• vom 22.05.2015, 16:29 Uhr

Natur


Sir Roger Penrose

Das zyklische Universum




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Von Christian Müller

  • Mit dem Urknall habe nur ein neues "Äon" begonnen, meint der britische Physiker Sir Roger Penrose.

Sir Roger Penrose: Physik ist exotisch wie Lady mit Bart.

Sir Roger Penrose: Physik ist exotisch wie Lady mit Bart.© apa/Techt Sir Roger Penrose: Physik ist exotisch wie Lady mit Bart.© apa/Techt

Wien. (apa) Der britische Mathematiker und Physiker Sir Roger Penrose sprach am Donnerstagabend am Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg über seine Hypothese einer "Conformal Cyclic Cosmology". Entgegen der bisherigen Annahme, dass sich das Universum nach dem Urknall unendlich weit ausdehnt, geht Penrose von einem zyklischen Universum aus. Der Urknall wäre dann nur einer von unendlich vielen Übergängen zwischen zwei "Äonen" genannten kosmischen Zeitaltern.

Sie haben am Campus des IST Austria übernachtet, waren alle Hotels in Wien wegen des Song Contest ausgebucht?


Roger Penrose: Nein, ich hatte die Wahl und mich für den Campus entschieden. Ich habe schon genug in schicken Hotels übernachtet.

Sagt Ihnen der Song Contest überhaupt etwas?

Ja, aber ich habe ihn schon mehr als 20 Jahre nicht gesehen.

Aber Sie wissen, warum der Song Contest heuer in Wien ist: der Sieg von Conchita Wurst im Vorjahr?

Ah, die Lady mit dem Bart. Ja, die kenne ich, ein bisschen Information dringt auch zu mir durch.

Wechseln wir zur Physik...

Die ist möglicherweise so merkwürdig und exotisch wie die Lady mit dem Bart.

Vor fünf Jahren haben Sie im Buch "Cycles of Time" Ihr Modell einer CCC vorgestellt. Nach der Faustregel, dass jede Formel in einem Buch die Zahl der Leser halbiert - haben Sie schon jemanden getroffen, der es tatsächlich gelesen hat?

Die meisten Formeln sind ja im Anhang, also sollten doch ein paar Leser übergeblieben sein.

Der armenische Physiker Vahe Gurzadyan hat mit Ihnen kreisförmige Muster in der kosmischen Hintergrundstrahlung entdeckt, die Ihre CCC belegen sollen. Diese Arbeit stieß auf Skepsis, wurde von Fachjournalen abgelehnt. Ist sie inzwischen publiziert?

Ja, im "European Physical Journal Plus". Es gibt inzwischen auch eine Studie von polnischen Wissenschaftern um Krzysztof Meissner (Theoretischer Physiker an der Universität Warschau, Anm.), die die Daten auf eine ganz andere Weise analysiert haben. Sie haben sich WMAP-Daten (der Nasa-Satellit WMAP hat Unregelmäßigkeiten in der kosmischen Hintergrundstrahlung erforscht, Anm.) angeschaut und kamen zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Mustern mit 99,7-prozentiger Sicherheit um genuine und nicht um zufällige Effekte handelt. Diese Arbeit wurde in den "Proceedings of the Royal Society" publiziert, etwas später als unsere Arbeit. Aber auch sie hatten Schwierigkeiten mit den Gutachtern. Seltsam ist, dass es auf unsere Publikation keine kritischen Kommentare gibt. Gar nichts, null. Und Meissner sagte mir, es sei bei ihrer Publikation genau so. Niemand sagt, es ist falsch, niemand sagt, es ist richtig.

Wird die "Conformal Cyclic Cosmology" CCC jemals empirisch bestätigt oder widerlegt werden können, oder ist es einfach ein weiteres philosophisches Weltbild?

CCC ist sehr unterschiedlich zu Ansätzen wie Paralleluniversen. Es gibt ganz klare Voraussagen, die überprüft werden können. Und beide erwähnten Arbeiten unterstützen CCC. Die neuesten Arbeiten der Polen, in denen sie auf die Daten des Planck-Weltraumteleskops geschaut haben, sind eine unabhängige Unterstützung.

Sie haben die kreisförmigen Anomalien in der kosmischen Hintergrundstrahlung als Signale von Kollisionen supermassereicher Schwarzer Löcher aus früheren Äonen interpretiert. Kann man je daraus Informationen aus einem früheren Universum bekommen?

Vielleicht, wir sind ja erst am Beginn. Erinnern Sie sich an die Entdeckung der Signatur von Gravitationswellen in der kosmischen Hintergrundstrahlung im Vorjahr, die als Beleg für das blitzartige Ausdehnen des Universums unmittelbar nach dem Urknall gefeiert, dann aber angezweifelt wurde. Ich glaube, dass diese Beobachtungen richtig sind, aber falsch interpretiert wurden. Nach meinem Modell sind dies nicht Spuren von Gravitationswellen aus dem frühen Universum, sondern Magnetfelder aus einem früheren Äon.

Diese Magnetfelder sind korreliert mit galaktischen Clustern früherer Äonen, und sie wären der Punkt, wo diese Cluster in das nächste Äon übertreten. In solchen galaktischen Clustern gäbe es supermassereiche Schwarze Löcher, die miteinander kollidieren und dabei ringförmige Strukturen produzieren. Tatsächlich sieht man diese Ringe, sowohl in den WMAP- als auch in den Planck-Daten.




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Dokument erstellt am 2015-05-22 16:32:05


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