• vom 31.05.2013, 12:03 Uhr

Natur

Update: 31.05.2013, 12:29 Uhr

Entwicklung

Klettertraining im Uterus




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Kerstin Viering

  • Forscher analysieren Live-Bilder von Känguru-Schwangerschaften
  • Unmittelbar nach der Geburt müssen Känguru-Babys Höchstleistungen zeigen.

Bis zu einem solchen Anblick vergehen Monate.

Bis zu einem solchen Anblick vergehen Monate.© apa Bis zu einem solchen Anblick vergehen Monate.© apa

Berlin. Das Tierchen sieht nicht aus, als könne es schon in ein paar Tagen geboren werden. Zu winzig, zu wenig entwickelt - eher ein Embryo als ein fertiges Känguru. Von den kräftigen Hinterbeinen seiner Verwandtschaft fehlt jede Spur. Doch dafür hat das kleine Tammar-Wallaby schon erstaunlich große Arme. Und die weiß es zu nutzen: Schon drei Tage vor seiner Geburt fuchtelt es damit herum, als wolle es einen Berg erklimmen. Oder zumindest ein Stück vorwärts robben.


Barbara Drews vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gehört zu den ersten Menschen, die solche Szenen aus der Känguru-Gebärmutter zu Gesicht bekommen haben. Gemeinsam mit australischen Kollegen der Unis Melbourne und Sydney ist es IZW-Forschern erstmals gelungen, die Schwangerschaft von lebenden Beuteltieren per Ultraschall zu verfolgen. Ihre Beobachtungen schildern sie im Fachjournal "Scientific Reports".

"Wir wollen besser verstehen, wie sich die Trächtigkeit von Beuteltieren und anderen Säugern unterscheidet", erläutert Drews das Ziel. Dass es Unterschiede geben muss, ist längst bekannt. Denn anders als die sogenannten Plazenta-Tiere, zu denen die meisten anderen Säugetiere und der Mensch gehören, bringen Beuteltiere ihren Nachwuchs in einem sehr frühen Entwicklungsstadium zur Welt. Was da nach wenigen Wochen Tragezeit aus der Geburtsöffnung kommt, hat noch keine Ähnlichkeit mit einem Känguru oder Koala. Das Neugeborene krabbelt in den Beutel seiner Mutter, hängt sich an eine ihrer Zitzen und wächst erst dort im Laufe der Monate zu einem voll ausgebildeten Jungtier heran.

Was aber vorher alles im Mutterleib vor sich geht, wusste niemand so genau. Und so setzten die Wissenschafter auf eine Überwachung der Schwangerschaft mittels Ultraschall. Die passenden Beuteltiere fanden sich in einer Feldstation der Universität Melbourne. Seit Jahren halten Forscher dort die kleinen Tammar-Wallabys, die mit einem Gewicht von drei bis vier Kilogramm etwa so groß sind wie ein Feldhase.

Sonde aus der Gynäkologie
Erst einmal gefangen, wurde den Kängurus ein leichtes Beruhigungsmittel verabreicht. Von einem Känguru ein gutes Ultraschallbild zu machen, ist eine Herausforderung. Bei anderen Tieren rasiert man das Bauchfell, um das Gerät aufsetzen zu können. Doch der neugeborene Känguru-Nachwuchs braucht die Haare seiner Mutter, um sich in die Bauchtasche zu hangeln. Also mussten die Forscher das Untersuchungsgerät in den Beutel schieben, um die haarlose Haut im Inneren zu erreichen. Und dafür eignete sich am besten eine Vaginalsonde aus der Frauenarzt-Praxis.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-05-31 12:08:04
Letzte Änderung am 2013-05-31 12:29:34


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ein Aal verblüfft mit Riesenmaul
  2. Turteltaube im Sinkflug
  3. Wenn der Computer macht, was er will
  4. Alma Mahlers Dichter-Onkel
  5. Ende der Fruchtbarkeit
Meistkommentiert
  1. Tauende Böden
  2. Wenn der Computer macht, was er will
  3. Ötzi hatte hochentwickelte Krankenfürsorge
  4. Ende der Fruchtbarkeit
  5. Cholesterin lüftet Geheimnis

Werbung





Werbung