• vom 13.08.2018, 15:36 Uhr

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Unterwegs von der Erde zur Sonne




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  • Die Nasa-Raumsonde "Parker Solar Probe" ist zu ihrer Reise in Richtung Sonne aufgebrochen.

Raketenstart geglückt: Historische Mission zur Sonne hat begonnen.

Raketenstart geglückt: Historische Mission zur Sonne hat begonnen. Raketenstart geglückt: Historische Mission zur Sonne hat begonnen.

Cape Canaveral. (dpa/est) Die Nasa-Sonde "Parker Solar Probe" ist zu ihrer Reise in Richtung Sonne aufgebrochen. Das Raumschiff hob am Sonntag um 9.31 Uhr mitteleuropäischer Zeit an Bord einer "Delta IV Heavy"-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab. Der zunächst für Samstag geplante Start war nach Angaben der US-Weltraumbehörde gestoppt worden, weil während der letzten Minuten des Countdowns eine Unregelmäßigkeit beobachtet worden sei.

Von der vorgesehenen Erdumlaufbahn aus soll "Parker Solar Probe" weiter ins Zentrum unseres Sonnensystems reisen. Mit Hilfe der Schwerkraft der Venus gelangt sie allmählich in die Nähe unseres Heimatsterns, der von der Erde 150 Millionen Kilometer entfernt ist. Ihr Ziel wird die Sonde voraussichtlich Ende 2024 erreichen. "Parker Solar Probe" soll die Sonne in elliptischen Bahnen umkreisen und die äußere Schicht der Sonnenatmosphäre, Corona genannt, durchqueren. An ihrem geringsten Abstand soll sie eine Geschwindigkeit von 700.000 Kilometer pro Stunde erreichen. Damit könnte sie die 314 Kilometer von Wien nach Salzburg innerhalb einer Sekunde zurücklegen.


Hitzeresistent ins All
Mit einem Gewicht von 700 Kilogramm ist das Raumschiff in etwa so schwer und so groß wie ein Kleinwagen. "Parker Solar Probe" soll sich unserem Heimatstern bis auf rund 6,2 Millionen Kilometer nähern. Während seiner auf sieben Jahre ausgelegten Sonnenexpedition soll es insgesamt 24 Mal durch die Corona fliegen. "Parker Solar Probe" soll unter anderem die Frage beantworten, warum in der Sonnenatmosphäre unvorstellbar heiße Temperaturen von bis zu 5,6 Millionen Grad Celsius herrschen, während die Sonnenoberfläche mit 5500 Grad vergleichsweise "kühl" ist.

Bei seinen Arbeiten wird das Raumschiff mehr Hitze und Strahlung aushalten müssen als jeder Flugkörper zuvor. Warum schmilzt es nicht? Neben einem fast zwölf Zentimeter dicken Karbonpanzer zum Schutz vor Hitze und Strahlung und anderen technischen Raffinessen liegt das laut den Nada-Forschern auch an der dünnen Sonnenatmosphäre: Die Temperatur ist ein Maß dafür, wie schnell sich Teilchen bewegen. Die Hitze wiederum ist ein Maß für die Energie, die die Teilchen in ihrer Gesamtheit übertragen. Da es im All aber nur wenige Teilchen gibt, können hohe Temperaturen herrschen, ohne dass viel Energie übertragen wird - sprich ohne dass sie ein Objekt sonderlich erhitzen.

Zum Vergleich: Stecke man eine Hand in kochendes Wasser, so halte man das viel kürzer aus, als mit der Hand in einem 100 Grad heißen Ofen, erläutert die Nasa. Die Sonnencorona enthalte so wenige Teilchen, dass die Hitze, die die Sonde auszuhalten hat, vor allem von den intensiven Lichtstrahlen der Sonne stamme. Laut Berechnungen der Nasa soll "Parker Solar Probe" eine Maximaltemperatur von 1370 Grad Celsius erreichen.

Die US-Raumfahrtbehörde verspricht sich von der Mission Erkenntnisse auch über die Funktionsweise von Sternen. Die Daten könnten außerdem künftige Wettervorhersagen präziser machen. Da die Sonne die Quelle von Licht und Wärme für das Leben auf der Erde ist, erhoffen sich die Forscher auch neues Wissen über die Evolution. Das Projekt soll zudem Auskünfte über die schnellen Sonnenwinde geben, die Satelliten empfindlich stören können.

Mit "Parker Solar Probe" benannte die Nasa erstmals eine Sonde nach einem lebenden Wissenschafter, dem US-Astrophysiker Eugene Parker (91). Er sagte bereits in den 1950er Jahren die Existenz von Sonnenwinden vorher. Das nach Parker benannte Raumschiff ist nicht das erste, das die Sonne aus der Nähe untersucht. Bereits in den 1970er Jahren starteten die deutsch-amerikanischen Sonden "Helios 1" und "Helios 2", die jedoch mit 45 Millionen Kilometern einen gebührenden Abstand zum Hitzeball hielten. In rund drei Monaten soll auf die Sonnen-Expedition der Nasa zudem eine europäische folgen: Dann ist der Start des "Solar Orbiter" der europäischen Raumfahrtagentur ESA geplant. Die Missionen wurden unabhängig voneinander entwickelt, sollen aber kooperieren.




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Dokument erstellt am 2018-08-13 15:44:33


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