• vom 05.05.2018, 08:00 Uhr

Digital-Life


Interview

"Roboter machen uns menschlicher"




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Von Christina Böck

  • Bestsellerautor Frank Schätzing über wohlgeformte, witzige Blechkumpel und wie wir gegen sie "anstinken".

Humanismus durch vernünftige Maschinen: Frank Schätzing.

Humanismus durch vernünftige Maschinen: Frank Schätzing.© Paul Schmitz; Cara-Foto/Shutterstock.com Humanismus durch vernünftige Maschinen: Frank Schätzing.© Paul Schmitz; Cara-Foto/Shutterstock.com

Von seinem Wissenschafts-Thriller "Der Schwarm" hat Frank Schätzing 4,5 Millionen Exemplare weltweit verkauft. Nun ist sein neuer Science-Fiction-Roman "Die Tyrannei der Schmetterlinge" (KiWi) über die Gefahren von Künstlicher Intelligenz erschienen. Mit der "Wiener Zeitung" sprach der deutsche Bestsellerautor über Angst vor Robotern, tollpatschige Terminatoren - und über Daniel Düsentrieb.

"Wiener Zeitung": Was denken Sie: Wird Künstliche Intelligenz Ihren oder meinen Job früher ersetzen?


Frank Schätzing: Na, sagen wir mal so: Ich schreibe längere Texte als Sie, wahrscheinlich wird sie mit Ihrem anfangen.

Warum haben Sie sich das Thema Künstliche Intelligenz ausgesucht?

Weil es mich seit den 70ern fasziniert. Als Science-Fiction-Fan habe ich natürlich meinen Isaac Asimov gelesen, der KI (künstliche Intelligenz) vorausgesehen und seine berühmten Robotergesetze entwickelt hat. Ich wollte immer wissen, ob es eines Tages möglich sein wird, eine Maschine zu bauen, die klüger ist als wir.

Können uns die Asimov-Gesetze heute in der Praxis helfen?

Bedingt. So, wie er sie formuliert hat, greifen sie nicht weit genug. Asimov zufolge darf ein Roboter einen Menschen nicht verletzen, nicht zulassen, dass ein anderer ihn verletzt, und muss sich selbst schützen. Schon im Bereich des pilotierten Fahrens stürzt das eine KI in unauflösbare Dilemmata: Mitunter ist es eben schlicht unmöglich, Fahrzeuginsassen, andere Verkehrsteilnehmer und sich selbst zu schützen. Irgendjemand muss dran glauben. Also wägt die Maschine ab, wer lebt und wer stirbt - im Versuch zwar, die ethisch verträglichste Lösung zu finden, aber Asimovs erstes Gesetz geht damit schon mal den Bach runter. Ebenso das zweite: Zu verhindern, dass Menschen einander Schaden zufügen, hätte das Ende von Boxen und Nabelpiercing zur Folge. Im Versuch, sich selbst zu schützen, würde eine KI zudem versuchen, ihre Schöpfer der Möglichkeit zu berauben, sie abzuschalten. Das Ganze endete in unserer gewaltfreien Entmündigung. Alles nicht so einfach.

Die Kunst bietet heute häufiger Dystopien, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Früher gab es doch noch ab und zu einen netten Roboter, der dann von Robin Williams gespielt wurde. Warum ist das so?

Weil Williams’ Stahlmann oder C-3PO und R2-D2 gar nicht als Roboter gedacht waren, sondern als bessere Menschen im Gewand von Maschinen. In der Hochzeit der Science Fiction hatte man sehr naive Vorstellungen von intelligenten Maschinen. Sie assistierten uns, manchmal auf Augenhöhe, aber praktisch nie wurde thematisiert, dass sie in der dargestellten Perfektion zwangsläufig in allem besser sein mussten als wir. Daran krankt das ganze "Terminator"-Universum. Ich liebe Teil 1 und 2, schon wegen Arnie, aber eine Herrschaft der Maschinen, die darin gipfelt, dass weit fortgeschrittene Roboter ihren menschlichen Widersachern mit herkömmlichen Knarren hinterherlaufen und ständig danebenschießen, ist - gelinde gesagt - Quatsch.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-04 16:27:36
Letzte Änderung am 2018-05-04 16:31:12


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