• vom 12.06.2015, 15:44 Uhr

Natur

Update: 22.06.2015, 10:26 Uhr

Insekten

Kampf den Vampiren!




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Von Kerstin Viering

  • Mittel gegen Mücken und Zecken sind keine menschliche Erfindung, auch Tiere haben Repellents entwickelt.

Kapuzineraffen schützen sich klug vor Insekten.

Kapuzineraffen schützen sich klug vor Insekten.© Unlisted images/corbis Kapuzineraffen schützen sich klug vor Insekten.© Unlisted images/corbis

Berlin. Ein vielköpfiges Heer von Mücken, Gelsen, Zecken und anderen Blutsaugern startet in diesen Wochen seine Angriffe. Menschen sind keineswegs die einzigen Opfer der kleinen Vampire. Auch aus einem anderen Säugetier oder einem Vogel lässt sich eine nahrhafte Blutmahlzeit zapfen. Da auch Tiere nicht bereit sind, die Attacken einfach so über sich ergehen zu lassen, haben sie im Laufe ihrer Evolution eine ganz Palette von Insekten-Repellents erfunden.

So ist etwa die Osha-Wurzel (Ligusticum porteri), die in den Rocky Mountains wächst, ein echtes Allround-Talent. Sie wirkt gegen Magenschmerzen und Infektionen, schlägt aber auch Insekten in die Flucht. Kein Wunder, dass die karottenähnliche Pflanze in der traditionellen indianischen Medizin äußerst beliebt war. Eine Legende der Navajo-Indianer erzählt, dass einst die Bären den Menschen das Wissen über die Heilkräfte des vielseitigen Gewächses gebracht haben. Jedenfalls zerkauen nordamerikanische Braunbären bisweilen Osha-Wurzeln und schmieren sich den mit Speichel vermischten Brei ins Gesicht. Wollen sie sich mit der stark nach Sellerie duftenden Rezeptur gegen Insekten schützen? Eine bessere Erklärung für das ungewöhnliche Verhalten hat noch niemand gefunden.


Menthol und Zitrusfrüchte
Biologen wissen, dass aromatische Pflanzen wirksame Waffen gegen Blutsauger sein können. Weißrüssel-Nasenbären auf der Insel Barro Colorado in Panama zum Beispiel haben die Vorzüge des Gehölzes Trattinickia aspera entdeckt, dass ein stark nach Menthol riechendes Harz absondert. Ein Nasenbär, der sich das ins Fell schmiert, mag zwar duften wie ein Hustenbonbon, hält sich aber Flöhe, Zecken, Läuse und Stechmücken vom Leib.

Anderenorts setzen Nasenbären lieber auf Zitrusfrüchte. Und damit sind sie nicht allein. Die Anthropologin Mary Baker von der University of California in Riverside hat schon Anfang der Neunzigerjahre beobachtet, wie sich Weißschulter-Kapuzineraffen in Costa Rica mit Saft und Fruchtfleisch verschiedener Zitrusgewächse einrieben. Laborversuche haben inzwischen gezeigt, dass diese Pflanzen Verbindungen enthalten, die Insekten und Spinnentiere vertreiben oder sogar abtöten können.

So hat ein Team um Paul Weldon vom Smithsonian-Institut im US-amerikanischen Front Royal die Wirkung von Zitrusfrüchten auf Zecken getestet. Dabei hat man nicht nur aus Zitronenschalen gewonnene Flüssigkeit unter die Lupe genommen, sondern auch 24 einzelne Verbindungen aus den Früchten und Blättern verschiedener Zitrusgewächse. Tatsächlich krabbelten die Zecken etlichen dieser Substanzen aus dem Weg. Kamen sie doch damit in Kontakt, konnten sie anschließend nicht mehr richtig klettern. Die größte Wirkung zeigten dabei die Flüssigkeit aus der Zitronenschale und die Verbindung Carveol.

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Dokument erstellt am 2015-06-12 15:47:05
Letzte Änderung am 2015-06-22 10:26:05


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