgt dann dafür, dass diese Erkenntnis im Hippocampus des Gehirns abgespeichert wird.

Archiv der Bedrohungen
Doch nicht nur tatsächlich gefährliche Situationen landen in diesem Archiv der Bedrohungen. Die Begegnung mit einer Spinne etwa ist in Mitteleuropa normalerweise harmlos. Trotzdem lösen die Tiere bei Menschen Angst und Ekel, bei manchen sogar Panik aus. Dahinter können verschiedene Ursachen stecken. Vielleicht haben sich die Betroffenen irgendwann vor einem Achtbeiner erschreckt, der sich vor ihrer Nase abgeseilt hatte. Oder man war als Kind mit dem Spinnen-Ekel anderer Leute konfrontiert. Jedenfalls hat man verinnerlicht, dass krabbelnde Lebewesen mit acht Beinen gefährlich sind.

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Dokument erstellt am 2018-10-26 16:31:00
Letzte Änderung am 2018-10-29 11:03:58


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