• vom 05.05.2014, 16:49 Uhr

Natur


Klimawandel

Wenn der "Stoppel" heraußen ist, rinnen Eismassen ins Meer




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Warnung vor Kettenreaktion in Ostantarktis: Wenn eine kleine Verschlussstelle schmilzt, könnte sich der Meeresspiegel stark anheben.

Ein Anstieg des Meeresspiegels im Wilkesland könnte das Gesicht des Planeten verändern . - © corbis/Jeff Vanuga

Ein Anstieg des Meeresspiegels im Wilkesland könnte das Gesicht des Planeten verändern . © corbis/Jeff Vanuga

Potsdam. (afp/est) Deutsche Forscher warnen vor einer großen Eisschmelze in der Ost-Antarktis. Aufgrund der Erderwärmung durch den Klimawandel könnte nämlich ein gigantischer "Eispfropfen" schmelzen. Und wenn dieser Stoppel einmal heraußen ist, droht eine Kettenreaktion: Eine riesige Eismasse könnte sich im Wilkesland des Australischen Antarktis-Territoriums in den Ozean ergießen und den Meeresspiegel dramatisch steigen lassen, warnen die Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in der Zeitschrift "Nature Climate Change".


Innerhalb von mehreren tausend Jahren würde sich dann der Meeresspiegel um drei bis vier Meter erhöhen. "Bisher galt nur die West-Antarktis als instabil. Aber nun wissen wir, dass ihr zehn Mal größeres Gegenstück im Osten möglicherweise auch in Gefahr ist", erklärte einer der Studienautoren Anders Levermann.

Das Eisfeld liege in einem riesigen Tal, das zum Landesinneren hin abfällt, "wie in einer gekippten Flasche". Lediglich eine Art Korken aus Eis blockiere die Gletschermassen im Hinterland des Wilkes-Beckens vom Meer. Er würde verhindern, dass sich die Eisströme in den Ozean ergössen. Für ihre Simulation haben Levermann und seine Kollegen den Ozean der Region virtuell um zweieinhalb Grad erwärmt.

Die Eiskante des Wilkes-Beckens auf der Neuseeland zugewandten Seite der Ostantarktis ragt aus dem oft stürmischen Südpolarmeer. Stetig hebt sich die weiße Landschaft, Gletscher fließen ins Meer, wo sie immer wieder Eisberge kalben.

Die Frage, wie stark die erwartete Klimaerwärmung das Tauen der gefrorenen Massen beschleunigen könnte, beschäftigt die Wissenschaft. Der UNO-Klimareport (IPCC), der Erkenntnisse zum Klimawandel zusammenfasst, gibt sich eher zurückhaltend. Komplett geschmolzen würden die Eismassen der Region die Meere zwar sogar um neun Meter heben, schreibt der IPCC. Bisher scheine das ostarktische Eis jedoch stabil. Die extreme Kälte des Wassers und Schneefall würden Eisverluste ausgleichen.

Die Simulation offenbare eine Gefahr für die fernere Zukunft, in der sich das Meer erheblich erwärmen könnte, betont dagegen Levermann. Welche Ursachen das isolierte Eismeer derart aufheizen könnten, lässt die Studie aber offen. "Es müsste sich die ozeanische Zirkulation ändern, sodass wärmeres Wasser an die Küste geführt wird", erläutert Heinrich Miller vom Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung im "Spiegel Online". Derzeit passiere aber das Gegenteil: Das kalte Meereis breite sich aus.

In der Zukunft kann bei fortschreitender Klimaerwärmung aber viel passieren. Schließlich sei auch in ferner Vergangenheit das Eis der Ostantarktis vermutlich mehrfach deutlich geschwunden - etwa in den Erdzeitaltern Pliozän und Miozän, fügt Nicholas Golledge von der University of Wellington in Neuseeland hinzu.

Selbst wenn der Klimawandel gestoppt werden könnte, würde das Eisfeld nach und nach ins Meer fließen und schmelzen. "Das ist das grundlegende Problem", erklärt der PIK-Experte Matthias Mendel. Ein im Wilkesland ausgelöster Meeresspiegelanstieg würde das Gesicht des Planeten verändern". Mit "großer Wahrscheinlichkeit" wären dann Küstenstädte wie New York, Tokio, Mumbai und Dublin einem erheblichen Überflutungsrisiko ausgesetzt.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-05-05 16:53:04


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Weg zur Epidemie
  2. Republik für ein paar Stunden
  3. Die ISS wird 20 Jahre alt
  4. Die Waffenkammer leert sich
  5. Kennedys sorgsam gepflegter Mythos
Meistkommentiert
  1. Update für das Kilogramm
  2. Herzschwäche ein unterschätztes Leiden
  3. Besser dicker, als Raucher
  4. Kooperation eine Frage der Stimmigkeit
  5. Die Waffenkammer leert sich

Werbung





Werbung