• vom 07.09.2018, 17:02 Uhr

Natur


Teilchenphysik

Turbo-Boost zurück zum Urknall




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief





Unbekannte Partikel gesucht
Alles dreht sich um die Kollisionen, die Forscher wollen unbekannte Elementarteilchen aufspüren, um ungelöste Geheimnisse zu erklären. Der LHC soll bis 2025 leistungsstärkere Magneten bekommen und mehr Protonen auf Kollisionskurs bringen. "Dazu müssen auch die Detektoren mehr Ereignisse aufnehmen. Eindetektor ist wie eine 100-Megapixel-Kamera, mit der wir 40 Millionen Mal in der Sekunde ein Bild machen können", sagt Michael Benedikt, Dozent für Beschleunigungsphysik an der Technischen Universität Wien.

Mit dem Upgrade hat der LHC selbst eine Lebensdauer bis 2040. Dann wird er maximal ausgenutzt sein. "Würde man ihn ein weiteres Mal verlängern, würde man keine zusätzliche Information gewinnen", erklärt Benedikt, der als Studienleiter für den FCC am Cern fungiert: "Daher müssen wir versuchen, eine neue Infrastruktur bereitzustellen."

Der 100 Kilometer lange Ring soll die Grenzen des LHC um eine Größenordnung verbessern. Er soll mehr Energiedichte erzeugen und die Anzahl der Zusammenstöße pro Zeiteinheit erhöhen. Die Physiker wollen möglichst viele Kollisionsdaten in kurzer Zeit sammeln, schnellere Schlussfolgerungen machen und eine hohe Präzision in den Messungen durch mehr Statistik gewinnen.

Konkret werden zwei Typen von Kollisionsmaschinen geprüft. Der Lepton-Collider arbeitet mit leichteren Teilchen, indem er Elektronen und ihre Antiteilchen (Positronen) aufeinander jagt. In einem größeren Hadron-Collider würden so wie im LHC schwerere Protonen zur Kollision gebracht werden.

"Saubere" Zusammenstöße
"Man erreicht mit Lepton-Collidern saubere Kollisionen, da Elektronen und Positronen punktförmige Teilchen sind: Sie treffen sich oder nicht. Man kennt somit die Bedingungen, die bei dem Stoß zustande kommen, ganz genau", erklärt Benedikt. Im Hadron-Collider mit den schwereren Protonen kann man den Kreisbeschleuniger dafür zu wesentlich höheren Energien beschleunigen. Jedoch haben Protonen Unterstrukturen, die Quarks, und die Stoßbedingungen sind weniger genau bekannt. Es ist somit schwieriger, den Stoß genau auszuwerten.

Ob sich die Cern-Forscher letztlich für Präzisions- oder Höchstenergiephysik entscheiden, wird auch von den Ergebnissen des aufgerüsteten LHC bis abhängen. "Wenn die Dunkle Materie durch Teilchen repräsentiert ist, die wir nicht kennen, würde man erwarten, dass diese mit bekannten Teilchen leicht wechselwirken. Diese Wechselwirkungen würden man bemerken", betont Benedikt, der Samstagabend mit Wissenschaftern, Forschungsleitern und Jungforschern auf Initiative des Cern-Direktorats für Beschleuniger unter dem Titel "Forschung? Was geht mich das an!" um 19.30 Uhr im Naturhistorischen Museum Wien diskutiert.

zurück zu Seite 1




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 17:12:07


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Tauende Böden
  2. Endlose Gier
  3. Vater der "Marshmallow-Experimente" verstorben
  4. "Jede Haut ist wie ein Buch"
  5. Große Gefahr durch kleines Plastik
Meistkommentiert
  1. Tauende Böden
  2. Das dickste Eis der Arktis ist erstmals gebrochen
  3. Die Bakterien-Invasion
  4. Tragödie am Genfersee
  5. Waldhüter und Korallengärtner

Werbung





Werbung