• vom 11.11.2018, 11:00 Uhr

Technologie

Update: 11.11.2018, 11:16 Uhr

Netzpolitik

Echt täuschend - täuschend echt




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Von Adrian Lobe

  • Mit Computerprogrammen ist die Erstellung von "Fake"-Videos zum Kinderspiel geworden.



Der Comedian Jordan Peele (r.) lässt Barack Obama sprechen. Wie man auf YouTube sehen (und hören) kann, ist der "Fake" kaum mehr als solcher zu erkennen.

Der Comedian Jordan Peele (r.) lässt Barack Obama sprechen. Wie man auf YouTube sehen (und hören) kann, ist der "Fake" kaum mehr als solcher zu erkennen.© Screenshot YouTube Der Comedian Jordan Peele (r.) lässt Barack Obama sprechen. Wie man auf YouTube sehen (und hören) kann, ist der "Fake" kaum mehr als solcher zu erkennen.© Screenshot YouTube

Im Netz kursiert ein Video, in dem ein scheinbar von allen politischen Konventionen losgelöster Barack Obama Klartext spricht. "Wir treten in ein Zeitalter ein", hebt der 44. Präsident der Vereinigten Staaten an, "wo unsere Feinde es so aussehen lassen können, als ob jeder irgendetwas zu irgendeiner Zeit sagt, selbst wenn diese Person niemals solche Dinge sagen würde." Zum Beispiel könnten sie ihm Worte in den Mund legen wie: "Killmonger (ein fiktiver Schurke) hatte Recht." Oder: "Präsident Trump ist ein totaler und kompletter Vollidiot." Er, Obama, würde solche Dinge nie aussprechen - zumindest nicht öffentlich.

Information

Adrian Lobe, geboren 1988, studierte Politik- und Rechtswissenschaft. Er schreibt als freier Journalist für diverse Medien im deutschsprachigen Raum (u.a. "FAZ", "NZZ" und "Wiener Zeitung").

Das Video wirkt authentisch: Der Hintergrund, die Stimme, die Mimik und Gestik, wie er Daumen und Zeigefinger der linken Hand zur Betonung zusammenführt, all das scheint echt. Doch hier spricht nicht der richtige Obama, sondern der Oscar-gekrönte Comedian und Obama-Imitator Jordan Peele; das Video ist ein Fake. Nach gut der Hälfte des Videos löst Peele die Fälschung auf: Man sieht den Stimmimitator in der rechten Hälfte des geteilten Bildschirms sprechen, während Obama in der linken Bildhälfte synchron seine Lippen bewegt. Oder ist es andersrum? Die Gleichzeitigkeit ist fast schon gruselig.

Manipulationspotenzial

Das Video wurde von Peeles Produktionsfirma kreiert. Die Grafiker nutzten dazu das Videoeffektprogramm Adobe After Effects sowie die KI-Software (Künstliche Intelligenz, Anm.) MyFakeApp, um Peeles Mund in jenen Obamas zu montieren. Die Computerspezialisten ließen das Bildmaterial zwölf Stunden lang durch ein Deep-Learning-Programm laufen, das Bildpunkte und Vektoren berechnete. Wo Peeles Mund nicht in der richtigen Position war, korrigierte die Software einzelne Bildpunkte. Da Obamas und Peeles Gesichtsform nicht deckungsgleich sind, kreierten die Spezialisten einen synthetischen Kieferknochen. Deepfakes, ein Kofferwort aus Deep Learning und Fake, nennt man diese täuschend echt aussehenden Fälschungen.

Bei genauem Hinsehen erkennt man Unschärfen: Der Kiefer ist pixelig, die Bildübergänge sind hart, die Mimik ist an manchen Stellen etwas steif. Trotzdem wirkt das Video erstaunlich echt. Mit der Software, die dabei zum Einsatz kam, wurde bereits das Gesicht von Michelle Obama auf den Körper einer Pornodarstellerin montiert. In dem Pornoclip sieht man, wie eine afroamerikanische Frau vor einem roten Sofa strippt und einen Penis zwischen ihren Brüsten reibt. Es handelt sich dabei um keine geleakte Sexszene aus dem Weißen Haus, sondern um eine Fälschung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-08 16:19:19
Letzte Änderung am 2018-11-11 11:16:28


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