• vom 18.04.2016, 21:00 Uhr

Natur


Paläontologie

Dinosaurier starben langsam




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  • Artenvielfalt der Dinos soll bereits viele Millionen Jahre vor Meteoriten-Einschlag geschrumpft sein.

Dinos wie der Brachiosaurus dominierten vor 150 Millionen Jahren.

Dinos wie der Brachiosaurus dominierten vor 150 Millionen Jahren.© Words&Pictures/Science Photo Library/Corbis Dinos wie der Brachiosaurus dominierten vor 150 Millionen Jahren.© Words&Pictures/Science Photo Library/Corbis

Reading/Bristol. (est) In der Evolution starben die Dinosaurier langsam, nicht mit einem Schlag. Zu diesem Schluss kommen britische Forscher, die das Aussterben der Riesenechsen mit statistischen Methoden analysiert haben. Ihnen zufolge begann ein Prozess, bei dem mehr Dino-Arten verschwanden, als neue entstanden, schon rund 50 Millionen Jahre vor ihrer endgültigen Auslöschung vor 66 Millionen Jahren, berichten die Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Seit Jahrzehnten diskutieren Paläontologen über die Gründe, warum die Dinosaurier von der Erdoberfläche verschwanden, nachdem sie im Erdmittelalter über 150 Millionen Jahre das Laben auf dem Land regiert hatten. Die Mehrheitsmeinung ist, dass sie einem Massensterben nach einem Meteoriteneinschlag vor 66 Millionen Jahren im Golf von Mexiko zu Opfer fielen. Einer anderen, umstritteneren These zufolge war der Einschlag aber nur der Schlusspunkt eines langsamen Niedergangs der Riesenechsen. Da die Art bereits in der Evolution geschwächt war, konnte sie der Katastrophe nicht standhalten - somit war sie der Todesstoß, nicht der Auslöser des Endes der Dinosaurier. Jedoch sprechen die Fossilien keine eindeutige Sprache, um diese These zu untermauern.


Manabu Sakamoto, Chris Venditti und Michael Benton von den Universitäten Reading und Bristol haben nun die Mechanismen der Dinosaurier-Evolution mit statistischen Methoden zu Artenbildung und Artensterben untersucht. Ihre Berechnungen zeigen, dass die Dinos zum Zeitpunkt des Meteoriteneinschlags bereits auf dem absteigenden Ast waren. Die Zusammenhänge, die die Grundlage der Studie bilden, erscheinen klar: Wenn in einer Gruppe von Tieren mehr neue Arten entstehen als alte verschwinden, blüht die Gruppe auf. Genau das passierte bei allen drei Dino-Gruppen - Sauropoden, Therapoden und Vogelbeckensauriern - vor 200 Millionen Jahren. Vor 114 Millionen Jahren tauchten aber dann bei Sauropoden und Vogelbeckensauriern plötzlich weniger neue Arten auf als Bestehende verschwanden. Die mangelnde Fähigkeit, ausgestorbene Arten durch neue zu ersetzen, habe diese Tiere anfällig gemacht. Sie seien unfähig gewesen, schnell auf die Katastrophe zu reagieren und sich zu erholen.

Sakamoto und seine Kollegen haben statistisch im Detail die Stammesgeschichte aller Dinosauriergruppen untersucht. Dazu werteten sie Datensätze aus, die systematische Gruppen von Dinosauriern umfassten. Die Analyse liefere überwältigende Unterstützung für die Annahme, dass sich die Artbildungsrate bei nahezu allen Dinosauriern vor dem endgültigen Verschwinden verlangsamte, bis sie schließlich unterhalb der Aussterberate lag. Das passierte spätestens 24 Millionen Jahre vor dem Meteoriten-Einschlag. Betrachteten die Forscher die einzelnen Dinosaurier-Hauptgruppen für sich, passierte das sogar schon 48 bis 53 Millionen Jahre vor dem Einschlag.

Platz für kleinere Säugetiere
Ausnahmen bildeten lediglich die pflanzenfressenden Hadrosaurier und Ceratopsidae. Bei ihnen stellten die Wissenschafter eine hohe Artbildungsrate fest. Möglicherweise war es ihnen gelungen, sich durch die Ausbildung kräftiger Kiefer und Zähne spezielle Pflanzenarten als Nahrungsgrundlage zu erschließen. Zu diesen beiden Gruppen gehörten allerdings nur 14 Prozent aller Dinosaurier-Arten - offenbar war das nicht genug, um dem Niedergang entgegen zu wirken.

Für das Aufblühen der Dinosaurier sehen die Forscher klare Gründe. Der Meeresspiegel, der im Erdmittelalter langsam anstieg und Gebiete auf dem Festland überflutete, spielte eine wichtige Rolle. Flache Meere trennten ehemals zusammenliegende Landmassen. Aus den nunmehr isolierten Arten entwickelte sich eine größere Anzahl von neuen Arten, um das Überleben zu garantieren. Die Gründe für den langsamen Niedergang der Dinos in einem Zeitraum von 40 Millionen Jahren sind laut Sakamoto und seinen Kollegen jedoch weniger eindeutig. Starke Vulkanausbrüche über lange Zeiträume könnten ebenso schuld sein wie klimatische Veränderungen. Der Wandel machte Platz für neue Arten. Kleine Säugetiere nutzten die frei gewordenen Nischen und brachten schließlich Wale, Fledermäuse oder Affen hervor.




Schlagwörter

Paläontologie, Dino, Saurier

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Dokument erstellt am 2016-04-18 16:44:07



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