• vom 28.07.2017, 15:41 Uhr

Natur

Update: 28.07.2017, 16:00 Uhr

Insektensterben

Die Schattenseiten des Lichts




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Für ein erfolgreiches Rendezvous müssen viele Insekten spezielle Strukturen, wie Gewässerränder oder Bäume, aufsuchen. Manche bleiben auf dem Weg aber an den Laternen-Barrieren hängen. Andere verlieren Zeit und Energie, und das aber können sich Nachtfalter kaum leisten. Schließlich dauert ihr Erwachsenenleben hierzulande nur sieben bis zwölf Tage, da bleibt also nicht viel Zeit für die Familiengründung. "Die Lichtbarrieren können dazu führen, dass die Tiere nicht zum Partner kommen oder zu spät", erklärt Hölker.

Doch es gibt noch weitere Hindernisse. Zumindest einigen Motten-Arten funkt das Licht nämlich direkt ins Sexualleben hinein. Koert van Geffen von der Wageningen Universität in den Niederlanden hat das beim Kleinen Frostspanner beobachtet. Auf unbeleuchteten Eichenstämmen fanden er und sein Team deutlich weniger Falter-Weibchen als auf mit LED-Lampen beleuchteten Pendants. Doch während mehr als die Hälfte der im Dunkeln lebenden Frostspannerinnen Spermienpakete im Körper trugen, waren es im Kunstlicht - je nach Wellenlänge - nur zwischen 13 und 28 Prozent.

Ein zweiter Versuch zeigte, woran das liegen könnte: Die Forscher konfrontierten die Männchen mit künstlich hergestellten weiblichen Sexuallockstoffen. Im Licht wirkten diese weniger anziehend als im Dunkeln. Offenbar verlieren Motten-Casanovas bei Licht die Lust aufs andere Geschlecht. Bei anderen Falter-Arten tragen auch die Weibchen dazu bei, dass es nicht funkt. So produziert die Kohl-Eule bei Kunstlicht weniger Sexuallockstoffe und die Zusammensetzung der Stoffe verändert sich. Das könnte die Anziehungskraft verringern.

Folgen für die Pflanzenwelt
Ist der Beleuchtungs-Boom also schuld am Rückgang von nachtaktiven Insekten in vielen Regionen Europas? Hölker hält es für durchaus für wahrscheinlich, dass die Lichtverschmutzung einen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet - mit weitreichenden Folgen. So gibt es zahlreiche Pflanzenarten, die sich von Motten bestäuben lassen.

Ganz aussichtslos ist die Lage für die Nachtfalter aber trotz allem nicht. Florian Altermatt von der Universität Zürich und Dieter Ebert von der Universität Basel haben nämlich herausgefunden, dass sich eine Gespinstmotte namens Yponomeuta cagnagella bereits auf das Licht eingestellt hat. Tiere aus dem Stadtgebiet von Basel ließen sich nicht mehr so stark vom Licht anlocken wie Artgenossen aus dunkleren Regionen.

"Es werden sich aber längst nicht alle Nachtfalter anpassen können", gibt Hölker zu bedenken. Gelingen wird das seiner Einschätzung nach am ehesten Arten mit kurzen Reproduktionszeiten und hohen Vermehrungsraten. Denn nur bei ihnen könne die Evolution Verhaltensänderungen schnell genug herbeiführen. "In der Nähe von wichtigen Lebensräumen wie Hecken, Feldrainen oder Flüssen sollte man die Beleuchtung so weit wie möglich reduzieren", meint der Ökologe. Auch eine geschickte Auswahl der Spektralfarben könne erfolgversprechend sein: Keine kaltweißen Lampen und wenig UV-Licht würde nachtaktiven Fliegern schon weiterhelfen.

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Dokument erstellt am 2017-07-28 15:48:06
Letzte Änderung am 2017-07-28 16:00:01


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