• vom 31.08.2018, 16:57 Uhr

Natur

Update: 31.08.2018, 17:34 Uhr

James-Webb-Teleskop

Reise in die Krabbelstube der Sterne




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Wie alt sind die ältesten Objekte, die Hubble gefunden hat?

Die ersten Himmelsobjekte, die wir kennen, formierten sich 400 bis 500 Millionen Jahre nach dem Urknall - in dieser Epoche enden Hubbles Apparaturen. Die ersten Galaxien entstanden aber bereits 100 Millionen Jahre, nachdem das Universum geboren wurde. Webb schaut sich diese Zeit an. Das ist ein wenig, als würden wir uns Fotos von Unter-Zweijährigen anschauen: Babys verändern sich dramatisch in den ersten Monaten und wir wollen dieses Lebensalter bei Galaxien finden. Es geht uns um die allerersten Objekte: Sie waren mit Wasserstoff- und Helium-Atomen gefüllt, die sich durch die Schwerkraft zusammenballten und Sterne und Galaxien bildeten.

Welche weiteren Erkenntnisse erhoffen Sie sich davon?

Eric Smith.

Eric Smith.© Nasa Eric Smith.© Nasa

Es geht um die existenzielle Frage, wie wir hier her kamen. Wir wissen immer noch nicht, ob das Universum zuerst Schwarze Löcher bildete und sich Galaxien um sie herum formierten, oder ob Sternenmassen auf einander prallten und die Galaxien das Ergebnis solcher Kollisionen sind.

Welche Erkenntnisse erwarten Sie über entfernte Planetensysteme?

Mit Webb beobachten wir, wie sich Planetensysteme in unserer eigenen Galaxie bilden. Etwa könnten wir mit Infrarot durch Staubwolken hindurch blicken, weil diese Strahlung anders als sichtbares Licht Staub durchdringt. In kosmischen Staubwolken entstehen Sterne und Planetensysteme. Somit gewinnen wir mit dem Infrarot-Teleskop nicht nur ein Verständnis der universellen Anfänge, sondern auch Erkenntnisse über die Geburt von Sternen in der Milchstraße.

Das Webb-Teleskop ist ein Zeitreisender in mehrere Richtungen?

Das kann man sagen. Da Webb früheste Himmelskörper sieht, kann es auch nachverfolgen, wie diese Objekte im Lauf der kosmischen Zeit evolvieren. Zwar kann das Teleskop nicht ein- und das gleiche Objekt über die Jahrmillionen beobachten. Aber wir können anhand von Statistiken über Objekt-Typen ein Puzzle zu einem kompletten Bild zusammensetzen. Dadurch lässt sich die strukturelle Evolution im Lauf der universellen Zeit begreifen.

Gibt Webb Aufschluss über die Existenz von Leben im All?

Webb soll zwar nicht nach neuen Exoplaneten suchen, sondern die Atmosphären von bereits bekannten Kandidaten auf Zuträglichkeit für Leben prüfen. Ähnlich wie Hubble nimmt Webb einen Streifen des Nachthimmels unter seine Lupe, jedoch gibt es dort hunderte Kandidaten. Webb sucht in Planeten-Atmosphären nach Spuren von Sauerstoff, Methan, Wasser und Kohlendioxid, die ohne Lebensprozesse nicht entstehen. Insbesondere Wasser und Methan lassen sich im Infrarot-Bereich zielsicher aufspüren. Neue Kandidaten für mögliches Leben soll ein anderes Teleskop namens Tess einfangen, das ab 2019 Planetentransits vor Sternen in der kosmischen Nachbarschaft beobachten und einen Katalog für Webb zusammenstellen soll.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-31 17:05:56
Letzte Änderung am 2018-08-31 17:34:52


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