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Natur

Update: 01.08.2018, 18:08 Uhr

Zoologie

Die Pinguine verschwinden




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  • Die größte Königspinguin-Kolonie der Welt ist seit dem Jahr 1982 um fast 90 Prozent geschrumpft.


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Melbourne/Wien. Die größte Königspinguin-Kolonie der Erde ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um fast 90 Prozent geschrumpft. Auf der französischen Ile aux Cochons, einer Insel zwischen der Südspitze Afrikas und der Antarktis, hätten 1982 noch zwei Millionen Königspinguine gelebt, berichten Forscher in einer im Fachblatt "Antarctic Science" erschienenen Studie.

Neue Satellitenbilder und von Hubschraubern aus angefertigte Fotos zeigten, dass sich nun nur noch knapp 200.000 Exemplare auf der Insel befinden. "Das ist vollkommen unerwartet und besonders bedeutsam, weil die Kolonie fast ein Drittel des Königspinguin-Bestands weltweit darstellt", erklärt Studienautor Henri Weimerskirch , der 1982 die Pinguine auf der Ile aux Cochons selbst erforscht hatte. Der Forscher arbeitet am Zentrum für biologische Studien im französischen Chize, das zum renommierten französischen Forschungsinstitut Centre national de la recherche scientifique (CNRS) gehört.

El Nino und Geflügelcholera

Dass die flugunfähigen Vögel einfach in andere Gebiete abgewandert sind, scheint als Erklärung nicht infrage zu kommen. Königspinguine gehen zwar tageweise in anderen Gebieten auf die Jagd, leben aber ansonsten fest an einem Ort. Möglicherweise spielte der Klimawandel bei der drastischen Dezimierung des Bestands eine Rolle, wie die Studie darlegt. 1997 hatte ein besonders starker El Nino den südlichen Indischen Ozean derart aufgeheizt, dass die auf dem Speiseplan des Königspinguins stehenden Fische und Tintenfische nicht mehr in Reichweite waren. Dies habe zu einem "Rückgang der Population und schlechten Bruterfolgen" bei allen Königspinguin-Kolonien in der Region geführt, so Weimerskirch.

Bei El Nino sammeln sich warme Wassermassen im zentralen und östlichen Pazifik, die Folge sind weltweite Wetterextreme. Das Klimaphänomen tritt regelmäßig auf, scheint sich aber durch die Erderwärmung zu verstärken. Weimerskirch und seine Kollegen haben in einer früheren Studie vorhergesagt, dass der Klimawandel die Crozet-Inseln, zu denen die Ile aux Cochons gehört, bis Mitte des Jahrhunderts für Königspinguine wahrscheinlich unbewohnbar mache.

Möglicherweise spielte bei dem massiven Rückgang der Pinguin-Population auch die Geflügelcholera eine Rolle, die zumindest bei Seevögeln auf den nahegelegenen Marion- und Amsterdam-Inseln festgestellt wurde. Außerdem könnten invasive Arten wie Ratten oder Katzen auf der Ile aux Cochons aufgetaucht sein und zur Reduzierung des Pinguin-Bestands beigetragen haben. Bevor er und seine Kollegen aber nicht selbst die Ile aux Cochons besuchen könnten - geplant ist dies für Anfang des kommenden Jahres -, könnten sie keine sicheren Erklärungen geben, erklärt Weimerskirch.

Derzeit "nicht gefährdet"

Königspinguine sind nach Kaiserpinguinen die zweitgrößte Pinguin-Art. Es gibt zwei Unterarten: Aptenodytes patagonica patagonicus lebt auf den Falklandinseln und auf der Inselgruppe Südgeorgien und Südliche Sandwichinseln, Aptenodytes patagonica halli kommt in den weiter südlich gelegenen Gebieten am Indischen Ozean und Südpazifik vor. Auf der Roten Liste gefährdeter Arten wird der Königspinguin derzeit als "nicht gefährdet" geführt. Die Erkenntnisse der Forscher könnten aber eine Neubewertung nach sich ziehen.

Während es bei den Königspinguinen zu diesem Schwund gekommen ist, sind andererseits erst im vergangenen März auf der Antarktisinsel Danger riesige, bislang unbekannte Kolonien von Adeliepinguinen entdeckt worden. Dort leben mehr als 1,5 Millionen Exemplare. Die sich verändernden Umweltbedingungen scheinen nicht auf alle Arten so großen Einfluss zu haben.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-31 16:44:21
Letzte Änderung am 2018-08-01 18:08:27


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