• vom 31.07.2015, 17:49 Uhr

Natur

Update: 12.08.2015, 15:17 Uhr

Insekten

Fabrikanten auf sechs Beinen




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Von Kerstin Viering

  • Insekten produzieren eine große Palette von Substanzen, die für medizinische oder industrielle Anwendungen interessant sind.

Enzyme der Wespe könnten für die Produktion von Biotreibstoff interessant sein.

Enzyme der Wespe könnten für die Produktion von Biotreibstoff interessant sein.© Moritz Ziegler Enzyme der Wespe könnten für die Produktion von Biotreibstoff interessant sein.© Moritz Ziegler

Gießen/Jena. "Von Insekten lernen, heißt siegen lernen". Damit fasst Andreas Vilcinskas gern das Grundprinzip seiner Arbeit zusammen. Der Biologe leitet das LOEWE-Zentrum für Insektenbiotechnologie in Gießen, in dem Forscher den Geheimnissen der Sechsbeiner auf der Spur sind. Schließlich haben diese Tiere im Laufe ihrer Evolution eine ganze Reihe von nützlichen chemischen und biologischen Erfindungen gemacht.

In ihren Körpern finden sich Stoffe, die Krankheitserreger bekämpfen, Fleisch konservieren oder Holz abbauen können. Effekte, die auch aus menschlicher Sicht interessant sind - sei es für die Medizin oder industrielle Anwendungen. Die Insektenwelt steckt also voller neuer Ideen. Und die wollen die Gießener Forscher in praktisch nutzbare Produkte und Dienstleistungen verwandeln.


Artenvielfalt der Moleküle
Mehr als eine Million unterschiedliche Insekten haben Forscher schon beschrieben, wahrscheinlich gibt es deutlich mehr. Der Biologe ist überzeugt, dass sich diese Artenvielfalt auch auf der Ebene der Moleküle widerspiegelt. Dazu gilt es aber erst einmal, die vielversprechendsten Substanzen ausfindig zu machen. Und das ist gerade wegen der schwer überschaubaren Vielfalt der Tiergruppe gar nicht so einfach. Also betrachtet das Team um Vilcinskas die Welt zunächst einmal aus der Insektenperspektive: Wo kommt eine Art vor? Auf welchen Lebensstil hat sie sich spezialisiert? Vor welchen Herausforderungen steht sie dabei? Die Antworten liefern oft wertvolle Hinweise darauf, für welche Probleme eine Art im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte eine Lösung gefunden haben muss.

Wer nach neuen Antibiotika sucht, kann sich bei den Bewohnern von Lebensräumen umsehen, die besonders mit Mikroben belastet sind. Der Nachwuchs der zu den Schwebfliegen gehörenden Mistbiene ist vielversprechend. Denn diese sogenannten Rattenschwanzlarven leben als einzige Tiere nur in Jauche- und Güllegruben. Dort gibt es zwar kaum Konkurrenten, die ihnen das Leben schwer machen könnten. Dafür aber viele Krankheitserreger.

"Also müssen diese Tiere ein Top-Immunsystem haben", folgert Vilcinskas. Tatsächlich hat er schon im ersten Anlauf 19 Abwehrwaffen entdeckt, mit denen sich Rattenschwanzlarven gegen Bakterien wehren. Die Forscher sind nun dabei zu testen, wie gut diese Substanzen gegen für Menschen gefährliche Erreger wirken.

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Dokument erstellt am 2015-07-31 17:53:04
Letzte Änderung am 2015-08-12 15:17:03


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