• vom 15.01.2018, 16:13 Uhr

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Massive Troll-Invasionen




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  • Facebook testet Änderung der Algorithmen - mehr Freunde, weniger Medien.

Wenn Facebook Änderungen vornimmt, sind 2,1 Milliarden Nutzer betroffen. - © dpa

Wenn Facebook Änderungen vornimmt, sind 2,1 Milliarden Nutzer betroffen. © dpa

San Francisco. (bau) Wenn Facebook seine Algorithmen ändert, hat das unmittelbar Auswirkungen auf die Sichtweisen von 2,1 Milliarden Nutzer. Facebook-Nutzer werden möglicherweise künftig prominenter Beiträge von Freunden und Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen. Damit solle das weltgrößte Online-Netzwerk wieder stärker auf das ursprüngliche Ziel ausgerichtet werden, persönliche Verbindungen zu ermöglichen, schrieb Mark Zuckerberg in einem Facebook-Beitrag.

"Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, ihnen beim Finden relevanter Inhalte zu helfen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben", erklärte Zuckerberg. Ein Grund für die Änderungen sei auch, dass laut Studien Kontakte über soziale Medien mit Menschen, die einem wichtig seien, gut für das Wohlbefinden sein könnten. "Andererseits kann das passive Lesen von Beiträgen oder das Anschauen von Videos - selbst wenn sie unterhaltsam oder informativ sind - nicht so gut sein." Facebook fühle eine Verantwortung dafür, dass Dienste des Netzwerks gut für das Wohlbefinden seien, schrieb Zuckerberg. Er rechne damit, dass mit den Änderungen Menschen weniger Zeit bei Facebook verbringen würden. "Aber ich erwarte, dass die bei Facebook verbrachte Zeit wertvoller sein wird." Damit werde die Entscheidung auch für das Geschäft gut sein, so der Facebook-Chef.


Trolle statt Medien
In sechs Testländern hat Facebook ähnliche Änderungen testweise schon durchgezogen: In Serbien, Kambodscha, Sri Lanka, Guatemala, Bolivien und in der Slowakei können die User zwischen einem "News Feeds" mit vorwiegend privaten Meldungen und einem weniger prominent platzierten "Explore Feed" wählen, in dem alle anderen Meldungen verräumt sind. Falls die öffentlichen Anbieter wollen, dass ihre Posts wieder im Hauptfeed erscheinen, müssen sie dafür zusätzlich bezahlen.

Das hatte binnen weniger Wochen zu dramatischen Einbrüchen der Nutzerzahlen für die Facebook-Angebote der Medien geführt. So ist in der Slowakei die Sichtbarkeit um etwa zwei Drittel abgesunken detto in Guatemala. Für Serbien sind nach Berichten der "Deutschen Welle" bisher keine genauen Daten vorhanden, bei einigen DW-Formaten wurden aber seit der Einführung der neuen Funktion bis zu 70 Prozent weniger Abrufe verzeichnet. Dort berichtet man von dem Phänomen, dass er vermehrt zu gesteuerten Falschmeldungen von Trollen gekommen sei. Diese gehen offenbar bei Facebook leichter als privater Kontakt denn als institutionelle Organisation durch. Beobachter sprechen von einer wahren "Troll-Invasion", die sich hemmend auf einen seriösen, demokratischen öffentlichen Diskurs auswirkt. Das muss Facebook wohl noch rasch sanieren, bevor das System weltweit zur Anwendung kommt.

36 Milliarden Umsatz
Jahrelang hatte das weltgrößte Online-Netzwerk mit fast 2,1 Milliarden Nutzern die Meldungen priorisiert, die Menschen zu Kommentaren oder zum Teilen des Beitrags anregen. Das waren zuletzt vor allem die immer beliebter gewordenen Videos. Die Werbeanzeigen seien von den Modifizierungen nicht betroffen, sagte Facebook-Vizepräsident John Hegeman. Sprudelnde Werbeeinnahmen haben Facebook erst zu dem Technologiegiganten mit einem Jahresumsatz von 36 Milliarden Dollar gemacht.

Kurzfristig könne dies laut Zuckerberg dazu führen, dass Nutzer weniger Zeit auf Facebook oder der Foto- und Videoapp Instagram verbringen. Auf lange Sicht würden sich die Veränderungen allerdings für Mitglieder wie Firmen auszahlen.




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Dokument erstellt am 2018-01-15 16:17:08


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