• vom 02.05.2016, 16:43 Uhr

Natur


Gelsen

Ausbreitung der Zugereisten in den nächsten Jahren




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Nach Gelsenzählung berichten Forscher von vier nicht heimischen Arten.

Malaria-Überträger Anopheles in Österreich etabliert. - © Corbis/CDC

Malaria-Überträger Anopheles in Österreich etabliert. © Corbis/CDC

Wien. Sie liebt Wärme und Feuchtigkeit und fühlt sich von Kohlendioxid, Hautgeruch oder Licht angezogen. Die Rede ist von der Stechmücke oder Gelse, wie sie hierzulande meist genannt wird. Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts haben Wiener Wissenschafter in den vergangenen zwei Jahren in Ostösterreich 40.000 Tiere gesammelt, bestimmt und auf Erreger untersucht. Nur eine sogenannte invasive Art konnte sich bisher etablieren, stellten sie fest.

Eine invasive Art
31 der insgesamt 46 in Österreich bekannten Stechmückenarten haben die Forscher rund um Hans-Peter Führer vom Institut für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien in dem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt registriert. Vier davon sind nicht heimisch. "Anopheles hyrcanus" - einen deutschen Namen gibt es noch nicht - ist demnach die einzige invasive Art. Das heißt, "sie ist etabliert, steht in Konkurrenz zu einheimische Arten und dürfte diese verdrängen", betont Führer. Zwar leben noch weitere Anopheles-Arten in Österreich, in Wien sei "Hyrcanus" jedoch die häufigste Vertreterin dieser Gattung. Sie ist eine jener 40 von rund 420 existierenden Anopheles-Arten, die in tropischen Gebieten die Malaria übertragen können.


Bei den weiteren drei nachgewiesenen nicht heimischen, aber noch nicht als etabliert erwiesenen Arten handelt es sich um "Culiseta Longiareolata" - auch für sie gibt es noch keinen deutschen Namen -, die Asiatische Buschmücke ("Ochlerotatus japonicus japonicus") sowie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus"). Da es sich sowohl bei "Hyrcanus" als auch "Culiseta longieareolata" um mediterrane Arten handelt, könnten sie am ehesten vom Klimawandel profitieren, betonen die Forscher. Sowohl Klimawandel als auch die Globalisierung sind die Ursachen dafür, dass zunehmend nicht heimische Arten Europa besiedeln.

Tigermücke im Anflug
Die Asiatische Buschmücke wurde mit Importen nach Österreich eingeschleppt. Da sie aus ähnlichen Klimabedingungen stammt, könnte sie sich, so Führer, in Österreich leichter etablieren als die aus Südostasien stammende und gefürchtete Tigermücke, die man nach wie vor nur vereinzelt vorfindet. "In unserer Studie haben wir keine einzige davon nachgewiesen", so er Experte. Doch gebe es etwa in Südtirol und Frankreich stabile Populationen. Dies wird mit Sorge verfolgt, denn diese Art ist in ihren Ursprungsgebieten Überträger von Dengue- und Chikungunya-Fieber.

Doch solange die Tigermücke in Österreich keine stabile Population habe, seien Dengue, Chikungunya und Zika "kein Thema", beruhigt der Forscher. Allerdings erwartet Führer eine Ausbreitung der beiden asiatischen Vertreter in den nächsten Jahren in Ostösterreich. Den dringlichsten Handlungsbedarf sieht er aber vorerst darin, "überhaupt zu erfassen, welche Stechmücken in Österreich heimisch sind und sich nicht nur auf potenziell invasive Arten zu konzentrieren".

Im Rahmen des Projekts wurde zuletzt erstmals auch die Kreuzung zweier nordeuropäischer Hausgelsenformen in Österreich nachgewiesen. Weil dieser Hybrid sowohl Blut von Vögeln als auch vom Menschen saugt, könnte auch er Krankheitserreger von Tier auf Mensch übertragen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-05-02 16:47:05


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Top-Forschungsland hat Sand im Getriebe
  2. Die Natur des Jahres 2019
  3. Schritt Richtung Quanteninternet
  4. Zähes Ringen ohne Erfolg
  5. 66 eingeschleppte Arten gefährden Europas Artenvielfalt
Meistkommentiert
  1. Woher die Impfskepsis kommt
  2. Extreme Wetterereignisse nehmen zu
  3. EU sucht Grundsatzeinigung zu Forschungsprogramm
  4. "Gen-Schere am Embryo bringt keinen Nutzen"
  5. Top-Forschungsland hat Sand im Getriebe

Werbung





Werbung