• vom 05.09.2018, 16:20 Uhr

Natur

Update: 05.09.2018, 18:49 Uhr

Klimawandel

Das dickste Eis der Arktis ist erstmals gebrochen




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  • Experten befürchten, dass die Arktis deutlich schneller eisfrei werden wird als bisher angenommen.

Eismassen vor Grönland.

Eismassen vor Grönland.© APAweb/AFP, NASA,JOE MACGREGOR Eismassen vor Grönland.© APAweb/AFP, NASA,JOE MACGREGOR

Bern. Das dickste Meereis der Arktis vor der Nordküste Grönlands ist heuer erstmals seit Beginn der Beobachtungen aufgebrochen. Ein Riss lief im Juli durch das Eis und öffnete sich zu einer breiten Rinne offenen Wassers. Die Arktis dürfte deutlich schneller eisfrei werden als bisher angenommen, so Experten.

Dort, wo eine Luftströmung namens Beaufortwirbel das Meereis zusammendrückt, ist die Eisschicht eigentlich besonders dick. Durchschnittlich vier Meter, stellenweise bis zu 20 Meter. Doch dieses Jahr stiegen die Temperaturen in der Arktis zweimal auf hohe Werte. Im Februar herrschten zeitweise plus fünf Grad Celsius, wo normalerweise eher minus 20 Grad herrschen. Im Juli war es dann wieder ungewöhnlich warm. Grund war der Jetstream - eine wellenförmige Luftströmung, die die Nordhalbkugel umspannt und die Wetterlage beeinflusst, so Konrad Steffen, Leiter der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Der Beugungsgrad der Wellen kann zu ungewöhnlichen Wetterlagen führen.


Wärmespeicher im Wasser
Weil offenes Wasser mehr Sonnenenergie absorbiert als Eis, wärmt sich das Meer dort stärker auf. Das treibt das Schwinden der Eismassen voran. So beschrieben US-Forscher der Yale Universität kürzlich, dass im Kanadischen Becken große Mengen warmen Wassers gespeichert liegen. Dieses wurde durch Sonneneinstrahlung in südlichere Regionen der Arktis, wo das Meereis bereits stark zurückgegangen ist, aufgeheizt und durch arktische Winde nach Norden und in tiefere Wasserschichten transportiert. Sollte sich der Speicher mit dem oberflächennahen Wasser mischen, wäre das genug Wärme, um das gesamte Meereis der Arktis komplett zu schmelzen.

Die Rinne vor Grönland schließt sich derzeit wieder, weil Eis von Norden nachrückt. Ob sie sich nächstes Jahr wieder bildet, ist noch unklar.




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Dokument erstellt am 2018-09-05 16:29:59
Letzte Änderung am 2018-09-05 18:49:44


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