• vom 08.09.2017, 15:56 Uhr

Natur

Update: 13.09.2017, 10:36 Uhr

Naturschutz

Schnüffler im Naturschutz




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief





Lektionen am Lehrplan
An den folgenden Tagen taucht die Luchs-Losung dann an einem anderen Platz im Zimmer auf, später an noch einem anderen und schließlich auch ein wenig versteckt. Jedes Mal, wenn Maple den Kot erschnüffelt, klickt Laura Hollerbach und der Hund weiß, dass er gleich mit einem Leckerli belohnt wird. Spielerisch lernt das Tier mit dieser "Konditionierung", dass seine Besitzerin es belohnt, sobald ihm der Duft von Luchs-Kot in die Schnauze steigt. Und bald zeigt Maple ihrem Boss eifrig jeden Kot von Luchsen, der ihre Riechnerven kitzelt.

"Bei dieser Konditionierung kann man allerdings viele Fehler machen", erklärt Hollerbach die Haken dieser Methode. So riechen die Hinterlassenschaften eines Luchses anders, wenn das Tier anstelle der typischen Beute Reh zum Beispiel Rindfleisch gefressen hat. In Zoos kommt das häufiger vor und von dort holt die Forscherin den Kot normalerweise.

Um zu vermeiden, dass Maple nur die Hinterlassenschaft von Luchsen meldet, die das für diese Art in der Natur völlig unübliche Rindfleisch auf dem Speiseplan hatten, bringt Laura Hollerbach daher möglichst viel Abwechslung in die Schnüffelproben für Maple. Dazu gehört etwa auch Kot von Tieren verschiedenen Alters und Geschlechts, dessen Geruch sich in der Nase eines Hundes ebenfalls deutlich unterscheidet.

Obendrein stehen noch einige weitere Lektionen auf Maples Lehrplan. So gehören Labrador-Hunde zu den Retrievern, die darauf gezüchtet wurden, von einem Jäger geschossene Enten und andere Wasservögel zu ihrem Besitzer zu bringen. Nur würde die Losung eines Luchses kaum einen Transport in der Hundeschnauze überleben. Und vor allem wollen die Forscher ja das Erbgut des Luchses analysieren, dessen Qualität durch einen Kontakt mit Hundespeichel in Mitleidenschaft gezogen werden dürfte.

Große Zeitersparnis
Also lernt Maple, von einer entdeckten Hinterlassenschaft Abstand zu halten und ihre Chefin zum Fund zu führen. Und das nicht nur für die Losung von Luchsen, sondern auch von Wildkatzen und Wölfen. In Zukunft könnte Maple auch noch lernen, Arten wie Feldhamster und Fischotter zu erschnuppern. Nach etlichen Testläufen in den Wäldern in der Nähe von Gelnhausen hat Maple dann noch vor ihrem ersten Geburtstag eine Art Abschlussprüfung mit Auszeichnung hervorragend gemeistert: Im Nationalpark Bayerischer Wald hat sie gemeinsam mit einem weiteren Suchhund in wenigen Wochen nicht nur 50 Losungen von gleich neun verschiedenen Luchsen aufgestöbert, sondern Laura Hollerbach auch noch zu den Hinterlassenschaften von Wildkatzen und Wölfen geführt.

"Ohne Suchhund hätte man dafür erheblich länger gebraucht und das auch noch mit einer schlechteren Trefferquote", ist die Forscherin überzeugt. Von diesem Artenschutzteam aus Hund und Mensch wird man in Zukunft daher wohl noch einiges.

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-08 16:00:05
Letzte Änderung am 2017-09-13 10:36:09


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wenn der Computer macht, was er will
  2. Kein Königreich für die Biologie
  3. Cholesterin lüftet Geheimnis
  4. Alma Mahlers Dichter-Onkel
  5. "Jede Haut ist wie ein Buch"
Meistkommentiert
  1. Tauende Böden
  2. Wenn der Computer macht, was er will
  3. Passivrauch schädigt Babys
  4. Ötzi hatte hochentwickelte Krankenfürsorge
  5. Cholesterin lüftet Geheimnis

Werbung





Werbung