• vom 31.08.2018, 16:57 Uhr

Natur

Update: 31.08.2018, 17:34 Uhr

James-Webb-Teleskop

Reise in die Krabbelstube der Sterne




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Von Eva Stanzl

  • Das James-Webb-Weltraumteleskop der Nasa wird die ersten Lichtstrahlen einfangen, die je im Universum von den ursprünglichsten Sternen und Galaxien ausgesendet wurden, sagt der leitende Wissenschafter der Mission, Eric Smith.



Gold ist die beste Substanz, um infrarotes Licht von entfernten Sternen einzufangen: Im Bild die vergoldeten Spiegel des James-Webb-Teleskops der Nasa, das nun erst 2021 ins All starten soll.

Gold ist die beste Substanz, um infrarotes Licht von entfernten Sternen einzufangen: Im Bild die vergoldeten Spiegel des James-Webb-Teleskops der Nasa, das nun erst 2021 ins All starten soll.© nasa/desiree stover Gold ist die beste Substanz, um infrarotes Licht von entfernten Sternen einzufangen: Im Bild die vergoldeten Spiegel des James-Webb-Teleskops der Nasa, das nun erst 2021 ins All starten soll.© nasa/desiree stover

"Wiener Zeitung": Im Universum bewegen sich Objekte unterschiedlichen Alters ständig im sich ausdehnenden Raum. Wie schwer ist es, den Kosmos mit Teleskopen zu vermessen?

Eric Smith: Es ist äußerst schwer. Aber wir wissen bereits einiges. Was wir mit den teleskopischen Augen sehen, sind nur fünf Prozent des Universums. Es heißt, dass das sichtbare Universum alles enthält, was wir kennen, lieben und verstehen. Der weitaus größere Teil ist Dunkle Energie und Dunkle Materie. Über diese Komponenten haben wir noch viel zu lernen.

Wissen aktualisiert sich ständig. Noch in den 1950er Jahren berechnete der US-Astronom Edwin Hubble das Alter des Universums mit nur zwei Milliarden und nicht mit 13,81 Milliarden Jahren. Heute wiederum gibt es Zweifel an der Existenz der Dunklen Materie, da es für ihre Existenz nur Indizien gibt.

Das Schöne an den Naturwissenschaften ist, dass es laufend Paradigmenwechsel gibt. Edwin Hubble ist das beste Beispiel: Seine Entdeckung der Expansion des Weltalls hat im 20. Jahrhundert eine Jagd nach immer entfernteren Himmelsobjekten ausgelöst. Zuerst bauten Astronomen Observatorien, dann brachten sie Teleskope ins All. Ihr Inbegriff ist das Hubble-Teleskop, das seit 28 Jahren vom Orbit aus ein Segment des Nachthimmels beobachtet. Doch wir konnten damit nicht die entferntesten, ursprünglichsten Sterne und Galaxien erspähen, die ganz am Anfang kurz nach dem Urknall entstanden sind. Das James-Webb-Weltraumteleskop soll die monumentale Suche des 20. Jahrhunderts vervollständigen.

Was wird James Webb sehen?

Webb knüpft an, wo Hubble aufhört. Es sucht nach den ersten Himmelsobjekten, die Licht ausgesendet haben. Während Hubbles Spiegel einen Gesamt-Durchmesser von 2,4 Meter haben, spannen jene von Webb 6,5 Meter und haben eine Fläche von 25 Quadratmetern. Jedes Spiegel-Segment ist mit einer Goldschicht so dünn wie 1000 Atome überzogen. Würde man sie schmelzen und neu formen, hätte sie die Masse eines Golfballs. Über dem Gold liegt eine Schicht Glas, damit es keine chemische Reaktion mit der Atmosphäre eingeht.

Wir benötigen das Edelmetall auf unseren Spiegeln, weil es 99 Prozent des infraroten Lichts reflektiert. Für die Webb-Mission ist es somit die beste Substanz. Webb muss mehr Licht einsammeln als Hubble, weil es sehr weit entfernte, sehr alte Objekte betrachtet. Sie sind für uns nur im Infrarot-Bereich zu sehen, weil Licht mit zunehmender Distanz eine immer stärkere Rotverschiebung in Richtung größere Wellenlängen annimmt. Das heißt: Licht verließ diese frühen Himmelsobjekte in für uns sichtbaren Wellen vor Jahrmilliarden. Wenn es aber bei uns ankommt, hat es sich bereits ins Infrarote ausgeweitet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-31 17:05:56
Letzte Änderung am 2018-08-31 17:34:52


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