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Natur

Update: 11.01.2019, 12:00 Uhr

Biologie

Ozeane erwärmen sich schneller als gedacht




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Von Alexandra Grass

  • Die Hitze lässt die Wassertemperatur steigen. 2018 war das bisher heißeste Jahr für die Weltmeere.


© vovan - stock.adobe.com © vovan - stock.adobe.com

Berkeley/Peking/Wien. Waldbrände, Stürme, Regenfälle, Hitzewellen. Die Liste an Ereignissen, die der Erderwärmung zugrunde liegen, und besonders im Jahr 2018 den Erdball und seine Bevölkerung immer wieder erschütterten, ist damit noch nicht zu Ende. Sie zeigt allerdings, dass es wohl keinen Zweifel mehr geben kann: Der Klimawandel ist Tatsache und seine größten Auswirkungen sind es ebenso, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science". Die Ozeane sind davor nicht gefeit. Die zunehmende Hitze lässt die Wassertemperatur weiter steigen - und das schneller als bisher gedacht.

Die Daten dafür liegen schwarz auf weiß auf der Hand. Seit mehr als 13 Jahren erfasst das Programm Argo, ein Gemeinschaftsprojekt von mehr als 30 Nationen aus aller Welt, als mobiles Beobachtungssystem die Weltmeere. Derzeit umfasst das Netzwerk knapp 4000 Treibbojen, die über die Ozeane verteilt sind. Es sind Messroboter, deren Daten in Echtzeit und ohne Einschränkung auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Sie messen die Temperatur, die Leitfähigkeit und den Druck in der Wassersäule. Auf Basis dieser Daten können auch der Salzgehalt und die Dichte des Meerwassers berechnet werden. Sie bilden eine wichtige Grundlage für die Klimaüberwachung.

Der Blick in die Meere

Verglichen mit Aufzeichnungen, die bis in die 1960er Jahre hineinreichen, lässt sich der nun festgestellte Trend skizzieren, erklärt Lijing Cheng vom Institute of Atmospheric Physics der Chinese Academy of Sciences. "Wenn du sehen willst, wo die globale Erwärmung stattfindet, dann wirf einen Blick in die Meere", betont deshalb auch Co-Autor Zeke Hausfather, Student der Energy and Resources Group der University of California. 2018 war das bisher heißeste Jahr für die Ozeane.

Deren Erwärmung zählt als wichtiger Marker des Klimawandels. Dieser wird hauptsächlich durch Kohlendioxid verursacht, das der Mensch mit seinen Tätigkeiten im Alltag in die Atmosphäre jagt. Wenn es die Ozeane nicht gäbe, würde das Treibhausgas gar noch für höhere Temperaturen sorgen. Die Meere nehmen etwa ein Viertel des in die Luft freigesetzten CO2 wieder auf und verlangsamen damit die weitere Erwärmung. Die Wassermassen nehmen aber nicht nur CO2 auf, sondern auch Wärme aus der Atmosphäre. Sie speichern 93 Prozent dieser Wärme, während sich auf Luft, Land und Eis gerade mal sieben Prozent verteilen. Im Gegensatz zur Oberflächentemperatur bleibt jene der Ozeane allerdings von Jahresschwankungen unberührt, die durch Ereignisse wie El Nino oder Vulkanausbrüche hervorgerufen werden. Die Temperatur steigt stetig.

30 Zentimeter Anstieg

Geht alles seinen gewohnten Gang weiter und werden keine Anstrengungen unternommen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, werde dem Coupled Model Intercomparison Project 5, einem internationalen Klimavergleichsmodell zufolge, die Temperatur in einer Wassertiefe bis zu 2000 Meter bis zum Ende des Jahrhunderts um 0,78 Grad Celsius steigen, berichten die Forscher in der Studie.

Die Wärmeausdehnung würde zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 30 Zentimeter führen. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass auch die Gletscher schmelzen und Eisschilde in Wasser übergehen. Die Folge davon sind noch stärkere Stürme, noch länger anhaltende Hurrikans sowie noch extremere Niederschläge.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-10 16:59:21
Letzte Änderung am 2019-01-11 12:00:20


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