• vom 04.04.2018, 19:00 Uhr

Natur


Biologie

Pflanzen werden zu Gipfelstürmern




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  • Der Klimawandel drängt immer mehr Arten in höhere Lagen.

Die klebrige Primel ist neu auf dem Gipfel. - © WikiCommons/Cactus26

Die klebrige Primel ist neu auf dem Gipfel. © WikiCommons/Cactus26

Wien. Mit rasantem Tempo breiten sich Gebirgspflanzen in höhere Regionen aus. Verantwortlich dafür sind die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels. Heute erreichen immerhin fünfmal so viele Arten aus tieferen Lagen die Gipfel als noch vor 50 Jahren, berichten Ökologen im Fachblatt "Nature". Die Artenvielfalt hat sich dort mitunter mehr als verdoppelt. In ihrer Studie zeigen die Wissenschafter aus elf Ländern eine europaweite Beschleunigung dieser Dynamik.

Während von 1957 bis 1966 im Schnitt nur eine Art pro Gipfel beobachtet wurde, waren es zwischen 2007 und 2016 mehr als fünf. Als Paradebeispiel gilt der 3424 Meter hohe Hintere Spiegelkogel in Tirol: 1953 wurden dort 15 Arten gefunden, heute sind es bereits 37. Als konkretes Beispiel einer neuen Gipfelart nennt Harald Pauli vom Institut für interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) die Klebrige Primel (Primula glutinosa). Diese sei bis zu Höhen von 3000 bis 3200 Metern häufig, auf dem Spiegelkogel bis vor kurzem aber nicht vorgekommen.


Arten verschwinden
Die Rate der Neubesiedlung verlief parallel zum Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte, was "auf die menschengemachte Klimaerwärmung als treibenden Faktor hinweist", erklärt Manuela Winkler vom Department für Integrative Biologie und Biodiversitätsforschung der Universität für Bodenkultur in Wien. Bestätigt werde dies durch den überdurchschnittlichen Anteil wärmeliebender Arten unter den Neuankömmlingen.

Ob es dadurch zu einem Verdrängungswettbewerb kommt und Arten verschwinden, stand nicht im Fokus der aktuellen Studie. "Wir sehen aber auf den höchsten Gipfeln, dass die extremen Hochlagenarten, die sehr kälteangepasst sind, zurückgehen", so Pauli. Die Wissenschafter sehen die Zunahme der Artenzahl als "Übergangsphase, die letztendlich zum Verschwinden vieler genuin alpiner Arten von den Berggipfeln führen dürfte".

In der Studie haben die Forscher historische Pflanzenlisten ab dem 19. Jahrhundert verwendet und mit aktuellen Erhebungen verglichen. Dazu kamen Daten des im Jahr 2000 initiierten weltweiten Monitoring-Programms Gloria (Global Observation Research Initiative in Alpine Environments), das in Österreich von der Boku und der ÖAW koordiniert wird.




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Dokument erstellt am 2018-04-04 16:45:08



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