• vom 14.02.2013, 15:27 Uhr

Mensch

Update: 19.02.2013, 14:44 Uhr

Eheleute

Getrennte Wege gehen




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Von Barbara Sorge

  • Die Entscheidung, sich scheiden zu lassen, ist keine, die man von heute auf morgen treffen sollte. Immerhin geht es dabei um die Trennung zweier Leben. Alles, was bei der Hochzeit zusammengekommen oder in der Ehe miteinander erworben worden ist, muss wieder aufgeteilt werden. Ein kurzer Überblick über die rechtliche Situation, der keine individuelle Beratung und Information ersetzen kann.

- - © Getty Images

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Eine Scheidung ist nicht nur das Ende des gemeinsamen Lebens mit einem früher geliebten Partner, sondern hat damit verbunden auch weitreichende persönliche, rechtliche und finanzielle Auswirkungen. Auch wenn die meisten Ehen letztendlich einvernehmlich getrennt werden, ist jede Scheidung – wie auch jede Ehe – sehr individuell. Daher gibt es keinen "Leitfaden", was wann zu tun ist, wie bei Hochzeitsvorbereitungen. So heißt es auch auf der Website des Bundeskanzleramts help.gv.at: "Vor einer Scheidung ist immer eine eingehende Beratung über die Scheidungsfolgen erforderlich. Auf Grund der umfassenden, mit einer Ehescheidung verbundenen Rechtsfolgen hat das Bundesministerium für Justiz bisher davon abgesehen, ein Antragsformular für eine einvernehmliche Scheidung aufzulegen."


Das Einzige, worüber sich Trennungs-Ratgeber und Anwälte einig sind, ist, dass man keine voreiligen Schritte setzen sollte. "Ohne Überlegung davonzulaufen ist selten eine gute Sache", sagt auch Ursula Xell-Skreiner, Rechtsanwältin und Expertin für Scheidungen in Wien, die gemeinsam mit Astrid Deixler-Hübner von der Universität Linz den Ratgeber "Scheidung kompakt – Ein Trennungsratgeber für Frauen und Männer" (LexisNexis Verlag ARD Orac) verfasst hat. Sie bietet, wie andere Anwälte auch, eine "Was wäre wenn?"-Beratung an, die hilfreich sein kann, um ein möglichst klares Bild davon zu bekommen, wie ein Leben nach der Trennung für einen aussehen und ob und wie man sich das finanziell leisten kann. Neben der Informationssuche im Internet oder in Büchern bieten auch Bezirksgerichte an Amtstagen Informationen und kostenlose Beratungen in allen rechtlichen Fragen an.

Information

BUCHTIPPS:
"Scheidung kompakt – Ein Trennungsratgeber für Frauen und Männer". Dr. Ursula Xell-Skreiner und Univ.-Prof. Dr. Astrid Deixler-Hübner. LexisNexis Verlag ARD Orac
"Ehe & Scheidung auf österreichisch".
Herausgegeben von Dr. Ewald Maurer. Manz, 2010

INTERNET:
www.help.gv.at
www.konsument.at
www.arbeiterkammer.at
www.nademleinsky.at
www.xell-skreiner.at
www.rechtsfreund.at/scheidung.html
www.scheidungen.at/service
•  http://ec.europa.eu/civiljustice/divorce/divorce_aus_de.htm

Erst wenn man sich selbst über das weitere Vorgehen im Klaren ist, sollte man den Partner informieren. Das ist auch notwendig, denn auf einseitigen Wunsch kann man sich nicht scheiden lassen: "Die Ehe ist noch immer ein Vertrag", erklärt Rechtsanwalt und Familienrechtsexperte Marco Nademleinsky. "Entweder man hebt den Vertrag beiderseitig im Einvernehmen auf, mit einer einvernehmlichen Scheidung. Oder man klagt letzten Endes auf Ehescheidung, das ist eine Klage bei Gericht, die gegen den anderen Ehepartner gerichtet ist, und darauf lautet, dass er aus seinem Verschulden die Ehe zerrüttet hat und die Ehe daher geschieden werden muss. Man muss dem anderen das vorwerfen, was er dazu beigetragen hat, dass die Ehe zerrüttet ist."

Prinzipiell kann eine Scheidung auch ohne Rosenkrieg über die Bühne gehen, ohne die aufreibende Suche nach der Schuld für die Zerrüttung der Ehe. Die Voraussetzungen für eine einvernehmliche Scheidung sind, dass die eheliche Gemeinschaft seit mindestens einem halben Jahr aufgehoben ist und dass sich die Ex-Partner über die wesentlichen Folgen der Scheidung einig sind. Wenn es Kinder aus der Ehe gibt, braucht es eine Obsorgeregelung, eine Kontaktregelung ("Besuchsrecht") und eine Kindesunterhaltsvereinbarung. Weiters muss geklärt werden, ob nachehelicher Unterhalt geschuldet wird bzw. wer wem was schuldet. Außerdem muss die Frage beantwortet werden, was mit dem bisherigen ehelichen Wohnsitz und dem ehelichen Gebrauchsvermögen geschieht und was an ehelichen Ersparnissen oder Schulden vorhanden ist, die zu teilen sind.

Den schriftlichen Scheidungsvergleich, in dem diese Dinge festgelegt sind, müssen die Partner dem Gericht unterbreiten oder ihn vor dem Gericht abschließen. Die Gebühren betragen für den Antrag auf einvernehmliche Scheidung  und den Scheidungsvergleich jeweils 266 Euro. Mit Liegenschaftstransaktionen beim Scheidungsvergleich (wenn zum Beispiel die Eigentumswohnung auf einen Ex-Gatten übertragen wird) kommt die Gebühr für diesen auf 398 Euro.


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Dokument erstellt am 2013-02-14 15:34:10
Letzte Änderung am 2013-02-19 14:44:10



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