• vom 06.08.2018, 16:08 Uhr

Natur


Revolutionäre Nasa-Mission

Im Raumschiff zur Sonne




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  • US-Weltraumbehörde Nasa schickt die Sonde "Parker Solar Probe" zu unserem Zentralgestirn.

"Parker Solar Probe" soll dem glühenden Feuerball so nahe kommen wie kein Raumflugkörper zuvor.

"Parker Solar Probe" soll dem glühenden Feuerball so nahe kommen wie kein Raumflugkörper zuvor.© Nasa "Parker Solar Probe" soll dem glühenden Feuerball so nahe kommen wie kein Raumflugkörper zuvor.© Nasa

Washington. (dpa/est) "Der Sonne entgegen" heißt es am 11. August, wenn mit der "Parker Solar Probe" der US-Raumfahrtbehörde Nasa erstmals eine Sonde zu einem Flug mitten in die Atmosphäre der Sonne hinein aufbrechen soll. Geschützt von einem fast zwölf Zentimeter dicken Karbonpanzer, werde sie dabei mehr Hitze und Strahlung aushalten müssen als je ein Raumflugkörper zuvor, heißt es von der Nasa.

Bis auf rund 6,2 Millionen Kilometer soll sich "Parker Solar Probe" der Sonne nähern, sie auf elliptischen Bahnen umrunden, ihre Atmosphäre untersuchen und dabei mehr als 1370 Grad Celsius aushalten. In Sonnennähe erreicht sie voraussichtlich eine Geschwindigkeit von rund 200 Kilometer pro Sekunde. Die Nasa-Forscher versprechen sich von der bis 2025 angesetzten Mission Erkenntnisse über die Funktionsweise von Sternen. Die gesammelten Daten könnten auch künftige Wettervorhersagen präziser machen.


Neue Erkenntnisse über Funktionsweise von Sternen
"Parker Solar Probe" soll Fragen über Solarphysik beantworten, die uns seit mehr als sechs Jahrzehnten umtreiben", sagt Nasa-Wissenschafterin Nicola Fox. "Es ist ein Raumschiff, vollgeladen mit technologischen Neuerungen, die viele der größten Mysterien um unseren Stern herum lüften werden - zum Beispiel die Frage, warum der Strahlenkranz um die Sonne herum heißer ist als ihre Oberfläche."

Los geht es für die rund 700 Kilogramm schwere "Parker Solar Probe" an Bord einer "Delta IV Heavy"-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Mit Hilfe der Schwerkraft der Venus gelangt die Sonde nach dem Aufbruch dann Richtung Sonne und damit zum Stern im Zentrum unseres Sonnensystems, um den die Erde kreist und von dem sie durchschnittlich rund 150 Millionen Kilometer entfernt ist.

Mit "Parker Solar Probe" benannte die Nasa erstmals eine Sonde nach einem lebenden Wissenschafter, dem Astrophysiker Eugene Parker (91), einem emeritierten Professor der University of Chicago. Er fühle sich sehr geehrt, sagte Parker. "Die Sonde fliegt in eine Gegend des Weltalls, die wir noch nie erkundet haben. Es ist sehr aufregend, dass wir da endlich hinschauen können. Ich hätte gerne detailliertere Messungen der Sonnenwinde. Ich bin mir sicher, es wird einige Überraschungen geben. Gibt es immer."

Seit Jahrzehnten plant die US-Raumfahrtagentur eine Sonnen-Expedition. Nun wird sie Wirklichkeit - sogar im Doppelpack. Nur drei Monate nach "Parker Solar Probe" startet der nächste Raumflugkörper zur Sonde, der "Solar Orbiter" der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Hauptziel der Mission wird es sein, den Sonnenwind, also das sogenannte Weltraumwetter, zu untersuchen. Dabei wird "Solar Orbiter" Strukturen in der Sonnenkorona ab einer Größe von 35 Kilometern aufnehmen können. Seine Mission ist auf sieben Jahre ausgelegt.

Die beiden Missionen zur Sonne wurden unabhängig voneinander entwickelt, sollen aber kooperieren. "Es gibt einfach Fragen, die uns seit langer Zeit beschäftigen", sagt Nasa-Forscher Adam Szabo. "Wir wollen herausfinden, was nahe der Sonne passiert, und die offensichtliche Lösung dafür ist, einfach hinzufliegen."

"Parker Solar Probe" kommt zwar näher an die Sonne heran als alle anderen Sonden vor ihr. Sie ist aber nicht die erste, die die Sonne aus der Nähe untersucht. Bereits in den 1970er Jahren starteten die deutsch-amerikanischen Sonden "Helios 1" und "Helios 2", die jedoch mit 45 Millionen Kilometern einen gebührenden Abstand zum Hitzeball hielten. Zum Vergleich: Die Erde ist im Schnitt etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Merkur rund 58 Millionen Kilometer.

Distanzen durchs All sollen übrigens auch US-Astronauten bald überwinden. Am Freitag hatte die Nasa angekündigt, Menschen schon 2019 wieder ins All bringen zu wollen. Bemannte Testflüge in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtunternehmen SpaceX sind für April, solche Flüge zusammen mit dem Unternehmen Boeing für Mitte des Jahres geplant.




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Dokument erstellt am 2018-08-06 16:17:40


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