• vom 21.06.2018, 20:00 Uhr

Natur

Update: 22.06.2018, 15:34 Uhr

Klimatologie

Superschnelles Zurückfedern




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Von Roland Knauer

  • Im Amundsen-Becken der Westantarktis hebt sich der Felsboden im Rekordtempo.



Berlin. Der Fingernagel des Mittelfingers eines Menschen wächst normalweise ein wenig schneller als die 4,1 Zentimeter im Jahr, mit der sich der Felsboden im Bereich der Amundsen-See an der Küste der West-Antarktis nach oben hebt. Und doch erklären Valentina Barletta von der Technischen Universität im dänischen Lyngby und ihre Kollegen in der Zeitschrift "Science" dieses Schneckentempo in Zeitlupe zum Weltrekord: Nirgendwo sonst auf der Erde haben Forscher bisher in einer Gletscher-Region eine schnellere Hebung gemessen.

"Als meine Kollegen auf einer Tagung zum ersten Mal über diese hohen Werte berichteten, waren die Teilnehmer doch sehr überrascht", erinnert sich Ingo Sasgen, der am Alfred-Wegener-Institut (AWI), dem Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven die Dynamik des Klimas in der Vergangenheit untersucht. Inzwischen haben Valentina Barletta und ihre Kollegen mit einem Netz von Mess-Stationen und dem GPS-Satellitenortungssystem die Rekordwerte im Bereich des Amundsen-Beckens bestätigt und präsentieren auch eine Erklärung für das schnelle Heben des Untergrunds.


Suche nach der Ursache
Das riesige Gewicht des wenige tausend Meter dicken Eispanzers der Antarktis lastet schwer auf dem Untergrund und dellt ihn ein. "Als sich in der Eiszeit ein zwei bis drei Kilometer dicker Eispanzer über Skandinavien bildete, drückte dieses Gewicht das Land wohl viele hundert Meter nach unten", erklärt AWI-Forscher Ingo Sasgen. Schmilzt das Eis, wird die Last kleiner und der Erdboden federt zurück. Seit Forscher die Eisdecke an den Polen seit den 1990er Jahren mit Satelliten beobachten, messen sie aber gerade rund um das Amundsen-Meer auffallend hohe Verluste. Ein Viertel des durch schmelzendes Eis verursachten Anteils des steigenden Meeresspiegels kommt aus diesem relativ kleinen Gebiet, berichtet Barletta. "Allerdings lässt sich nur ein Drittel der Rekord-Hebung mit den Eisverlusten der letzten Jahre erklären", so AWI-Forscher Sasgen. "Meine Kollegen mussten also nach einer zweiten Ursache suchen".

Ein heißer Kandidat war die "Glazial-isostatische Anpassung" (GIA), die skandinavische Forscher bereits in den 1990er Jahren mit GPS-Messungen ermittelt hatten: In Skandinavien hatten sich die mächtigen Gletscher der Eiszeit fast hunderttausend Jahre lang aufgebaut und so die Erdkruste immer tiefer in den Erdmantel gedrückt. Wie eine Knetmasse wich das extrem zähflüssige Gestein dort in vielen Kilometern Tiefe sehr langsam zur Seite aus. Geschmolzen sind die Massen aber viel schneller, in einigen Jahrtausenden war das Eis verschwunden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-21 16:55:32
Letzte Änderung am 2018-06-22 15:34:32


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