• vom 15.07.2018, 06:00 Uhr

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Was Fitness-Daten verraten




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Von Adrian Lobe

  • Mit den neuen Informationstechniken werden auch geheime Dinge sichtbar, die nicht jedem geheuer sind.

Wer sich tracken lässt weiß nicht, was mit den Daten passiert. - © dpa

Wer sich tracken lässt weiß nicht, was mit den Daten passiert. © dpa

Wien. Über Google Street View lassen sich - seit dieser Woche auch in Österreich - ganze Straßenecken virtuell abfahren, auf Google Maps kann man hochauflösende Bilder von Wohnvierteln und Häusern aufrufen, die man bis auf die Grundstücksgemarkung heranzoomen kann. Was man auf den statischen Aufnahmen jedoch nicht sieht, sind Bewegungen. Der Fitnesstracker Strava hat unlängst dynamische Heatmaps veröffentlicht, welche die öffentlichen Aktivitäten in den letzten zwei Jahren visualisieren. Auf einer Weltkarte sind die Bewegungsmuster der Nutzer dargestellt. Je nach Aktivitätsart - Laufen, Radfahrern, Schwimmen, Wintersport - ergibt sich ein ganz unterschiedliches Bild. Der Großraum London und die Niederlande gelten in Sachen Radfahren ebenso wie Neuengland und Japan als "heißes Pflaster", besonders aktive Läufer finden sich an der amerikanischen Ostküste, im Großraum Los Angeles sowie in Großbritannien.

Für das Kartenmaterial wurden insgesamt 700 Millionen Aktivitäten, rund 1,4 Billionen Höhen- und Breitengradpunkte sowie 7,7 Billionen Pixel ausgewertet. Die Strava-Nutzer legten eine Distanz von 16 Milliarden Kilometern zurück, das entspricht 400.000 Mal dem Äquatorumfang. Durch die Big-Data-Analyse lässt sich ein detailliertes Bewegungsmuster ermitteln - nicht nur auf Makroebene, sondern auch auf Mikroebene. Die Daten zeigen etwa die Schwimmroute eines Ironman-Teilnehmers in Hawaii, Pilger auf dem Jakobwegs sowie Extremsportler, die durch den Ärmelkanal schwimmen. Seitdem 1875 der erste Brite die eiskalte Nordsee von Dover nach Frankreich überquerte, hat die English Channel Swimming Association über 2200 erfolgreiche Ärmelkanalüberquerungen gezählt, allein 105 im vergangenen Jahr. Darunter war offensichtlich auch ein Strava-Nutzer, was den App-Entwickler freut und auch ein wenig Eigenwerbung ist.


Auch Gipfelstürmer des Mount Everest oder Teilnehmer des Antarktis-Marathons haben mit dem Fitness-Tracker ihre Schritte zählen lassen. Zwar werden die Daten bei der Auswertung anonymisiert. Doch lassen sich aus den Aktivitäten Rückschlüsse ziehen: Wer bewegt sich auf welchem Terrain? Hat man den Aufstieg tatsächlich geschafft? Waren wirklich so viele Pilger auf dem Jakobsweg, wie die Veranstalter sagen? Die App wird zum Kontrollinstrument.

Japaner schlafen kurz
Der amerikanische Fitnessbandhersteller Jawbone hat in einer Statistik aufgeschlüsselt, in welcher Stadt die Menschen im Durchschnitt am spätesten ins Bett gehen (Moskau, 0.46 Uhr), am wenigsten schlafen (Tokio, im Durchschnitt 5 Stunden und 44 Minuten) und am spätesten aufstehen (Moskau, im Durchschnitt um 8.08 Uhr), wo die wenigsten Schritte (São Paulo, 6245) und meisten Schritte (Stockholm, 8876) gemacht werden. Zwar können die Daten nicht weiter als auf das Stadtniveau heruntergebrochen werden, doch Big Data ist längst in die Schlafzimmer eingedrungen. In den kalten Daten wird auch immer auch ein kulturalistisches Vorurteil mit transportiert: Russen stehen spät auf. Die Japaner schlafen zu wenig. Und die Brasilianer sind fußfaul.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-13 16:16:57
Letzte Änderung am 2018-07-14 11:31:59


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