• vom 01.11.2018, 20:00 Uhr

Mensch


Hirnforschung

Neue Landkarte des Gehirns




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • US-Team will nicht nur Gehirnzellen, sondern auch ihr Arbeitsumfeld verstehen.

Wien. (est) Farben, Bilder, Gerüche, Laute: Das Gehirn erfasst ständig Eindrücke, verknüpft sie, setzt sie in Bezug, zieht Schlüsse, vergleicht Erlebtes mit Erfahrungen, wägt ab, empfindet, bewertet und entscheidet, sammelt Erinnerungen und plant die Zukunft. Doch wie unser Denkorgan all diese Leistungen vollbringt, istder Forschung ein Rätsel. Denn die Kommunikationswege im Gehirn ändern sich laufend. Bewusstsein, denken, fühlen, essen, schlafen, verdauen und viel mehr ist das Ergebnis der Aktivität einer Riesenmenge von Netzwerken, die zusammenspielen.

Für die Wissenschaft sind die rund 86 Milliarden Nervenzellen und die noch zahlreicheren Verbindungen zwischen ihnen so etwas wie eine Blackbox. Da sie den Menschen nicht live beim Denken zusehen können, können sie nicht in die Blackbox hineinschauen. Ein Forschungsteam der Universität Harvard hat nun ein neues bildgebendes Verfahren entwickelt, das einen interessanten Ansatz verfolgt: Um verstehen zu können, wie das Oberstübchen funktioniert, müsse man nicht nur die Aktivität der Gehirn- und Nervenzellen, sondern auch ihr Arbeitsumfeld besser kennenlernen, berichten die Neurowissenschafter Catherine Dulac und Xiaowei Zhuang im Fachjournal "Science".


Paarung und Aggression liegen überraschend nahe
Das Team konnte eine Millionen Nervenzellen in einer zwei mal zwei mal 0,6 Millimeter großen Region in den Gehirnen von Mäusen in einer derart hohen Auflösung beobachten, dass es detailgetreue Einblicke in dessen zelluläre, molekulare und funktionelle Organisation gewinnen konnte. "Die Arbeit ist insofern ein Durchbruch, als dass wir unser bildgebendes Verfahren künftig auf alle Gehirnbereiche und - funktionen anwenden können, und somit mehr über die Arbeitsweise der Nervenzellen in Erfahrung bringen können", wird Dulac in einer Aussendung seiner Universität zitiert.

Untersucht wurde eine Region im Hypothalamus, der unter anderem Durst, Hunger, Schlaf, Fortpflanzung und Erziehungsverhalten von Eltern steuert. Die Forscher konnten Zelltypen und ihre molekularen Signaturen katalogisieren und sie räumlich zuordnen. Auf der Basis dieser Informationen konnten sie bestimmte Zellaktivitäten bestimmten Genexpressionen und Verhaltensmustern zuordnen. "Wir können die Zellen, die bei bestimmten Verhalten aktiv werden, präzise bestimmen. Das ergibt eine zelluläre, funktionelle und molekulare Landkarte des Gehirns", sagt Dulac. Die Forscher stellten dabei fest, dass Aggression und Paarung viele Aktivitäten teilen, jedoch auch viele rätselhafte Unterschiede aufweisen, abhängig davon, ob Mäusepaare Eltern oder noch Jungfrauen sind.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-01 17:10:01


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Warum Frauen länger leben als Männer
  2. Der Mensch beeinflusst die Evolution
  3. Geist von Paris unter Feuer
  4. Äußerstes Objekt im Sonnensystem
  5. Wo sich der Fuchs zuhause fühlt
Meistkommentiert
  1. Warum Frauen länger leben als Männer
  2. Extreme Wetterereignisse nehmen zu
  3. Die versenkten Treibhausgase
  4. Top-Forschungsland hat Sand im Getriebe
  5. Arktis wird immer wärmer

Werbung




Werbung