• vom 30.10.2018, 16:45 Uhr

Mensch

Update: 30.10.2018, 17:04 Uhr

Medizin

Aus zwei mach’ drei




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Von Alexandra Grass

  • Viele Paare schieben die Familienplanung auf - mit Folgen, die auch die Reproduktionsmedizin nicht immer meistern kann.

- © StockAdobe/jana7731

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Wien. Schwanger zu werden und ein Kind zur Welt zu bringen sollte ein leichtes Unterfangen sein, könnte man meinen. Immerhin ist die Erhaltung der Art im Hauptinteresse der Evolution und jeder Mensch weiß, wie es funktioniert. Dennoch stehen immer mehr Paare vor unüberwindbaren Hürden in ihrer Familienplanung. In vielen Fällen spielt dabei das Alter eine große Rolle. Die künstliche Befruchtung steht hoch im Kurs. Garantie auf Erfolg gibt sie allerdings keine.

Sieben Anläufe innerhalb eines Jahres. Sieben Mal eine Ewigkeit des Bangens. Sieben körperlich belastende Vorbereitungsprozedere. Und noch immer kein Licht am Ende des Tunnels: Für viele Frauen ist diese Strapaze zur kräfteraubenden und enttäuschenden Lebenserfahrung geworden. Die Ursache liegt oftmals auf der Hand. Denn "im Balanceakt zwischen Ausbildung, Karriere und Familienplanung verschieben Paare das Kinderkriegen auf später", heißt es in der Neuerscheinung "Kinderwunsch und Lebensplan" (Verlag Kremayr&Scheriau/Orac), in der Eva Stanzl, Wissenschaftsredakteurin der "Wiener Zeitung", und der Wiener Reproduktionsmediziner Wilfried Feichtinger Chancen und Grenzen der Reproduktionsmedizin aufzeigen.

Information

Sachbuch
Kinderwunsch und Lebensplan
Wilfried Feichtinger, Eva Stanzl
Kremayr & Scheriau/Orac
192 Seiten
19,90 Euro

Der Ratgeber beleuchtet verschiedene Aspekte einer Entwicklung: Unter anderem die Emanzipation der Frau, der freie Zugang zu sicheren Verhütungsmittel, Industrialisierung und Urbanisierung hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass die Familienplanung - zumindest in den Industriestaaten - zunehmend zur Sache der Frauen geworden sei. In vielen Fällen verschieben Frauen das Kinderkriegen dabei nach hinten - oft aus gutem Grund: "Im Alter zwischen 16 und 40 müssen Frauen Schule und Berufsausbildung abschließen, einen Partner finden, den sie nicht nur lieben, sondern der auch Familie will, einen Berufspfad aufbauen, der ihnen ein Einkommen ermöglicht, eine Wohnung suchen und ins Auge fassen, wie sie die Kinder groß ziehen", heißt es in dem Buch. Das gestaltet sich als Hindernislauf der Superlative.

Nur noch halb so viele Kinder

Die Entwicklung lässt sich auch in Zahlen aufzeigen. Hat eine Frau vor 50 Jahren im weltweiten Durchschnitt fünf Kinder bekommen, sind es heute mit anderthalb nur noch die Hälfte. In den Industriestaaten bringt eine Frau im Durchschnitt 1,7 Kinder zur Welt - in Österreich 1,5. Das geht aus dem Weltbevölkerungsbericht 2018 des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen hervor, der jüngst vorgestellt wurde.

"Die Geburten in höherem Lebensalter sind unter gut ausgebildeten Frauen am schnellsten angestiegen. Sie versuchen, die wirtschaftlichen oder beruflichen Rückschläge zu vermeiden, die häufig mit einer Mutterschaft in jungen Jahren verbunden ist", heißt es in dem Bericht. Nicht zuletzt hätte zu dieser Entwicklung auch die Verfügbarkeit moderner Reproduktionstechnologien, wie etwa der In-vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung im Reagenzglas) beigetragen. Für Frauen, die sich entscheiden, eine Schwangerschaft zu verschieben, bis sie Ende 30 oder Anfang 40 sind, steigen allerdings die Risiken für Unfruchtbarkeit und Schwangerschaftskomplikationen.




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Dokument erstellt am 2018-10-30 16:55:03
Letzte Änderung am 2018-10-30 17:04:30


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