• vom 27.02.2017, 12:21 Uhr

Digital-Life

Update: 27.02.2017, 14:28 Uhr

Mobile World Congress

Der Wettlauf um die Smartphone-Krone




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, Reuters, dpa

  • Mobilfunker wollen sich auf Branchenmesse MWC in Barcelona neu erfinden.

Frankfurt/London. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wird sich ab Montag vordergründig alles um die neuesten Smartphones und den Mobilfunkstandard 5G drehen. Doch hinter den Kulissen der größten Mobilfunkmesse der Welt arbeiten einige Manager daran, ihre Konzerne auf ein vollkommen neues Fundament zu stellen.

Das alte Geschäftsmodell, Datenabos zu verkaufen, verliert langsam an Schwung. "Wegen des Preis- und Regulierungsdrucks müssen Telekomfirmen in angrenzenden Geschäftsfeldern nach neuen Umsatzbringern suchen", sagt Branchenexperte Tom Levine von der Anwaltskanzlei Allen & Overy. "Es gibt keine Einigkeit darüber, wie man vorgehen soll."

Information

Fünf Fachbegriffe zum Mobile World Congress

Bei Technik-Messen wird traditionell viel Fachchinesisch geredet. Der Mobile World Congress in Barcelona ist da keine Ausnahme. Eine Auswahl von Fachbegriffen zur wichtigsten Mobilfunk-Messe:

- 5G: In Zeiten des explosiv steigenden Datenumschlags in den Netzen soll die Netzwerk-Technik der nächsten Generation die Lösung bringen. An den Standards wird noch gearbeitet - und darum gerungen, unter anderem zwischen westlichen und chinesischen Netzausrüstern. Aber klar ist schon mal, dass die Netze extrem flexibel gestaltet und auch Ausschläge beim Datenvolumen verdauen sollen. Zudem sollen die Reaktionszeiten extrem kurz sein, so dass selbst ein Auto per Funk gesteuert werden könnte. Die 5G-Netze dürften zum Jahr 2020 breit installiert werden.

- eSIM: Bis heute braucht man beim Wechsel des Mobilfunk-Anbieters auch eine neue Plastik-SIM-Karte. Mit der eSIM ändert sich das: Es ist ein fest im Gerät verbauter Chip, bei dem Netzbetreiber und Telefonnummer einfach per Funk geändert werden können. Das könnte Verbraucher dazu verleiten, beim Anbieter-Wechsel entschlossener als heute zu handeln. Bisher kommen eSIM vor allem in Autos und Industriemaschinen zum Einsatz, mit einer Ausbreitung in Smartphones wird erst in einigen Jahren gerechnet.

- NFC: Die Abkürzung steht für die Funktechnik "Near Field Communication". Sie wurde bereits 2002 entwickelt. Beim Einsatz von NFC in der Praxis wird ein Chip an ein Lesegerät gehalten. NFC-Chips finden sich unter anderem in Bank- oder Zutrittskarten sowie in diversen Smartphones. Die Energie für die Übertragung erhält der Chip vom elektromagnetischen Feld des Lesegeräts. Auf Basis der Technik werden aktuell unter anderem Smartphone-Bezahldienste aufgebaut.

- OLED: Es ist eine Display-Technik mit organischen Elementen, die große Vorteile gegenüber den heute dominierenden LCD-Bildschirmen bietet. Das Bild ist kontrastreicher, zudem sind OLED-Displays nur wenige Millimeter dünn. Das hat allerdings auch seinen Preis: Obwohl die Hersteller die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich senken konnten, sind OLED-Fernseher immer noch deutlich teurer. Dafür kommen sie in Smartphones und Computer-Uhren zum Einsatz.

- HDR: Die als "High Dynamic Range" bekannte Technologie kannte man zunächst vor allem aus der Fotografie. Es geht darum kontrastreichere Bilder zu bekommen, die sowohl helle als auch dunkle Details gleichmäßig gut darstellen. Inzwischen wird die Technologie auch bei Fernsehgeräten eingesetzt - und kommt nun auch auf Smartphone-Bildschirme, zum Beispiel im neuen LG-Flaggschiff G6.

Labor Russland

Am radikalsten beim Geschäftsumbau dürfte nach Einschätzung von Experten Vimpelcom vorgehen. Die Nummer drei auf dem russischen Mobilfunkmarkt unterzog ihre Geschäfte einer Generalinventur und strebt nun wesentlich engere Bande mit Internet-Firmen an, von Streaming-Diensten bis zu Online-Taxidiensten. Dahinter steckt aber noch mehr: Kaum bemerkt vom Rest der Welt wandelte sich Russland in den vergangenen Jahren zu einer Art Versuchslabor für Telefonunternehmen. Dies machten die Konzerne nicht ganz freiwillig, sinkende Umsätze und die Sanktionen des Westens zwangen sie dazu. Gleichzeitig hielt der Kreml die ansonsten so erfolgreichen Giganten aus dem Silicon Valley klein. Einheimische Online-Häuser füllten die Lücke. Und die gehören mittlerweile zu Telefonkonzernen. So kontrolliert der Markt-Zweite Megafon den russischen Facebook-Klon VKontakte und übernahm Ende vorigen Jahres die Mehrheit am populären GMail-Rivalen Mail.ru.

Andere Branchengrößen sind bei der Neuausrichtung aus unterschiedlichen Gründen vorsichtiger. Der Grund: Wohl jedes Telekom-Unternehmen versuchte früher oder später, mit eigenen Internet-Anwendungen den Heimatmarkt zu erobern. So gut wie alle erlitten Schiffbruch oder wurden von den großen US-Anbietern verdrängt. Die Deutsche Telekom etwa stellte ihre Download-Dienste Musicload und Gamesload 2014 ein, ein Jahr später zog sie auch beim hauseigenen Paypal-Konkurrenten Click & Buy den Stecker.

Gleichzeitig sind die Bedenken groß, wenn es darum geht, mit den Daten der eigenen Kunden Geld zu verdienen. Insbesondere in Deutschland, wo Datenschutz einen hohen Stellenwert genießt, stoßen solche Ideen schnell auf Widerstand. Stattdessen konzentrieren sich die Bonner darauf, die herstellende Industrie zu vernetzen und Cloud-Rechenzentren aufzubauen.

Samsung stellt neues Smartphone Galaxy S8 Ende März vorNach dem Rückzug des Smartphones Galaxy Note 7 wegen überhitzender Akkus hat Samsung Electronics am Sonntag die Auslieferung des Nachfolgemodells S8 für Ende März angekündigt. Zum Abschluss einer Produktpräsentation auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigte das Unternehmen ein kurzes Video, mit dem der 29. März als Termin für die Vorstellung des S8 angekündigt wurde.

In den vergangenen Jahren war die Messe von Barcelona für Samsung der Anlass für die Vorstellung neuer Top-Produkte. Diesmal hielt sich das Unternehmen etwas zurück und verschob den Termin.

Die Rücknahme der Note-7-Geräte und die Einstellung ihrer Produktion sorgte für einen Vertrauensverlust bei den Samsung-Kunden und kostete das Unternehmen 5,3 Milliarden Dollar (5 Milliarden Euro) des Betriebsgewinns.

Einfach-Handy Nokia 3310 kommt zurück
Als hätte es die Smartphone-Revolution nicht gegeben: Das klassische Einfach-Handy Nokia 3310 wird neu aufgelegt. Die bunte Reinkarnation bekam beim Mobile World Congress in Barcelona viel Aufmerksamkeit. Wichtiger für das Geschäft dürften aber neue Nokia-Smartphones sein.

Das legendäre Einfach-Handy Nokia 3310 kommt zurück. Der finnische Anbieter HMD Global, der jetzt Geräte unter der Marke Nokia entwickelt und produziert, kündigte die Wiedergeburt des Modells am Sonntag in Barcelona an. Das neue Nokia 3310 bekommt sogar ein ähnliches Design wie der Klassiker aus dem Jahr 2000 - und neben dem Spiel "Snake" auch den typischen Klingelton.

Die Telefone kommen zusätzlich zum gewohnten Grau auch in den verspielten Farben Rot, Gelb und Blau. Vor allem die Batterie-Lautzeit ist man von Smartphones nicht mehr gewohnt: Das neue 3310 22 Stunden Telefonate aushalten - und einen Monat im Standby. Der Verkaufspreis soll weltweit im Schnitt bei 49 Dollar liegen.

HMD Global reitet hier ganz klar ein Nostalgie-Welle, um die angeschlagene Marke Nokia den Nutzern wieder näherzubringen. Einfache Telefone werden immer weiter von den Smartphones verdrängt. Deshalb war die eigentlich wichtigere Ankündigung der Start von drei Smartphone-Modellen mit dem Android-System. Das Einsteigermodell Nokia 3 kostet 139 Euro, das Nokia 5 ist für 189 Euro zu haben, das Nokia 6 schlägt schließlich mit 229 Euro zu Buche. Alle Nokia-Smartphones werden mit "Googles Assistant" vorinstalliert. Die Modelle unterscheiden sich unter anderem in Bildschirm-Größe und Auflösung.

Die Nokia-Marke kann bei ihrem Neustart etwas Schützenhilfe von alten Fans gut gebrauchen. Der einstige Handy-Weltmarktführer Nokia hatte schon mit dem Beginn der modernen Smartphone-Ära immer mehr Boden an Apples iPhone und Telefone mit dem Google-System Android verloren. Die Übernahme des Handy-Geschäfts durch Microsoft half auch nicht: Nokia rutschte in die Bedeutungslosigkeit ab und die Marke verschwand vom Markt. Inzwischen kehrten die Namensrechte wieder zu dem finnischen Konzern zurück, der sie an die von ehemaligen Nokianern gegründete Firma HMD weiterreichte.

Eine weitere Ankündigung vor Beginn der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona war, dass die Marke des von Nokia gekauften Herstellers vernetzter Geräte Withings fallengelassen wird. Die Waagen, Blutdruckmesser, Thermometer und Uhren werden künftig auch unter dem Nokia-Namen verkauft, gab Withings-Gründer Cedric Hutchings bekannt. Er führt inzwischen die entsprechende Nokia-Sparte.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-02-27 12:27:12
Letzte Änderung am 2017-02-27 14:28:48


Werbung




Werbung