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Update: 28.09.2011, 17:30 Uhr

Wittgenstein Centre

Bildung führt zu Demokratie




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Von Heiner Boberski

  • Wiener Wittgenstein-Zentrum für Demografie will weltweit führendes Institut werden
  • Spitzendemografen bei Symposion im Wiener Parlament.
  • Demograf Lutz erwartet Umbrüche in Kuba und im Iran.

Wolfgang Lutz hat die ganze Welt im Blick.

Wolfgang Lutz hat die ganze Welt im Blick.© APA/HERBERT NEUBAUER Wolfgang Lutz hat die ganze Welt im Blick.© APA/HERBERT NEUBAUER

Wien. Eine führende Rolle auf der wissenschaftlichen Weltbühne strebt das neue Wiener "Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital" an. Dessen Leiter, der Demograf Wolfgang Lutz, verweist im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" auf höchst erfolgreiche Studien seines Teams zur Demografie, die eines zeigten: Der Schlüssel zu Wirtschaftswachstum und zu Demokratisierung heißt Bildung.

Links

    Website Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital


"Wo wir wirklich Pionierarbeit geleistet haben, ist die Integration von demografischen Ansätzen und Bildungsstruktur der Bevölkerung", betont Lutz. Während Demografen meist nur Alter und Geschlecht in ihre Projektionen einbeziehen, während Ökonomen nur Durchschnittswerte bei Bildungsabschlüssen betrachteten, sahen die Wiener Demografen genauer hin und stellten zum Beispiel fest, dass der wirtschaftliche Aufschwung eines "Tigerstaates" wie Südkorea auch darauf beruht, dass dort heute 50 Prozent der jungen Frauen Hochschulabschluss besitzen, während ihre Mütter meist noch gar keine Schule besuchten. Für Lutz steht aber nicht nur fest, "dass Bildung eine der Hauptdeterminanten für Wirtschaftswachstum ist", er ist sich auch sicher, "dass Bildung der entscheidende Faktor dafür ist, das Volk, den Demos, zu befähigen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Mächtigen zu kontrollieren."

Mit einem Wort: Je gebildeter ein Volk ist, umso wahrscheinlicher bewegt es sich in Richtung Demokratie. Lutz: "Bildung ist dafür nicht Garantie, aber notwendige Bedingung." Weder der seinerzeitige Umbruch in Osteuropa noch der jetzige in der arabischen Welt seien im Hinblick auf die Zunahme besser gebildeter junger Menschen eine Überraschung. "Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis ein Regime zusammenbricht." Ähnliche Entwicklungen erwartet Lutz in Kuba, aber auch in China und im Iran.

Um das Themenbündel Demografie, Bildung und Demokratie geht es auch heute, Donnerstag, beim Symposium des Wittgenstein Centre "Demography, Education and Democracy - Refocusing Global Development Priorities" unter hochkarätiger internationaler Beteiligung im Parlament in Wien. Unter anderen werden Sir David King, einst ein Hauptberater von Tony Blair, und der bekannte Ökonom Partha Dasgupta das Wort ergreifen.

Das Wittgenstein Centre, an dem 50 Wissenschafter aus aller Welt arbeiten, verbindet die demografische Forschung von drei Einrichtungen, an denen Lutz seit Jahren leitend tätig ist: das Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg, das Institut für Demografie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und die Wiener Wirtschaftsuniversität. Zur Finanzierung tragen entscheidend vier ERC-Grants des Europäischen Forschungsrates in Gesamthöhe von acht Millionen Euro bei, aber auch 1,5 Millionen, die Lutz 2010 mit dem Wittgenstein-Preis (daher auch der Name) für künftige Forschungen erhielt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-09-28 16:23:11
Letzte Änderung am 2011-09-28 17:30:45


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