• vom 28.09.2011, 18:28 Uhr

Technologie

Update: 28.09.2011, 18:55 Uhr

China

China greift nach den Sternen




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Von Ronald Schönhuber

  • Mit dem Modul "Tiangong" setzt die Volksrepublik den ersten Schritt für den Aufbau einer eigenen Raumstation
  • Raumstation soll bis zum Jahr 2020 fertig werden.
  • China treibt seine ehrgeizigen All-Pläne bedingungslos voran.

Stramm stehen vor einem Prestigeprojekt: Am Donnerstag soll "Tiangong" starten.

Stramm stehen vor einem Prestigeprojekt: Am Donnerstag soll "Tiangong" starten.© REUTERS Stramm stehen vor einem Prestigeprojekt: Am Donnerstag soll "Tiangong" starten.© REUTERS

Peking. Der Blick in die Zukunft ist bei den großen Raumfahrtnationen zuletzt nicht unbedingt zuversichtlich gewesen: Die amerikanische Nasa befindet sich nach dem Ende des Shuttle-Programms auf einer schwierigen Identitätssuche zwischen privaten Weltraum-Taxis und der Erkundung des Weltraums mit neuen Schwerlastraketen. Russland kämpft nach der Pannenserie bei seinen Sojus-Raketen um das Vertrauen der internationalen Partner, denen plötzlich nicht mehr ganz wohl bei dem Gedanken ist, dass die technologisch veralteten Raketen und Raumschiffe derzeit die einzige Verbindung zur Internationalen Raumstation ISS sind. Getrübt wird die Stimmung bei beiden Weltraumgroßmächten zudem durch die angespannte Finanzlage. Die Zeiten, in denen die Raumfahrtbehörden aus dem Vollen schöpfen konnten und auch teure Projekte bedingungslosen Rückhalt genossen, sind längst vorbei.


Koppeln will gelernt sein
Zukunftssorgen wie diese kennt man unter Chinas Raumfahrern höchstens vom Hörensagen. Denn während die Arrivierten ins Straucheln kommen, setzen die Newcomer im Weltraum zum großen Sprung an. Am heutigen Donnerstag soll das Modul "Tiangong-1" - übersetzt bedeutet das Himmelspalast - vom Weltraumfahrtbahnhof Jiuquan aus in den Orbit gebracht werden. Der Start der 8,5 Tonnen schweren, zylindrischen Kapsel ist der erste Schritt zur Entwicklung einer eigenen chinesischen Raumstation.



Mit dem Himmelspalast will die chinesische Raumfahrtbehörde vor allem Andockmanöver üben. Als Sparringpartner im All wird dabei das unbemannte Raumschiff "Shenzou 8" dienen, das ebenfalls noch heuer in die Erdumlaufbahn gebracht werden soll. Im kommenden Jahr stehen schließlich weitere Koppelmanöver mit "Shenzou 9" und "Shenzou 10" auf dem Programm, die dann aber von den an Bord befindlichen Astronauten per Hand gesteuert werden sollen. Im Zuge dieser beiden Missionen soll das "Tiangong"-Modul auch von den Raumfahrern besucht werden.

Von der Größe her kann das experimentelle Raumlabor weder mit der amerikanischen Station Skylab von 1973 noch der russischen Mir von 1986 mithalten, doch der Himmelspalast ist auch nur ein erster Schritt. Denn ab 2014 will China dann eine richtige Raumstation bauen. Einem 18 Meter langen Hauptteil mit 4,2 Meter Durchmesser sollen zwei 14,4 Meter lange Labormodule folgen. Fertiggestellt will China die 60 bis 70 Tonnen schwere Raumstation dann spätestens bis 2020 haben. Zufällig ist dieses Zieldatum wohl nicht gewählt: Den bisherigen Plänen zufolge soll im selben Jahr die Internationale Raumstation ISS aufgegeben werden. China wäre dann die einzige Nation mit einem bemannten Außenposten im All.

Unter Armeeführung
China versucht bereits seit einigen Jahren, den Rückstand auf die etablierten Weltraumnationen aufzuholen. Laut Raumfahrtexperten wie Joan Johnson-Freese vom US Naval War College liegt die Volksrepublik derzeit auf dem technischen Niveau der USA in den 60er-Jahren, doch das Reich der Mitte verfolgt seine weitschweifenden Pläne mit großer Hartnäckigkeit. Bereits im Jahr 2003 wurde China zur dritten Nation, der es gelungen ist, einen Menschen ins Weltall zu bringen. Seit längerem wird auch schon am Aufbau eines Satellitennetzes für ein eigenes Navigationssystem gearbeitet, bis spätestens 2035 soll ein Chinese auf dem Mond stehen. Und den Aufbau einer permanenten bemannten Präsenz im Weltall hat China sogar als eines seiner Entwicklungsziele definiert.

Hindernisse tauchen da oft nur in Form von technischen Problemen auf. Denn anders als in Russland und in den USA muss sich die chinesische Führung nicht vor der Bevölkerung für die hohen Kosten der ehrgeizigen Weltraumprojekte verantworten. Veröffentlicht werden Budgetzahlen ohnehin so gut wie nie, denn das Raumfahrtprogramm untersteht der Volksbefreiungsarmee. Auch wenn immer wieder die friedlichen Absichten betont werden, wissen Chinas Generäle nämlich schon seit langem, wie wichtig satellitengestützte Kommunikation und Aufklärung für den Kriegsfall sind. Laut US-Experten hat die Volksrepublik bei militärischen Erdbeobachtungssatelliten bereits mit den USA gleichgezogen.




Schlagwörter

China, Raumfahrt, Tiangong

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Dokument erstellt am 2011-09-28 18:35:16
Letzte Änderung am 2011-09-28 18:55:55



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